Manche nennen ihn das «Orakel von Amsterdam», er selbst nennt sich «das Gesprächsthema an der Wall Street», seit er einige der heftigsten Marktbewegungen der letzten Jahre korrekt vorausgesehen hat. Charles Nenner ist kein Markt-Analytiker im engeren Sinn. Seine Analyse sei mehr mit Kunst als mit Wissenschaft zu vergleichen, beschreibt ihn ein Geld-Manager, der ihn schon länger beobachtet.

Kunst oder einfach blosse Phantasie? Nenner glaubt, dass die Sonnenaktivität, das heisst die Häufigkeit von Sonneneruptionen sowie die Menge elektromagnetischer Strahlungen und die Aktienmärkte in enger Korrelation stehen: «Je höher die Sonnenaktivität ist, desto stärker der Einfluss auf das Verhalten an den Börsen», sagt Nenner, der ein gleichnamiges Research Center in Amsterdam führt. Als der frühere Fed-Chef Alan Greenspan auf dem Höhepunkt der Dotcom-Blase den Ausdruck «irrational exuberance» geschaffen habe, sei die Sonnenaktivität besonders hoch gewesen. Kurz darauf nahm sie ab und die Märkte brachen ein.

Wende im Sonnenzyklus bedeutet nichts Gutes

Wie die US-Raumfahrtbehörde NASA in diesen Tagen mitteilte, werden die kommenden zwei Jahre verstärkte Sonnenaktivität zeigen. Dies lässt sich vorhersagen, da die Sonnenaktivitäten einem Zyklus von etwa elf Jahren folgen. «Für die kommenden zwei Jahre wird die Marktentwicklung einigermassen stabil sein», sagt Brenner. 2013 folgt die Wende im Zyklus, und dies bedeutet laut Brenner nichts Gutes.

Er sieht den Dow Jones bis 5'000 Punkte absacken. Zwei Grossereignisse werden den Absturz begleiten. Das Abgleiten der USA in eine Deflation und der Ausbruch eines grösseren militärischen Konflikts. «Ich untersuche für meine Kunden auch Kriegs-Zyklen», sagt Nenner.

Militärische Konflikte, grosse gesellschaftliche Umwälzungen folgen ebenfalls den Sonnenzyklen und dem Einfluss der kosmischen Strahlungen, so der Professor für Mathematik. Diese Korrelation haben auch andere Wissenschaftler schon belegt.

Ein Super-Algorithmus für die Zukunft

Nenner kombiniert in seinen Modellen den Einfluss der Sonnenaktivität mit weiteren Tools: So ist er ein absoluter Verfechter der Theorie der Konjunktur- und Wirtschaftszyklen und lässt darum empirische Analysen in seine Modelle miteinfliessen, wie auch die so genannte Elliott-Wellen-Analyse aus der Charttechnik.

Als dritte Komponente bezieht Nenner rund 200 Indikatoren aus den Bewegungen in den Finanzmärkten mit ein. Das Ganze hat er in einen Algorithmus verpackt, der ihm nichts weniger als die Zukunft voraussagt: Börsenentwicklung, Währungsschwankungen, Kriege etc. «Das ganze System basiert auf dem Fakt, dass alles vorbestimmt ist», sagt der frühere Goldman Sachs-Analyst. «Insbesondere die Wirtschaft verläuft in Zyklen, da gibt es nichts, was man dagegen tun könnte.»

Seine Prognosen waren manchmal absolute Punktlandungen: 2007 sagte er das Datum der Höchstkurse voraus, vom kommenden Einbruch des US-Immobilienmarktes warnte er schon zwei Jahre zuvor. Für 2011 sagt Nenner folgendes voraus: Die Deflationstendenzen in den USA halten an, die Konjunktur werde sich für ein paar Monate aber aufhellen, die Volatilität an den Aktienmärkten bleibe hoch, Gold und Silber werden neue Höchstpreise erzielen und der Dollar wird gegen den Yen und den Euro etwas aufholen. «In echte Schwierigkeiten werden wir erst 2013 geraten.»