Bürstenschnitt, Röhrenjeans, spitze Schuhe und dazu stets ein enges Jackett: Claude Amos ist ein Original in der Private-Banking-Szene und einer der bekanntesten Vermögensverwalter auf dem Platz Zürich. Und er war das Aushängeschild des Private Wealth Management der US-Bank Goldman Sachs in Zürich. Die Betonung liegt auf 'war'.
Denn Knall auf Fall trennten sich vor rund zwei Monaten die Wege von Amos und Goldman Sachs. Damit nicht genug: Auch ein anderer Top-Shot der Bank, Morten Meland, arbeitet seit kurzem nicht mehr im Private Wealth Management bei Goldman Sachs in Zürich.
Das weiss cash aus bankinternen Quellen. Die Medienstelle von Goldman Sachs in Frankfurt gibt dazu keinen Kommentar ab.
Der Doppelabgang wirft Fragen auf, zumal man sich im auf Kontinuität angelegten Private Banking nicht ohne weiteres von langjährigen Top-Vermögensverwaltern trennt. Amos war über 20 Jahre für Goldman Sachs tätig, Meland mehr als 13 Jahre. Dazu kommt, dass Goldman Sachs in der Vermögensverwaltung nur schwerreiche Kunden mit mindestens 10 Millionen Franken an investierbaren Vermögen akzeptiert. Langjährige Kundenbeziehungen sind in diesem Segment daher sprichwörtlich Gold wert.
Hat Pagliara einen Auftrag gefasst?
Aus Bankenkreisen verlautet, dass den beiden Bankern gekündigt wurde - aus Gründen, die sie offenbar selber nicht nachvollziehen können. Fakt ist: Seit 1. Januar ist Marco Pagliara neuer General Manager der Goldman Sachs Bank AG in Zürich. Pagliara ist ein Goldman-Sachs-Eigengewächs. Möglich, dass es mit den Top-Vermögensverwaltern zum Zerwürfnis kam.
Bankinsider stellen aber auch die These auf, dass Pagliara einen Auftrag gefasst hat: Nämlich den, dass Goldman Sachs das Vermögensverwaltungsgeschäft am Standort Zürich neu aufstellt, nicht mehr forciert - oder dieses sogar einstellen oder verlagern könnte. Bereits im letzten Jahr kam es zu einem schmerzhaften Abgang: Ein vierköpfiges Kundenberater-Team von Goldman Sachs Zürich, das den italienischen Markt bearbeitete, wechselte zum Konkurrenten Pictet.
Allerdings kündigte die US-Bank mit Hauptsitz in New York Ende des letzten Jahres an, dass sie das Vermögensverwaltungsgeschäft in den nächsten Jahren weltweit ausbauen will und dass die Anzahl der Kundenberater von 600 auf 800 erhöht werden soll. Der Fokus des Wachstums liegt auf neuen Märkten wie Brasilien, China oder dem Nahen Osten. Nicht gesagt ist, dass die Schweiz beim Ausbau berücksichtigt wird. Neben Zürich betreibt Goldman Sachs in Genf Vermögensverwaltung für reiche Privatkunden, dort vor allem für Kunden aus dem lateinamerikanischen Raum.
Aderlass auch beim Asset Management
Nicht nur die Goldman-Vermögensverwaltung für die reiche Privatkundschaft hatte im ersten Halbjahr in der Schweiz Abgänge zu verzeichnen, sondern auch das Asset Management. Hier sucht Goldman Sachs einen neuen Leiter, nachdem im Februar Marius Würgler und Pascal Imhof zu Lombard Odier gewechselt hatten.
Weiterhin offen ist die Zukunft der rund 3000 Quadratmeter grossen Bürofläche, die Goldman Sachs im letzten Jahr an der SIX zumietete und Platz für rund 200 Banker bietet (cash berichtete). Die Bank hatte die Räumlichkeiten als Absicherung für den Fall gemietet, falls es am Standort London wegen der diskutierten Steuerregulierungen zu einem Exodus von Mitarbeitern käme. Eingezogen ist an der SIX aber offenbar noch niemand. Auch dazu will Goldman Sachs keine Stellung nehmen.


