"Noch immer erreichen uns täglich Zuschriften von Leuten, die durch unsere Gedanken inspiriert worden sind", bloggten die Autoren vor kurzem. Ein Jahr nach der Veröffentlichung von "Rework" werden die Denkanstösse zur Unternehmensführung von Jason Fried und David Heinemeier Hansson noch so heftig wie am ersten Erscheinungstag kommentiert.

Plakativ kommen sie daher, die Slogans auf dem Buchrücken von "Rework": ASAP - As Soon As Possible - ist Gift. Stelle Workoholics auf die Strasse. Meetings verseuchen Produktivität. Planen ist gleich raten. Was es braucht, sind richtig faule Typen. Gerade sie seien motiviert, die Arbeit schnell und effizient zu erledigen.

So mancher "Faulencer" dürfte Beifall klatschen und sich in seiner Arbeitshaltung bestätigt fühlen. Alle anderen dürften zumindest zum Nachdenken angeregt werden. Und damit haben die zwei Internet-Unternehmer schon gewonnen.

Denkanstösse aus der IT-Welt

110'000 Bücher wurden allein in den USA verkauft, was angesichts der Schwemme an sogenannten Business-Bibeln ein Erfolg ist. Fried und Hansson schafften es auch auf die "Business-Bestseller-List" der New York Times. Die Gründer der Software-Firma "37Signals" sind in der IT-Branche kein unbeschriebene Blatt. Ihre Produkte stehen hinter einem Grossteil von Web 2.0 Anwendungen wie etwa Twitter. Die beiden führen auch den in der Branche populären Blog "Signal vs. Noise".

"Rework", das auch in deutscher Sprache erhältlich ist, kehrt alteingesessene Unternehmensleitlinien ins Gegenteil und reduziert sie auf das Wesentliche: Besser auf Sicht führen und langsam wachsen. Untermauert werden diese mit Beispielen aus dem Alltag von Hansson und Fried. Sie sagen etwa: Arbeitsabhängige würden nicht an effizienten Lösungen arbeiten, sondern nur ein Problem lösen wollen, indem sie es mit vielen Stunden Arbeit bewerfen. Zudem ginge die Konzentration verloren, wenn man spätnachts immer noch Arbeit, Arbeit, Arbeit im Kopf hätte.

Kaum Raum für Vertiefung

Die Tipps der Autoren sind knapp gehalten, eine Sammlung flüssig und locker geschriebener Beiträge jeweils über ein bis zwei Seiten. Die einen dürften echten Tiefgang vermissen oder können nichts mit den Techniken der Internet-Branche anfangen. Die anderen, besonders kleine und mittlere Unternehmen und Startups, werden wohl überwiegend einer Meinung sein mit den US-Unternehmern.

Zum Beispiel, dass oft Geld für wichtige Ausgaben fehlt, weil zu viel für Werbung und neue Stellen rausgeschmissen wird. Oder dass man nicht jeden Tag im Büro hocken muss, um seine Arbeit gut zu erledigen. Eingestellt wird nur, wenn man die Leute auch wirklich braucht. Und eben: Die Mitarbeitenden in Ruhe arbeiten anstatt, wie es in Grossunternehmen oft der Fall ist, von Meeting zu Meeting springen zu lassen.