Von Anfang August 2011 bis Ende Jahr bewegte sich die UBS-Aktie in einem Kursband zwischen 10 Franken und 12 Franken. Ein Blick auf den langjährigen Chart der Aktie zeigt, dass dies die längste Seitwärtsbewegung der Aktie seit 15 Jahren ist. Und langanhaltende Seitwärtsbewegungen bei Aktien können durchaus ein Indiz für das Erreichen einer Talsohle sein. Womöglich sind aber die Bankaktien aber bereits nach oben ausgebrochen.

So konnte die UBS-Aktie in den letzten vier Wochen eine Performance von gut 5 Prozent hinlegen. Damit schlägt der Titel den Leitindex der Schweizer Börse, der im selben Zeitraum bloss 4 Prozent addieren konnte. Auch die Valoren von Julius Bär und Credit Suisse konnten innert Monatsfrist Zugewinne verzeichnen. Dies erstaunt in Anbetracht des Kurszerfalls der Bankaktien in den letzten Jahren.

Denn sowohl die CS- als auch die UBS-Titel sind seit der Lehmann-Krise 2008 um je 80 Prozent eingebrochen. Und auch im 2011 gehörten beide Werte zu den Topverlieren im Swiss Market Index (SMI). Doch laut einer Studie der Citibank könnte nun aber die Talsohle erreicht sein.

Die Titel der UBS, Credit Suisse und Julius Bär gehören bei den Analysten der amerikanischen Grossbank zu den Sektorfavoriten. Dies ist eine mutiger, aber kein keine grundlose Einschätzung. Denn viel Negatives ist in den Kursen eingepreist. Die Bankinstitute verfügen – im Vergleich zur ausländischen Konkurrenz – über gute Fundamentaldaten und sind zudem günstig bewertet.

Die geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV) für 2013 der beiden Grossbanken gehören zu den tiefsten im Swiss Market Index (SMI). Mit 6,7 (CS) und 7,2 (UBS) liegen sie über dem europäischen Branchenschnitt.

Wenig PIIGS-Risiken, hohe Eigenkapitalquoten

Warum Schweizer Bankaktien? Erstens: Geringe Exposures in Euro-Peripherieländer. Sollte die Euro-Zone wirklich auseinanderbrechen, dann träfe dies vor allem italienische, spanische und französische Banken. Laut dem letzten Stresstest vom Dezember 2011 hält die BNP Paribas über 40 Milliarden Euro an Anleihen der so genannten PIIGS-Staaten. Bei der Intesa Sanpaolo beläuft sich das Engagement sogar 60 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Die UBS ist laut dem Drittquartalsbericht vom September des letzten Jahres mit knapp 11 Milliarden Euro und die CS mit rund 15 Milliarden Euro exponiert.

Zweitens: Kapitalpolster für turbulente Zeiten. Die Kernkapitalquote oder "Core Tier-1 Ratio", also jene Zahl, welche das Aktienkapital und die zurückbehaltenen Gewinne ins Verhältnis zu den risikogewichteten Anlagen setzt, ist bei den Schweizer Instituten weit höher als bei der ausländischen Konkurrenz.

Die Bank Julius Bär hat mit einer Quote von 24 Prozent die höchste Marke in Europa. Und auch die beiden Schweizer Grossbanken verfügen über Zahlen nahe der 19-Prozent-Marke. Auf den hinteren Rängen hingegen liegen die Commerzbank und die Deutsche Bank mit rund 13 Prozent. Schweizer Finanzinstitute verfügen somit über ein weit dickeres Eigenkapitalpolster als vergleichbare ausländische Banken.

Drittens: Gute Positionierung in Wachstumsmärkten. Neugelder stammen immer mehr aus den Wachstumsländern Asiens und Lateinamerikas. Und diese dürften trotz Konjunkturabkühlungen weiter anhalten. Die Schweizer Banken haben ihr Netz an Niederlassungen in den Schwellenländern schon früh ausgebaut.

Damoklesschwert Euro-Schuldenkrise

Dennoch sollten die nach wie vor schwellenden Gefahrenherde nicht unterschätzt werden. So hängt eine mögliche Eskalation der Euro-Schulden-Krise wie ein Damoklesschwert über den Bankinstituten. Die Abwertung von Frankreich und Oesterreich von AAA auf AA+ durch die Ratingagentur Standard & Poor's am letzten Freitag macht die Überwindung der Euro-Krise noch schwieriger. Allerdings drückte die Nachricht kaum auf die Aktienkurse der drei Schweizer Banken.

Zudem flattern immer wieder Klagen aus den USA wegen mutmasslicher Beihilfe zur Steuerhinterziehung in die Rechtsabteilungen der Finanzinstitute. Dies zwingt die Banken, Rückstellungen zu bilden. Allerdings dürfte die Klageflut aus den USA langsam abebben, da diverse Schweizer Bankinstitute den USA den Rücken zukehren. Die CS zum Beispiel kündigte Ende November 2011 an, gänzlich vom US-Offshore-Geschäft auszusteigen.

Tiefe Kurs-Gewinn-Verhältnisse

Weiter lassen strengere Kapital- und Liquiditätsvorschriften die Margen der Banken schmelzen. Laut des Bankenbarometers 2011 des Beratungsunternehmens Ernst & Young sind die Mehrheit der befragten Banken der Ansicht, dass die Zusatzkosten nicht auf Kunden und Produkte überwälzt werden können. Deshalb müssten Aktionäre künftig mit tieferen Renditen rechnen. Und nicht zuletzt drückt der stärker werdende Franken zusätzlich auf die Margen. Seit dem Rücktritt des SNB-Präsidenten Philipp Hildebrand nähert sich der Franken der Kursuntergrenze von 1,20 Franken zum Euro (zum Artikel).

Engagements in Schweizer Bankaktien sind also eine (Hoch-)Risikoangelegenheit. Vieles hängt vom Ausgang der europäischen Schuldenkrise ab. Würde die Eurozone tatsächlich auseinanderbrechen, dann dürften einige Europa-Banken in Existenznöte geraten. Auch UBS, CS und Julius Bär wären stark betroffen und die Aktienkurse würden massiv einbrechen.

Für den risikobereiten Anleger bietet sich dennoch eine gute Gelegenheit, Schweizer Bankaktien gestaffelt aufzubauen.