Der Rotary-Club, der 1905 gegründet wurde, ist ein klassischer Vertreter so genannter Networking oder Service Clubs. Noch heute gilt der Grundsatz einer «Gemeinschaft von Berufsleuten». Heute zählt Rotary 1,22 Millionen Mitglieder in knapp 34'000 Clubs weltweit. Mittlerweile sind weitere Service Clubs wie Kiwanis oder Lions mit ähnlichen Zwecken dazugekommen. Die Clubs sind nicht nur Treffpunkte, wo sich Geschäftsbeziehungen knüpfen lassen, sie sind auch sozialen Aufgaben verpflichtet.

«Um Rotary Mitglied zu werden, muss man eine Aufnahmeprozedur durchlaufen, welche jeder einzelne Club für sich selber festlegt. Doch gilt der Grundsatz, dass ein mögliches Neumitglied durch einen Club angefragt werden muss», erklärt Oliver Schaffner, National Internet Communication Officer Rotary Schweiz und Liechtenstein, die Aufnahmeprozedur bei Rotary.

Einerseits stellt man bei Rotary Ansprüche und Anforderungen an Neumitglieder. Andererseits hat man auch erkannt, dass es nicht mehr so einfach ist, junge Neumitglieder zu rekrutieren. Und dass durch die sozialen Netzwerke im Internet durchaus Konkurrenz entsehen kann.

Neue Wege bei Rotary

Denn «wo findet man heute noch Leute die Zeit haben?», fragt sich Schaffner. Immer weniger junge Menschen können und wollten sich mit sozialen Anliegen in ihrer Freizeit beschäftigen. Hinzu kommt, dass heutzutage «Young Leaders» nicht mehr an einen Ort gebunden sind. Sich unter diesen Umständen einem lokalen Rotary-Club zu verpflichten, ist vielfach nicht sehr reizvoll.

Aus diesem Grund geht man auch bei Rotary neue Wege: In sogenannten E-Clubs treffen sich Rotary-Mitglieder auf virtuelle Weise. «Diese Idee ist in den USA entstanden. In Gegenden, wo Mitglieder immense Distanzen zurücklegen mussten für ihre Rotary-Treffen, wurden neue Formen geschaffen». Nach anfänglich erheblichem Widerstand bei Rotary International habe man sich nun dazu entschlossen, einige Pilotprojekte zu starten, so Schaffner.

Sandbox will die Jungen

Sandbox ist eines jener jungen Unternehmen, das den traditionellen Clubs wie Rotary das Leben schwer machen könnte. Sandbox wurde 2009 als globales Netzwerk für «Young Leaders» zwischen 20 und 30 gegründet. Heute zählt das Netzwerk über 450 Mitglieder weltweit, die sich in 21 Städten regelmässig an Events treffen.

«In den letzten Jahren haben sich gerade die Bedürfnisse von 20 bis 30-jährigen stark verändert. Da bestehende Formate keine Anpassungen vornahmen, wollten wir ein neues Produkt lancieren», sagt Antoine Verdon, Mitgründer und CEO von Sandbox Network.

Der Aufnahmeprozess ist zurzeit im Unterschied zu Rotary ebenfalls noch zentral geregelt: Als «Young Achiever» wird man von einem bestehenden Mitglied vorgeschlagen. In der Folge meldet man sich an und reicht dabei auch eine virtuelle Bewerbungsmappe ein. Mit einem Video, einer Präsentation oder einem sonst gewählten Format soll der Bewerber von sich überzeugen und bei Sandbox ein «Wow» hervorrufen.

Karriereverlauf soll beschleunigt werden

«Sandbox hat es sich zum Ziel gesetzt, erfolgreiche und ambitionierte junge Leute unter 30, die in ihrem Feld bereits ausserordentliches geleistet haben, in ihrer Entwicklung zu unterstützen, um sie von regionalen zu globalen Enflussgrössen zu fördern.», so Verdon.

Zwar waren Mitglieder bereits früh ziemlich erfolgreich. Doch soll die Mitgliedschaft die Chance bieten, sich noch besser zu vernetzen und auf diese Weise den eigenen Karriereverlauf noch zu beschleunigen. Im Unterschied zu den altbekannten Service-Clubs wie Rotary kann dann Sandbox auch als Karrieremittel bezeichnet werden.

Bewusst hat man bei Sandbox sowohl auf ein Online-Angebot wie auch die altbekannte Form der Events gesetzt. Eine Konkurrenz zu Social Media Networks sieht Verdon jedoch nicht. Vielmehr ergänzen diese Sandbox.

Altersstruktur bei Rotary als Gefahr

Bei Rotary sieht die Situation ein wenig anders aus: Momentan stellen Social Media Networks wie Facebook oder Xing zwar noch keine grosse Konkurrenz dar. Doch sollte sich die Alterstruktur bei Rotary nicht verbessern, so könnte durchaus eine Gefahr entstehen.

Was Oliver Schaffner von Rotary zuversichtlich stimmt, ist der Verlauf des grössten Rotary-E-Clubs im deutschsprachigen Raum. Nach einem Jahr fand das erste «reale» Treffen statt. «Auf die Länge hat man das Bedürfnis, sich zu treffen – im richtigen Leben.»