Die Nachfrage nach Schliessfächern ist in den letzten Monaten bei verschiedenen Banken sprunghaft gestiegen. "In den Regionen Zürich und Bern sind bis zu 95 Prozent der Schliessfächer belegt", sagt Albert Steck, Sprecher der Migros Bank, auf Anfrage von cash.

Auch andere Finanzinstitute können diese Entwicklung bestätigen. Auf Anfrage bestätigten sowohl die Zürcher Kantonalbank (ZKB) wie auch die Raiffeisen eine leichte, aber stetige Zunahme bei der Nachfrage nach Banktresoren. Und: "In den nächsten Monaten erwarten wir eine ähnliche Entwicklung", sagt ZKB-Mediensprecher Igor Moser.

Der Run auf Schliessfächer hatte mit der Euro-Schuldenkrise vor rund zwei Jahren begonnen. Damals waren es vor allem verunsicherte Deutsche die Schliessfächer in grenznahen Schweizer Bankfilialen en Masse mieteten. Diese Entwicklung stabilisiere sich allmählich, sagt Sprecherin Anita Schweizer von der Thurgauer Kantonalbank.

Bei den Schweizern hingegen sieht es anders aus. Diese würden ihre Wertgegenstände hinter dicken Stahltüren und doppelt gesicherten Schlössern verwahren, so Steck. Grund für die Zunahme sind Befürchtungen, die Krise in der Eurozone könnte nun auch auf die Schweiz überschwappen. So hat sich in den vergangenen Monaten der Ausblick für Europa, die USA und die grossen Schwellenländern verschlechtert. Und auch die Zugkraft der Wirtschaftslokomotive Deutschland lässt immer stärker nach. Zum vierten Mal in Folge ist der deutsche Einkaufsmanager-Index gesunken. Für die Schweiz ist Deutschland der wichtigste Exportmarkt.

Vor allem Gold wird "gebunkert"

Die weltweit schleppende Wirtschaftsentwicklung setzt den Internationalen Währungsfonds (IWF) unter Zugzwang. Laut eigenen Angaben wird der IWF aller Wahrscheinlichkeit nach die Wirtschaftsprognosen für das zweite Halbjahr 2012 nach unten korrigieren müssen.

Was in den unzähligen Schrankfächern in den Kellergewölben der Banken lagert, ist nicht genau feststellbar. "Wir gehen aber davon aus, dass die Kunden zu einem grossen Teil Gold aufbewahren", sagt Steck. Denn Gold gilt in Krisenzeiten als substanzerhaltende Anlageklasse.

Allerdings löste sich die Unze Gold von den Höchstkursen von Ende 2011 bei rund 1900 Dollar und pendelt seit einigen Monaten zwischen 1500 und 1600 Dollar. Das Gros der Marktbeobachter geht aber mittelfristig von steigenden Preisen aus.

Die Lagerung des gelben Metalls bringt aber auch Nachteile für Anleger. Gold wird nicht verzinst und eine Lagerung in einem Bankfach hat seinen Preis. Für die kleinsten Schliessfächer bewegen sich die Jahresmieten der von cash angefragten Banken exlusive Mehrwertsteuer zwischen 50 bis 95 Franken (siehe Tabelle). Grössere Tresore können sogar bis 9000 Franken kosten. Neben den Jahresgebühren fallen teilweise zusätzliche Aufwendungen wie Quartals- und jährliche Schlüsselgebühren an.

 

 Jährliche Schliessfach-Gebühren von Schweizer Banken

Bank

Miete in CHF ab

Miete in CHF bis

Zürcher Kantonalbank

75

9000

Migrosbank

80

500

Raiffeisen

95

370

Thurgauer Kantonalbank

50

800

Credit Suisse

200

4000

UBS

k.A.

k.A.