Die seit März laufende Korrektur an der Börse hat auch die Vontobel-Titel massiv in die Tiefe gerissen. Über 20 Prozent haben die Aktien der Privatbank in dieser kurzen Zeit eingebüsst. Gleichzeitig ging auch der Schwung von Anfang Jahr verloren. Noch im Januar hatten Gerüchte und Spekulationen den Aktienkurs auf über 28 Franken hochgetrieben. 

Inzwischen sind die Notierungen auf unter 20 Franken gefallen, so tief wie seit drei Jahren nicht mehr. Letztmals wurden die Vontobel-Aktien am 20. März 2009 so günstig gehandelt, als sich weltweit die Kurse vom Börsen-Schock im Zuge der Lehman-Krise wieder erholten. Seither bildete die 20-Franken-Marke eine Art Barriere, die auch im letzten August beim Sommer-Crash nicht durchbrochen wurde. 

Hinter der Konkurrenz herhinkend

Mit der jüngsten Performance hinkt Vontobel ihrer Konkurrenz hinterher. Übertroffen werden die Zürcher einzig von der EFG International, die allerdings seit längerem unter strukturellen Problemen leidet. Die EFG-Titel büssten fast 30 Prozent ein. Deutlich besser liegen hingegen die Sarasin-Aktien im Rennen. Sie büssten lediglich 10 Prozent ein und bewegen sich damit im Rahmen des Gesamtmarkts.

Offenbar befürchten die Anleger, dass das unsichere Umfeld und die entsprechend nervösen Märkte die Gewinne bei Vontobel weiter erodieren lassen. 2011 litt die Zürcher Privatbank unter der rückläufigen Aktivität der Kunden sowie unter dem schwindenden Interesse an Strukturierten Produkten. 

Entsprechend schmolzen die Gewinne im Private und Investment Banking deutlich. Das zeigte sich auch im Februar bei den Jahreszahlen: Anstelle der erwarteten 141 Millionen Franken Gewinn resultierte ein Plus von 114 Millionen. Und auch für die nächsten Monate bleibt das Umfeld schwierig. 

Günstige Bewertung

Dennoch spricht vieles dafür, dass die Vontobel-Aktie den Boden in Sichtweite hat oder bereits darauf steht. Der höhere Kursverlust gegenüber Konkurrenten wie Julius Bär und Sarasin ist ungerechtfertigt. Zwar ist Vontobel mit ihrer Ausrichtung deutlicher von der Marktsituation an den Börsen abhängig.

Allerdings hat CEO Zeno Staub nach den Jahreszahlen 2011 schnell reagiert. Mit Kostensekungsmassnahmen will er die Ertragsausfälle abfedern. Es wird auch spekuliert, dass Vontobel das Filialnetz überdenkt und Niederlassungen im Ausland schliessen könnte.

Auch in Bezug auf die Bewertung ist Vontobel im Vergleich mit der Konkurrenz wieder günstig geworden. Im laufenden Jahr wird die Bank mit dem 8,9-fachen des Gewinn bewertet. Deutlich höher liegen die Kurs-Gewinn-Verhältnisse bei Julius Bär (12,1) sowie Sarasin (14,1). Alleine durch die mögliche Bewertungsanpassung hat die Vontobel-Aktie deutliches Aufwärtspotenzial. 

Zudem will Vontobel weiterhin vom zunehmenderen Konsolidierungsprozess unter den Privatbanken profitieren. Vontobel, die im Gegensatz zu Julius Bär nicht in den Steuerstreit mit den USA involviert ist, könnte von dieser Konstellation profitieren. Bereits 2011 meldete Vontobel einen rekordhohen Zufluss an Netto-Neugeldern. Eine Tendenz, die sich in den ersten Monaten 2012 fortgesetzt hat.