Um Facebook, Twitter, Myplace, oder Xing kommt heute kein Firmenchef mehr herum. So beschäftigen Unternehmen wie McDonald's und Credit Suisse bereits einen «Head of Social Media».

Dass sich in den Netzwerken noch kaum ein Rappen verdienen lässt, dafür aber Reputation und Kundenbindung gewaltig gesteigert werden können, ist bis auf die Teppichetage Schweizer Börsenunternehmen durchgedrungen. Die wenigsten wissen offenbar aber, wie sie den Hype für sich nutzen können (Auswahl von Youtube-Auftritten am Schluss).

PR-Profi Marcel Bernet pickt als Beispiel den UBS-Youtube-Auftritt heraus: «Der UBS Wealth Management Report ist ein gutes Beispiel eines zielgruppenspezifischen Kanals.» Man werde nicht mit allen UBS-Filmen überschüttet, sondern es würden nur die regelmässigen Marktreports gezeigt.

Schlecht sei bei der UBS die Qualität: «Ja, heute darf man alles ein bisschen billiger machen - lieber guten Inhalt als eine perfekt inszenierte Interview-Show. Aber hier ist mir das ganze doch ein wenig zu hemdsärmelig», sagt Bernet. Die Fragestellerin wirke eher gelangweilt, die Anworten seien zu monoton, das Setting sei seltsam.

Social Media bei Banken lässt viel zu Wünschen übrig

Gerade Banken haben bisher geschlafen: Zu diesem Schluss kommt die Studie «Wealth Management and Social Media» der nach eigenen Angaben unabhängigen Berater von MyPrivateBanking.

Nur eine kleine Gruppe von vier Banken (Deutsche Bank, Crédit Agricole, BNP Paribas und Credit Suisse) unter den untersuchten Auftritten der weltweit 30 grössten Vermögensverwalter zeigt zumindest eine einheitliche und umfassende Social-Media-Strategie.

«Ein erschreckend hoher Anteil der führenden Banken hat entweder keine Präsenz oder ist dort nur sporadisch aktiv», so die Studien-Autoren. Sie empfehlen, dass jede Bank in Facebook, LinkedIn, Twitter, Youtube und Flickr präsent und aktiv sein soll.

«Emotionen müssen geweckt und authentische Eindrücke vermittelt werden», ergänzt Martin Poreda, Geschäftsführer der Arbeitgeber-Bewertungsplattform Kununu. Die Firmen müssten sich aber klar sein, dass sie bei den Ausgaben nicht kleinlich sein sollten.

Werbung zum Nulltarif verlockt

Diesen Eindruck erweckt der Youtube-Auftritt von ABB. «Kein redaktionelles Konzept scheint der Technologie-Konzern zu haben», sagt Bernet. «Hier warten mal zwei Filme auf eine Ausrichtung - der zweite übrigens ohne Ton.» Sein Fazit: «So lieber nicht.»

Experten führen den Lockruf von Gratis-Werbung ins Feld: «Web 2.0 macht es möglich, dass Imageclips mit Videoportalen wie Youtube eine Renaissance erleben», sagt Poreda. «Für viele Firmen scheint es verlockend, dass man scheinbar zum Nulltarif elektronische Werbung fürs Unternehmen machen kann», so der Social-Media-Experte.

Poreda wie auch Bernet heben hervor, dass man nicht aufgrund des Youtube-Channels sagen könne, wer gutes Social Media macht und wer nicht. Firmen, die den Gratis-Video-Kanal im Internet aber nutzen, sollten mehr dabei überlegen anstatt «einfach mal schnell ein paar Videos draufknallen».

Generell für alle Auftritte gelte: Videos müssen einen klaren Titel haben. «Und wers gut macht, der fügt Kurzinfos dazu, samt Ortsangabe und einem Link zu relevantem Web-Content», sagt Bernet. Wie zum Beispiel Nestlé.

Eine hohe Zahl an Video-Abrufen erreicht Novatis mit über 100'000 seit 2009. «Hier ist auch sehr viel gut strukturierter Inhalt abrufbar, der einem Userbedürfnis zu entsprechen scheint», sagt Bernet.

«Zuschaffen» sollte die Devise lauten

Gemäss einer aktuellen Studie der PR-Consulter Temmel, Seywald & Partner regiert bei börsennotierten Unternehmen die Haltung «Abwarten und Beobachten». Sechs von zehn der in der Schweiz, Österreich und Deutschland befragten Unternehmen nützen Facebook und Twitter, die Hälfte stellt Promotion-Videos auf Youtube. Für neun von zehn Unternehmen ist Social Media nicht mehr aus der Unternehmenskommunikation wegzudenken.

In den kommenden drei Jahren seien Apps für Smartphones, die geschäftliche Nutzung sozialer Netzwerke wie Facebook und Multi-Media-Plattformen wie Youtube die stärksten Treiber. Schweizer Firmen sind es denn auch, die am häufigsten ein eigenes Profil eingerichtet haben und Geld für Social Media ausgeben.

 

Machen Sie sich selbst Ihr Bild:
Auswahl von Youtube-Auftritten von SMI-Konzernen

-Grossbank UBS (zum Auftritt)

-Technologie-Konzern ABB (zum Auftritt)

-Grossbank CS (zum Auftritt)

-Pharma-Konzern Novartis (zum Auftritt)

-Nahrungsmittel-Konzern Nestlé (zum Auftritt)

-Telekom-Konzern Swisscom (zum Auftritt)

-Pflanzenschutz- und Saatguthersteller Syngenta (zum Auftritt)

-Uhren-Konzern Swatch Group (zum Auftritt)

-Versicherungs-Konzern Zürich (zum Auftritt)