Auch am Schweizer Aktienmarkt stand das Handelsgeschehen seit dem Jahreswechsel im Zeichen von Branchenrotationen. Wie mir aus dem Berufshandel berichtet wird, schichten grosse international tätige Marktteilnehmer seit Wochen aus defensiven in konjunkturabhängige Aktien und Sektoren um.

Heute Montag wird dieser Trend gleich durch mehrere Sektorumstufungen bestätigt.

Die UBS stuft die europäischen Aktien zwar weiterhin mit «Underweight» ein, erhöht die Aktienquote in den Portfolios weltweit allerdings von «Neutral» auf «Overweight». Den Strategen zufolge hat sich das Umfeld deutlich aufgehellt und ist mittlerweile geradezu ideal für Aktienanlagen.

Auf Branchenebene stuft die Schweizer Grossbank den Industriesektor von «Neutral» auf «Overweight» und die Finanzwerte von «Underweight» auf «Neutral» hoch. Im Gegenzug stuft sie den Gebrauchsgütersektor von «Neutral» auf «Underweight» und den Telekommunikationssektor von «Overweight» auf «Neutral» zurück.

Auch Merrill Lynch nimmt am Montag in einer Strategiestudie Anpassungen bei den Branchenpräferenzen vor. Die Strategen stufen den europäischen Industriesektor von «Underweight» auf «Neutral» hoch und senken im Gegenzug den europäischen Nahrungsmittel- und Getränkesektor von «Neutral» auf «Underweight». Mit den Anpassungen erhöht Merrill Lynch die Gewichtung konjunkturabhängiger Aktien und Sektoren. Allerdings werden die ebenfalls als defensiv geltenden Sektoren Telekommunikation und Pharma bei den Amerikanern weiterhin mit «Overweight» eingestuft.

Am extremsten fallen allerdings die von CA Cheuvreux kommunizierten Umstufungen aus. Die Franzosen senken den nicht-zyklischen Konsumgütersektor um zwei Stufen von «Overweight» auf «Underweight». Dasselbe gilt für den Untersektor Nahrungsmittel. Im Gegenzug wird der zyklische Konsumgütersektor von «Neutral» auf «Overweight» hochgestuft.

Gleichzeitig heben die Strategen von CA Cheuvreux den Industriesektor von «Underweight» auf «Neutral» an. Dies geschieht in Form einer Hochstufung des Transportsektors von «Underweight» auf «Overweight». Der Telekommunikationssektor wird hingegen von «Overweight» auf «Underweight» gesenkt.

Für den Schweizer Aktienmarkt halten sich die Auswirkungen dieser Umstufungen am frühen Montagnachmittag in Grenzen. Die Papiere der beiden Schweizer Grossbanken UBS und Credit Suisse können von den Sektorrotationen profitieren. Dasselbe gilt für die Versicherungwerte Bâloise, Swiss Re und Zurich Financial Services. Auch die Aktien von Holcim und Kühne + Nagel sind aufgrund der neuen Branchenpräferenzen gesucht. Im Gegenzug liegen die Papiere von Nestlé trotz ermutigenden Aussagen des neuen CFO im Angebot.

Ich gehe davon aus, dass die in den vergangenen Wochen beobachteten Sektorrotationen noch nicht abgeschlossen sind. Gleichzeitig geraten falsch oder unterdurchschnittlich in Aktien investierte Marktteilnehmer zunehmend unter Druck, ihre Zurückhaltung zu überdenken. Für mich treten die Aktienmärkte damit in eine interessante Phase ein.