Im Auftrag der Zürcher Kantonalbank haben die Institute sotomo an der Universität Zürich, Büro BASS Bern, Fahrländer & Partner Zürich und die Fachhochschule St. Gallen in der Studie 'Immigration 2030' untersucht, wie sich die Zuwanderung in den Zürcher Wirtschaftsraum langfristig entwickeln könnte – und welche gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen bei unterschiedlichen Szenarien zu erwarten sind.

Die Chancen und Vorteile der neuen Zuwanderung liegen laut der Studie in einer besseren internationalen Konkurrenzfähigkeit des Wirtschaftsraums Zürich und in der Option, zu einer Metropolitanregion europäischer Bedeutung heranzuwachsen.

Die Bevölkerung könne von höherem Wohlstand und mehr Lebensqualität profitieren. Damit dürften auch Massnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf vermehrt Auftrieb erhalten. Die neue Zuwanderung schwäche auch die Problematik der demografischen Alterung ab und entlaste Sozialwerke und Steuerzahlende. Weiter werde eine Entschärfung 'sozialer Brennpunkte' in Gemeinden mit bislang hohen Integrationslasten erwartet.

Verdrängungseffekte bei Arbeit und Wohnungen

Mögliche Nachteile ortet die Studie in den Verlagerungen auf dem Arbeitsmarkt. Die neue Zuwanderung könne vor allem kurzfristig negative Effekte auf Arbeitslosigkeit und Löhne haben, wobei der Lohndruck primär die ausländischen Hochqualifizierten selbst betrifft. Die Karrierechancen der Einheimischen geraten durch die internationale Konkurrenz vermehrt unter Druck.

Auch am Wohnungsmarkt seien Verdrängungseffekte zu erwarten, und die Wahrscheinlichkeit zunehmender Zersiedelung steige, kommt die Studie zum Schluss. Diese Kehrseiten der Immigration könnten neue Überfremdungsängste auslösen.

In den vergangenen Jahren war die Zahl der Zugewanderten in der Schweiz und insbesondere im Wirtschaftsraum Zürich stark angestiegen. Gleichzeitig hat die Immigration ihr Gesicht verändert. Es sind immer mehr die hochqualifizierten Arbeitskräfte aus Nord- und Westeuropa, die das Bild der Migration bestimmen, und nicht mehr die weniger qualifizierten Einwanderer aus den Mittelmeerländern.

Schweiz: Von der Industrie- zur Wissensgesellschaft

Dahinter steht der grundlegende Strukturwandel der Schweiz von der Industrie- zur Wissensgesellschaft, der noch immer in vollem Gange ist. Durch die Personenfreizügigkeit gegenüber Europa hat diese Entwicklung eine zusätzliche Dynamik erhalten.

Unmittelbaren Handlungsbedarf sieht die Studie darin, die Steuerungsmöglichkeiten für den Arbeitsmarkt - von flankierenden Massnahmen bis hin zum Bildungssystem - zu verbessern. Das Bevölkerungswachstum in den Zentren müsse - so die Empfehlung - raumplanerisch begleitet werden. Die Entstehung einer von der lokalen Realität entfernten, geografisch ungebundenen Elite sei zu vermeiden. Stattdessen gelte es, die vielen Potenziale über (temporäre) Integration fruchtbar zu machen.