In einem gehaltenen Markt kletterten die Papiere des Elektrotechnikkonzerns am Donnerstag um 3,2 Prozent auf 16,29 Franken. Der Vergleichsindex ermässigte sich leicht.

Die Bank Vontobel bescheinigt ABB eine bessere Marge in den meisten Sparten als erwartet. Auch das "wording" für den kurzfristigen Ausblick klinge etwas optimistischer als noch vor drei Monaten, so Analyst Panagiotis Spiliopoulos. Er sieht keinen Grund, seine Schätzungen zu ändern, die Zuversicht habe sich aber erhöht und das erste Quartal sei wohl bei den Margen der Tiefpunkt gewesen. Er bewertet die Titel weiter mit "Buy" und einem Kursziel von 23 Franke.

Die UBS spricht von soliden Ergebnissen. Da die Margen eine der Hauptsorgen am Markt gewesen seien, sei hier das Ergebnis seiner Ansicht nach positiv, so Analyst Fredric Stahl. Er hebt auch den Auftragseingang und den etwas optimistischen Ausblick positiv hervor. Mit einem Kursziel von 16 Franken bleibt er aber bei seiner Einstufung "Neutral".

Bis auf den Auftragseingang finden die Notenstein-Analysten indes kaum etwas überzeugendes an den Zahlen von ABB. Wie erwartet hätten der operative Gewinn und die Marge einen "Spannungsabfall" aufgrund des ungünstigen Geschäftsmix erlitten. "Zudem scheinen ungünstige Wechselkurse das EBITDA um weitere 100 Mio USD zu belasten", heisst es weiter. Auch der Ausblick sei weiterhin eher zurückhaltend. Positiv könnten indes die gelungenen Kostensenkungen und die Aussagen über eine Stabilisierung des Preisdrucks bei neuen Energietechnikaufträgen aufgenommen werden.

Für die ZKB liegt das Ergebnis im Rahmen der Erwartungen. Analyst Richard Frei wertet aber wie seine Kollegen bei Vontobel und UBS den optimistischen Ausblick eher als überraschend und entsprechend erfreulich. Er bleibt bei der Einstufung "Übergewichten".

Hogan ist zufrieden

"Der makroökonomische Ausblick bleibt zwar unsicher, doch die positiven Entwicklungen in China, die anhaltende Stärke des US-Marktes und unsere robuste Performance in Europa stimmen uns im Hinblick auf den kurzfristigen Ausblick zuversichtlicher als noch vor drei Monaten", sagte Konzernchef Joe Hogan am Donnerstag.

Zwar brach der Überschuss im zweiten Quartal wegen des stärkeren Dollars und Abschreibungen im Zusammenhang mit der Übernahme von Thomas & Betts um 27 Prozent auf 656 Millionen Dollar ein. Auch der Umsatz blieb mit einem Plus von sechs Prozent auf 9,7 Milliarden Dollar hinter den Erwartungen der Analysten zurück. Der Auftragseingang der Züricher legte mit einem Anstieg von neun Prozent auf 10,1 Milliarden Dollar aber stärker als erwartet zu, während die Orders beim Münchner Rivalen Siemens um ein Viertel einbrachen.

Hogan äußerte sich zufrieden: "Die Quartalszahlen machen deutlich, dass wir mit unserem ausgewogenen Geschäftsportfolio, unserer breiten regionalen Aufstellung und einem soliden Kostenmanagement auch in uneinheitlichen Märkten solide Ergebnisse erzielen können", erklärte er.

Die Anleger ließen sich von der Zuversicht des Managements anstecken: Die ABB-Aktie legte im frühen Handel knapp drei Prozent zu, während die Anteilsscheine von Siemens um gut drei Prozent nachgaben.

In fast allen Regionen investierten die Kunden weiter in die Modernisierung von Stromnetzen und die Steigerung der industriellen Produktivität, erklärte ABB. In den Energietechniksparten habe sich der Auftragseingang in den meisten Schlüsselmärkten wie den USA, Brasilien, China und Indien stabil gezeigt oder verbessert. Auch in Europa sei der Auftragseingang für Energietechnik stabil geblieben. Im Automationsgeschäft habe die Übernahme von Thomas & Betts ABB einen wesentlich besseren Zugang zum wichtigen nordamerikanischen Markt verschafft. Die Zuwächse in Ländern wie Großbritannien, Norwegen und in Osteuropa hätten zudem die rückläufige Industrietätigkeit in Südeuropa mehr als aufgehoben.

Prognosen schwierig

Die Ungewissheit hinsichtlich der kurzfristigen Wachstumsaussichten für Europa, die Schwellenmärkte und die USA mache es zwar weiterhin schwierig, verlässliche Prognosen für die kommenden Monate zu treffen, betonte ABB. Das Ergebnis des zweiten Quartals gebe aber aus mehreren Gründen Anlass zur Hoffnung. So sei der Auftragseingang in Europa robust geblieben. In China, wo die Nachfrage zuletzt schwach war, seien die Aufträge in wichtigen Energie- und Automationsgeschäften gestiegen, in den USA hätten die Orders über das gesamte Portfolio hinweg angezogen. Zudem gebe es Anzeichen dafür, dass der Preisdruck auf dem Markt für Energietechnik nachlasse.

Das Management sei deshalb vorsichtig optimistisch, dass im restlichen Jahresverlauf ein Wachstum und eine Rentabilität entsprechend den Zielen bis 2015 möglich sei, solange sich keine weiteren negativen Entwicklungen im makroökonomischen Umfeld ergäben. Der längerfristige Ausblick für die wichtigen Absatzmärkte von ABB bleibe positiv.

(Reuters)