Nitasha Silesh hat im vergangenen Monat an der Leysin American School im Kanton Waadt nahe dem Genfer See angefangen. Ihr Vater, ein indischer Textilfabrikant, lässt sich die Ausbildung seiner Tochter 69'500 Schweizer Franken im Jahr kosten. Zum Vergleich: Das englische Nobelinternat Eton, das beispielsweise der aktuelle britische Thronfolger Prince William sowie der amtierende Premierminister David Cameron besuchten, berechnet für ein Jahr 29'862 Pfund (rund 47'000 Franken). Die US-Eliteanstalt Phillips in Andover, Massachusetts, zu deren Absolventen die Präsidenten Bush senior und junior zählen, kostet jährlich 41'300 Dollar (rund 40'700 Franken).

«Schweizer Internate sind die teuersten der Welt», konstatiert Christophe Clivaz, Gründer der in Genf angesiedelten Internatsberatung Swiss Learning. Bis zu 120'000 Franken jährlich können die Schulgebühren ausmachen, berichtet er. In Leysin können die Schüler aus mehr als 60 Ländern dafür nicht nur lernen, sondern geniessen auch ein reichhaltiges Freizeitangebot, wie beispielsweise Ski- und Snowboardfahren im Winter. «Mein Vater sagt, dass es eine Menge Geld ist, aber ich soll mich nicht nur auf meine Studien konzentrieren», sagt die 15-jährige Nitasha. «Er will, dass ich auch reise und die ganzen Aktivitäten ausnutze.»

Le Rosey ist die teuerste Schule der Welt

Das Prädikat «teuerste Schule der Welt» gebühre Le Rosey mit Standorten in Rolle und dem bekannten Wintersportort Gstaad, sagt Valerie Scullion, Leiterin Zulassung und Marketing bei Bishop’s College School in Quebec. Le Rosey verlangt im Jahr allein 92'000 Franken an Schulgebühren. «Was die Lernmöglichkeiten anbetrifft, sind Schulen wie Rosey in der gleichen Liga wie Eton, aber bei dem Preis müssen sie mehr bieten als nur akademische Ausbildung», erklärt Tom Parker, Leiter des Zulassungsbüros am Amherst College in Massachusetts.

In Rosey haben die Schüler ihr eigenes Hallenbad mit einem 25-Meter-Becken, einer Sauna, einem Dampfbad und Whirlpool. Daneben verfügt die Schule nach Angaben auf ihrer Website über zwei Felder für Beach-Volleyball, einen Skateboard-Park, einen Schiessstand und eine Bogenschiessanlage, eine Reitanlage, ein Segelzentrum und ein Zirkuszelt.

Segeln, Bergtouren, Reisen ins Ausland

An der amerikanischen Schule in Leysin können die Schüler Wildwasser-Rafting betreiben oder segeln gehen, Klettern lernen und am Wochenende Bergtouren unternehmen. In der entsprechenden Jahreszeit werden verschiedene Wintersportarten angeboten. Daneben organisiert die Schule Reisen ins Ausland, wobei zu den Zielen neben Venedig, Paris und Istanbul auch weiter entfernte Destinationen wie Tansania, Nepal und Ägypten zählen.

Die beiden Schulen unterscheiden sich allerdings in einem Punkt: Während Le Rosey gewinnorientiert arbeitet, ist Leysin nicht auf Gewinnerzielung ausgerichtet. Keines der beiden Institute legt allerdings seine Bilanzen offen.

Wartelisten bei den meisten Schulen

Trotz Finanzkrise und Kursverlusten an den Aktienmärkten in den vergangenen drei Jahren - in den USA und der Schweiz haben die Kurse bis zu 55 Prozent nachgegeben - reisst die Nachfrage nach Plätzen an den Luxus-Internaten nicht ab. Für die meisten Schulen gibt es Wartelisten, Le Rosey lehnt zwei Drittel der Bewerber um einen Platz ab, um die Schülerzahl bei 380 zu halten.

Dafür lernen die Internatsschüler in kleinen Klassen mit durchschnittlich zwölf Schülern und erlangen am Ende ihres Schulbesuchs einen international anerkannten Abschluss. Und sie können bereits im zarten Teenageralter mit dem Aufbau eines internationalen Netzwerks beginnen. «In einer Schweizer Schule ist es nicht ungewöhnlich, neben einem Prinzen aus Saudi-Arabien zu sitzen», erläutert Patrick Gruhn. Der Deutsche hat die in Montreux angesiedelte Rayan Partners Sarl gegründet, die vermögende Ausländer hinsichtlich der Ausbildung ihrer Kinder berät. «Wenn man erst einmal eine solche Verbindung in der Schule etabliert hat, hält sie fürs Leben. Man zahlt vielleicht 120'000 Franken, aber in einigen Jahren zahlt es sich aus.»

Immer mehr Studierende aus Schwellenländern

Inzwischen streben auch mehr Eltern aus Ländern wie Brasilien, Russland oder China für ihre Kinder einen Platz an einem Schweizer Internat an. Immerhin war die Zahl der Millionäre in der Region Asien-Pazifik im Jahr 2009 erstmals so hoch wie in Europa. Das Bruttoinlandsprodukt von Schwellenländern wie China, Indien, Russland und Brasilien zusammen dürfte laut dem Internationalen Währungsfonds in fünf Jahren das Niveau der grössten Industrieländer erreicht haben. An den zwölf Schweizer Internaten für internationale Schüler trafen in diesem Jahr 20 Prozent mehr Bewerbungen aus Brasilien ein, berichtet Swiss Learning. Aus China kamen 10 Prozent mehr Bewerbungen und aus Russland 9 Prozent.

Manchen Schülern steht am Internat jedoch erst einmal ein Kulturschock bevor. So klagt die 17-jährige Maria Luiza Lopes Camargos aus Belo Horizonte in Brasilien über das strenge Regiment an der Schule. «Es ist ziemlich hart hier», sagt sie. «Ich empfehle es durchaus, aber wir Brasilianer feiern gerne Partys und ich würde Interessenten darauf aufmerksam machen, dass sie hier ziemlich viel lernen müssen.»

(Jennifer M. Freedman/Bloomberg)