Die Lehman-Pleite und Finanzkrise haben das Misstrauen gegenüber strukturierten Produkten erhöht. Der erstaunlichere Befund einer von cash und dem Magazin payoff durchgeführten Studie ist aber: Anleger nutzen Strukturierte Produkte im gleichen Mass wie vor der Finanzkrise.

Die Branche hat sich aufgerappelt: strukturierte Produkte - «Strukis» - sind zwar nicht en vogue, aber Anbieter dieser Anlageprodukte haben aus der Lehman-Brothers-Pleite ihre Lehren gezogen. Die Vielfalt und Komplexität in der Angebots-Palette hat abgenommen, die Risiken bezüglich Renditen und Emittenten wurden transparenter gemacht. Der Schweizerische Verband für Strukturierte Produkte (SVSP) hat eine neue Risikokennzahl eingeführt. Und die Derivatebörse Scoach hat im vergangenen September das Segment COSI für pfandbesicherte Produkte eingeführt. Mit diesen haben Anleger die Möglichkeit, ihre Risiken weiter zu senken, allerdings auch zu einem höheren Preis.

Aber der Ruf dieser Anlageklasse hat nachhaltig gelitten. Das zeigt eine repräsentative Umfrage, welche cash zusammen mit Derivative Partners bei 1002 Personen durchführen liess. Vertrauen geniessen strukturierte Produkte und Zertifikate gemäss den Ergebnissen der Studie nur noch bei 4 Prozent der Bevölkerung. 2007 lag dieser Wert noch bei 8 Prozent. Ist dieser Rückgang wohl auf die schlechte Presse im vergangenen Jahr zurückzuführen, macht der Vertrauensverlust im Kreis der Anleger mit «Strukis» im Portfolio aber hellhörig: 43 Prozent haben kleines oder gar kein Vertrauen mehr in diese Anlageklasse. Nur noch bei 13 Prozent ist es gross bis sehr gross. 2007 war das Vertrauen von jedem vierten Anleger noch gross gewesen, 2008 dann nur noch bei jedem fünften. Von 10 auf 13 Prozent in diesem Jahr stieg auch der Anteil jener, welche strukturierte Produkte als zu verlustreich beurteilen.

Erstaunen mag darum, dass weiterhin 8 Prozent aller Schweizer Anleger strukturierte Produkte als Geldanlage nutzen. Das ist gleich viel wie 2008 und nur ein Prozentpunkt weniger als 2007. Der Wert der Anlagen ist allerdings deutlich gesunken: Gemäss SVSP auf 238 Milliarden Franken im September. Vor der Lehman-Pleite im September 2008 waren es noch 319 Milliarden Franken gewesen.

Zum Teil ist die Anlegertreue dadurch begründet, dass Anleger ihre Produkte relativ lange im Portfolio behalten. Mehr als sechs Transaktionen pro Jahr nimmt nur jeder Fünfte vor. 44 Prozent handeln gar nicht. Die Nachfrage ist im Zuge der Finanzkrise ohnehin gesunken. Der Anteil derer, die erst innerhalb der letzten zwei Jahre das erste Mal in strukturierte Produkte investiert haben, ist von 24 auf noch 10 Prozent gesunken.

Ihre Börsengeschäfte wickeln die Schweizer Anleger nach wie vor bei den drei traditionellen Marktführern ab: Bei der UBS, den Kantonalbanken und der Credit Suisse. Die Kantonalbanken haben 2009 aber deutlich an Marktanteil verloren: Er sank von 34 auf 22 Prozent. Die CS verlor 3 auf 17 Prozent. Die UBS, die in der Öffentlichkeit im vergangenen Jahr viel von ihrem Ruf als vertrauenswürdige Bank einbüsst hat, liegt nach wie vor an der Spitze: Ihr Marktanteil bei Börsengeschäften für Anleger stieg sogar leicht an und liegt bei 30 Prozent.

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