Vor einigen Tagen sah man Ernst Wyrsch an einer Party während des World Economic Forum (WEF) noch ausgelassen tanzen. Ein ungewohntes Bild für den Hoteldirektor des Steigenberger Grandhotel Belvédère. Wyrsch war jeweils während der WEF-Tage in seinem Hotel dauerpräsent, immer für einen Wortwechsel zu haben, aber ebenso dauerdiszipliniert. Auch mit wenigen Stunden Schlaf.

Jetzt weiss man, wieso Wyrsch das Tanzbein schwang. Es war sein letztes WEF als Direktor des Hotels, das während des Wirtschaftstreffens jeweils ein Dutzend Staats- und Regierungschefs beherbergt und wo über 200 Veranstaltungen während der WEF-Tage über die Bühne gehen.

«Ich habe diesen Gedanken seit vielen Monaten mit mir herum getragen», sagt Wyrsch am Dienstag zu cash. Er habe die Zeit nach dem WEF als stimmig empfunden, die Stelle zu kündigen und mit 50 etwas Neues zu machen. Sein letzter Arbeitstag hänge mit der Nachfolgeregelung zusammen, maximal werde er aber bis am 31. Oktober 2011 als Hoteldirektor amten.

Gewinnsteigerung - bis ins letzte Jahr

Laut der "Aargauer Zeitung" wird Wyrsch in Zukunft als Dozent und Experte der St. Galler Business School Vorträge über Leadership, Führung, Motivation und Glück halten.

Wyrsch führt das Belvédère seit 1996. In jedem Jahr erzielte er eine Steigerung des Betreibsergebnisses - bis ins letzte Jahr. Der Rückgang des "Gross Operating Profit" betrug 2010  etwa 6 Prozent, wie Wyrsch letzte Woche im Video-Interview mit cash sagte. Im Jahr 2009 verzeichnete man noch eine Steigerung von 8,5 Prozent.

Auch für das laufende Jahr war Wyrsch nicht besonders optimistisch. Der Franken-Effekt werde in den nächsten Monaten voll durchschlagen, sagte Wyrsch. Als Folge der Frankenstärke rechnet Wyrsch damit, dass er in den nächsten Monaten den Personalbestand korrigieren muss.

Viel Konkurrenz in den nächsten Jahren

"Meine Kündigung hängt überhaupt nicht mit den Zahlen zusammen", betont Wyrsch gegenüber cash. Mit über 30 Prozent des Gross Operating Profit sei das Steigenberger Grandhotel Belvédère in der Spitzenklasse der Schweizer Hotellerie, sagt Wyrsch.

Das Steigenberger Grandhotel Belvédère war auch nach dem Kauf durch die Steigenberger-Gruppe im Jahr 1980 lange ein Sorgenkind. Von 1996 bis heute konnte dann der Umsatz aber von etwa 7 Millionen auf über 16 Millionen Franken gesteigert werden.

Dem Steigenberger wird über die nächsten Jahre in Davos aber viel Konkurrenz erwachsen. Etwa mit dem Luxushotel Stilli Park, das die Credit Suisse für 155 Millionen Franken bauen und Ende 2013 eröffnen will.