Informationen zur SVSP Risikokennzahl
1. Was bedeutet Value at Risk (VaR)
Value at Risk (VaR) ist die in der Finanzbranche am weitesten verbreitete Methode um das Marktrisiko einer Investition abzuschätzen. Der VaR gibt eine Antwort auf die Frage: «Wenn ich Geld verliere, wieviel kann ich dann verlieren?». VaR macht eine Aussage dazu, indem zum Beispiel angegeben wird, dass man bei einer bestimmten Investition während einer Haltedauer von 10 Tagen mit der Wahrscheinlichkeit von 99% nicht mehr als einen bestimmen Betrag verliert.
Um VaR zu berechnen, untersucht man systematisch die Auswirkungen von Änderungen der zugrundeliegenden Risikofaktoren wie Volatilität, Zinsen und Preis des Basiswertes auf den Wert eines bestimmten Produktes oder eines Portfolios. Die daraus gewonnen Daten erlauben einen Rückschluss auf die Höhe eines möglichen Verlustes sowie dessen Eintrittswahrscheinlichkeit.
Resultat der Bestimmung des VaR ist eine Zahl. Es ist üblich, diese Zahl als Prozentwert anzugeben, da so eine sofortige Anwendung auf den Wert der Investition ermöglicht wird. So gibt zum Beispiel ein VaR von 13% für ein beliebiges Strukturiertes Produkte Auskunft darüber, dass bei einer Investition von CHF 10‘000 der Verlust auf diesem Produkt unter dem gegebenen VaR Szenario nicht mehr als CHF 1‘300 betragen sollte. Selbstverständlich kann der effektive Verlust auch geringer sein, beziehungsweise gar kein Verlust auftreten. Üblicherweise wird der VaR zusammen mit einer Halteperiode und einem so genannten Konfidenzintervall angegeben. Die Halteperiode gibt Auskunft darüber, innerhalb welches Zeitraums das Ergebnis der Berechnung gültig ist. Eine Haltedauer von 10 Tagen bedeutet, dass man das Produkt in 10 Tagen noch hält. Das Konfidenzintervall trifft eine Aussage über die Signifikanz des errechneten VaR Wertes. Ein Konfidenzintervall von 99% bedeutet, dass in 99 von 100 Fällen der errechnete VaR Wert dem tatsächlichen Wert entspricht.
2. Value at Risk Methoden
Die Berechnung von VaR kann analytisch oder durch Simulation erfolgen. Die analytischen Verfahren haben den Vorteil, dass sie eine besonders schnelle und einfache Risikoabschätzung ermöglichen. Dieser Vorteil ist vor allem bei grossen Portfolios nicht zu unterschätzen. Für die Abschätzung des VaR von Strukturierten Produkten führt dieser Ansatz allerdings zu fehlerhaften Ergebnissen und wird deshalb vom SVSP nicht angewendet.
Die Berechung von VaR durch Simulation geschieht entweder durch die so genannte «Monte Carlo Simulation» oder durch historische Simulation. Das Kernstück der Monte Carlo Simulation besteht darin, mit Hilfe von Computern eine Vielzahl verschiedener Szenarien zu entwickeln, diese anschliessend zu bewerten und aus den Ergebnissen die Verteilung der Verluste zu bestimmen. Diese Methode kann unter bestimmten Umständen sehr rechenintensiv sein. Im Gegensatz zum analytischen Verfahren muss man sich bei der Erstellung von Szenarien aber nicht auf Normalverteilung beschränken.
Bei der Bestimmung von VaR durch historische Simulation werden für die Berechnung historische Zeitreihen verwendet. Die effektiven Daten der historischen Zeitreihen stellen bereits die unterschiedlichen Szenarien dar, die im Gegensatz zur Monte Carlo Simulation daher nicht erst erzeugt werden müssen. Der SVSP nutzt zur Berechnung von VaR die historische Simulation. Diese Methode ist weit verbreitet im Finanzsektor und liefert für Strukturierte Produkte sehr gute Ergebnisse.
3. Historisches Value at Risk
Bei der Berechnung von VaR mit Hilfe der historischen Simulation werden Datensätze aus der Vergangenheit verwendet, um quantitative Aussagen über das Marktrisiko zu machen. Die Wahl des Zeitfensters, d.h. der Zeitraum, über den die historischen Daten zurückreichen, ist dabei von entscheidender Bedeutung. Bei der Wahl eines zu grossen Zeitfensters stellt sich die Frage, ob weit zurückliegende Daten für die Berechnung des VaR überhaupt noch relevant sind. Bei der Wahl eines zu kleinen Zeitfensters stellt sich die Frage, ob die Zahl der Daten repräsentativ ist und ausreichend Extremwerte vorhanden sind, um eine sinnvolle Berechnung zu ermöglichen. Das gegenwärtige volatile Umfeld legt ein eher kleineres Zeitfenster von 250 Tagen nahe.
