In der Privatwirtschaft variiert die Lohndiskriminierung je nach Branche stark. Am tiefsten ist sie mit 4,2 Prozent im Sozial- und Gesundheitswesen, wie es in der am Freitag veröffentlichten Studie des Büros für arbeits- und sozialpolitische Studien (BASS) heisst. Danach folgt das Gastgewerbe mit 4,8 Prozent.

In der Sparte Informatik und Dienstleistungen für Unternehmen errechneten die Autorinnen und Autoren eine mit Qualifikation, Position, Alter, Anforderungen, Betriebsgrösse, Branche oder Region nicht begründbare und somit nach ihrer Auffassung diskriminierende Lohndifferenz von 6,4 Prozent.

Im Unterrichtswesen sind es 7,6 Prozent und in der chemischen Industrie 7,9 Prozent. Überdurchschnittlich ist die Diskriminierung mit 12,2 Prozent bei den Banken und Versicherungen. Eine Differenz von 18,9 Prozent errechneten die Autoren für die Textil- und Lederindustrie.

Im Vergleich der Männer- und Frauenlöhne am besten abgeschnitten haben die Bundesverwaltung und die Bundesbetriebe. Dort beträgt der diskriminierende Lohnunterschied 3,5 Prozent.

Unterschiede nach Regionen

Tendenziell sei die diskriminierende Lohndifferenz tiefer, wenn in einer Branche mehr Frauen arbeiteten, heisst es in der Studie dazu. Unterschiede gibt es auch nach Regionen: Die geringste Diskriminierung gab es in der Genferseeregion mit 7,9 Prozent.

Ein unterdurchschnittlicher Wert von 8,9 Prozent wurde auch für den Espace Mittelland errechnet. In der Region Zürich waren es im Mittel 9,7 Prozent - trotz der grössten Lohnunterschiede insgesamt.

Ausgeprägter ist die Diskriminierung in der Zentralschweiz (9,8 Prozent), in der Nordwestschweiz (10,6 Prozent) und in der Ostschweiz (10,8 Prozent). Den höchsten Wert hatte mit 12 Prozent das Tessin.

Im Auftrag des Gleichstellungsbüros

Das Büro für arbeits- und sozialpolitische Studien (BASS) erstellte die Studie im Auftrag des Bundesamtes für Statistik (BFS) und des Eidgenössischen Büros für die Gleichstellung von Frau und Mann. Basis war die Lohnstrukturerhebung 2008.

Die Studie unterscheidet zwischen dem gesamten Lohnunterschied, der erklärbare Faktoren einschliesst, und der sachlich nicht begründbaren Lohndiskriminierung. Der für die Berechnung verwendete Lohnunterschied betrug in der Privatwirtschaft 24,1 Prozent und beim Bund 17,6 Prozent.

Laut Bundesamt für Statistik (BFS) ist die Lohndifferenz zwischen Frau und Mann von 1998 an kleiner geworden, aber von 2006 bis 2008 wieder leicht gewachsen. Die Verfassung würde Frauen gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit garantieren. Und das Gleichstellungsgesetz verbietet jegliche Diskriminierung von Frauen.