«Mit einer All-in-Fee von 0,68 Prozent pro Jahr ist die VZ-Lösung die kostengünstigste der Schweiz. Gegenüber einer klassischen Säule 3a sparen Anleger jedes Jahr bis zu 60 Prozent Gebühren.» So bewirbt das VZ Vermögenszentrum seine neue Vorsorgestiftung 3a (cash berichtete).

Was verschwiegen wird: Die «All-in-Fee» beinhaltet nicht alles. Denn die VZ-Lösung basiert auf Indexfonds von Drittanbietern. Diese sogenannten Exchange Traded Funds (ETF) generieren für VZ-3a-Kunden zusätzliche Gebühren. Die zur Auswahl stehenden ETF kosten pro Jahr 0,1 bis 0,5 Prozent wie Recherchen von cash ergeben haben.

Die Gesamtkosten für ein Konto bei der VZ Vorsorgestiftung 3a betragen damit nicht 0,68 Prozent, sondern im Schnitt rund 1 Prozent. Die günstigste Säule-3a-Wertschriftenlösung ist das nicht mehr und der Hinweis auf die «kostengünstigste» Lösung damit irreführend.

«Gebühren von Fremdproduzenten sind in den Gesamtkosten auch bei anderen Banken nicht enthalten», rechtfertigt sich VZ-Geschäftsleitungsmitglied Marc Weber auf Anfrage. Um so schlimmer für Anleger: Banken weisen die Kosten demzufolge gemäss gängiger Praxis systematisch zu tief aus.

Freuen dürfte die Vollkostenrechnung der 3a-Lösung vom VZ vor allem Swisscanto. Denn die Fondstochter der Schweizer Kantonalbanken scheint damit das Rennen um den «günstigsten Vorsorgefonds auf dem Schweizer Markt» im Bereich der gebundenen dritten Säule für sich entschieden zu haben. Kosten: 0,6 Prozent zuzüglich rund 0,05 Prozent Transaktionsgebühren, macht 0,65 Prozent.

Aber auch bei Swisscanto nimmt man es mit der Kostentransparenz nicht ganz genau. In der sogenannten pauschalen Verwaltungskommission sind nämlich die Kosten fürs Rebalancing (monatliche Anpassung des Fonds an strategische Bandbreiten) von 0,04 Prozent pro Jahr nicht enthalten.

Zusätzliche Einnahmen mit «Securities Lending»

Ungenügende Gebührendeklaration bei 3a-Lösungen ist also weit verbreitet. Auch Swissquote hat in der Werbebroschüre zum neuen 3a-Produkt einen Teil der Kosten unterschlagen (cash berichtete). Es geht um viel Geld.

In der Säule 3a stecken insgesamt 84 Milliarden Franken (siehe Tabelle unten). Die Banken verwalten gemäss der Schweizerischen Nationalbank und der Konferenz der Geschäftsführer von Anlagestiftungen 52 Milliarden, Versicherer gemäss dem Versichererreport der Finanzmarktaufsicht Finma 32 Milliarden.

Davon dürften rund 23 Milliarden in margenstarken Fondslösungen von Banken und Versicherern parkiert sein. Bei einer angenommenen Durchschnittsgebühr von 1,3 Prozent für die Fondskonti ergibt das ein Einnahmepotenzial von 300 Millionen Franken pro Jahr.

Nicht berücksichtigt sind dabei Einnahmen aus Wertschriftenverleihungen («Securities Lending»). Verdienen lässt sich damit bis zu 0,5 Prozent pro Jahr. Wenn nur die Hälfte der Wertschriften, die in 3a-Fondslösungen stecken, regelmässig ausgeliehen wird, winken zusätzliche Einnahmen in der Höhe von 60 Millionen Franken.

Summa summarum geht es im 3a-Fondsvermögen also um jährliche Einnahmen von insgesamt rund 360 Millionen Franken. Tendenz steigend: So haben die Fondsvermögen der Versicherer im letzten Jahr um 32 Prozent und die der Banken um 7,5 Prozent zugenommen.

 

3a-Vorsorge Gelder in der Schweiz

Art

Volumen

Zinskonto Bank

34.0

Fondskonto Bank

18.0

3a-Vermögen Versicherer
ohne Anlagefonds

26.7

Fondskonto Versicherer

5.4

Total

84.1

Quelle: SNB, KGAST, Finma, cash