Bei der Verwendung von historischen Daten für die Berechnung des VaR müssen keine Annahmen über die Verteilung der Preise oder die Korrelation unterschiedlicher Basiswerte getroffen werden. Mit dieser Methode werden also im Gegensatz zu allen anderen Berechnungsverfahren keinerlei Modellannahmen getroffen.
Es gilt dabei aber zu bedenken: Die historischen Daten enthalten nur bekannte Ereignisse. Neue Produkte oder Änderungen in der Struktur der Märkte werden in den Daten nicht abgebildet. Damit können auch nur Szenarien reproduziert und betrachtet werden, die schon einmal eingetroffen und deshalb im Prinzip bereits bekannt sind.
Der Historische VaR von Strukturierten Produkten kann nicht direkt aus der Preishistorie eines Strukturierten Produktes errechnet werden (ein praktisches Beispiel ist im Anhang zu finden). Daher wird die historische Datenreihe des Basiswertes betrachtet und mit Hilfe dieser historisch niedergelegten Szenarien der Wert eines Strukturierten Produktes berechnet. Dies ist die Grundlage für die Bestimmung des VaR für Strukturierte Produkte.
4. SVSP Risikokennzahl
Um die Transparenz für gelistete Strukturierte Produkte in der Schweiz zu erhöhen, führt der SVSP VaR als Risikokennzahl ein. Das historische VaR ist die bevorzugte Methode zur Berechnung des VaR der einzelnen Strukturierten Produkte.
Als Standardwert für das Zeitfenster der SVSP Risikokennzahl wurden 250 Tage gewählt. Der Standardwert für die Halteperiode wurde vom SVSP auf 10 Tage festgelegt. Der Wert für das Konfidenzintervall wurde auf 99% festgelegt. Diese Parameter entsprechen dem international verwendeten Standard bei der Berechnung von VaR.
Die Berechnung der Risikokennzahl erfolgt täglich nach Börsenschluss und die Resultate sind am nächsten Tag vor Börseneröffnung verfügbar. Die Risikokennzahl und das SVSP Risk Rating sind auf der Website des SVSP abrufbar (Link: www.svsp-verband.ch/riskrating_de). Zudem sind die Resultate von SIX Exfeed als Bestandteil des Swiss Market Feed (SMF) für Datenvendoren, Banken, Portale und weitere Marktteilnehmer verfügbar.
Die Daten zur Berechnung der Risikokennzahl werden von Derivative Partners Research AG gesammelt, gepflegt und aufbereitet. Die Berechnung des VaR erfolgt durch den Calculation Agent Riskmetrics Group.
Um die Einordnung des VaR zu erleichtern, werden die Strukturierten Produkte in Abhängigkeit von der Höhe des VaR in eine von sechs Risikoklassen eingeordnet. Diese Risikoklassen ergeben das SVSP Risk Rating für jedes einzelne gelistete Strukturierte Produkt in der Schweiz.
Die Intervalle werden durch eine unabhängige Risikokomission des SVSP regelmässig überprüft und basierend auf einem festen Regelwerk gegebenenfalls angepasst. Dies ist notwendig, um dem jeweiligen Marktgeschehen Rechnung zu tragen, denn die VaR Werte steigen oder fallen mit nervösen oder ruhigen Märkten. Bei statischen Intervallen könnten im Extremfall zum Beispiel Renditeoptimierungsprodukte mit demselben Risiko wie Hebelprodukte in der Risikoklasse 6 eingeordnet werden. Durch eine periodische Überprüfung der VaR Intervalle wird sichergestellt, dass die Marktrisiken einzelner Produkte relativ zueinander im richtigen Verhältnis dargestellt werden.
5. Risikokommission
Der SVSP setzt mit dem Start des Risk Ratings eine Risikokommission ein. Sie ist besetzt mit Experten aus dem Bereiche Strukturierte Produkte und Risk Management. Ihre Aufgabe ist es aktiv die Transparenz bei den Strukturierten Produkten in den Dimensionen Risiken, Ertragschancen und Komplexität zu fördern. Dazu gehört auch die Prüfung neuer Methoden und die Verbesserung bestehender Methoden.
Für die Darstellung und Bewertung des SVSP Risk Ratings wird periodisch die Vergleichsskala (VaR Intervall pro Risikoklasse) für die berechneten VaR Werte nach festen Regeln angepasst.
Die Anpassung der Skala ist notwendig um zu vermeiden, dass Strukturierte Produkte in einem weniger volatilen Umfeld als zu risikoreich betrachtet werden und umgekehrt.