cash: Herr Kunz, Sie haben die UBS-GV den ganzen Mittwoch vefolgt. Wir ordnen Sie das Resultat über die Decharge-Verweigerung für das Jahr 2007 ein?

Peter V. Kunz: Es ist historisch gesehen eine Grosssensation, eine eigentliche Bombe, die hochging. Der ganze Tag war aber eigentlich entspannt, die Stimmung war besser als an den früheren UBS-GV. Herr Villiger hat sicher viel dazu beigetragen.

War mit der Decharge-Verweigerung für 2007 zu rechnen?

Es sah lange so aus, als segneten die Aktionäre alles ab. Grossmehrheitlich hat der Verwaltungsrat alles durchgebracht, was er wollte. Das ist für mich ein klares Zeichen, dass die Aktionäre nach vorn schauen wollen. Aber, und das Aber muss man unterstreichen, die Vergangenheitsbewältigung für das Jahr 2007 ist noch nicht gemacht.

Die UBS kann jetzt zivilrechtlich klagen gegen ehemalige Manager. Muss sie das auch?

Das ist die grosse juristische Frage. Im Dezember hatte der Verwaltungsrat klar Nein gesagt zu Klagen. Am Mittwoch stimmten wir nicht über Verantwortlichkeitklagen ab. Man hätte das durchaus auch traktandieren können.

Was wird der UBS-VR als nächstes unternehmen?

Kaspar Villiger hat es an der GV schon ein bisschen vorweggenommen, er hat sich auf dieses Szenario sicher vorbereitet. Die UBS wird wohl sagen, man habe das Resultat nochmals angeschaut, das Resultat sei knapp gewesen und eine Unmutsäusserung, aber keine klare Botschaft für einen Prozess. Die UBS wird daher sicher nicht klagen.

Wie werden dann die am Mittwoch siegreichen Aktionärsgruppen reagieren?

Die Aktionäre können natürlich jetzt selber klagen...

...aber das ist zu teuer.

Das ist so, weil sich kein Aktionär dies leisten kann. Der korrekte Weg wäre jetzt, dass man Verantwortlichkeitsklagen für die nächste Generalversammlung traktandieren würde. Und das kann natürlich ein Aktionär jetzt zu erreichen versuchen.

Das Decharge-Nein zum 2007 hat also trotzdem Folgen und ist nicht ein blosses Dampfablassen der Aktionäre?

Nein, denn der Verwaltungsrat hat sich mit dem Traktandum Decharge ein Fallgrube gegraben. Und die Aktionäre haben den Verwaltungsrat in diese Fallgrube geschubst.