cash: Die Aussagen mehren sich, dass Griechenland bald Pleite geht. Wann ist es soweit?

Daniel Kalt: Am 20. März 2012 ist Griechenland bankrott. Dieses Datum können Sie sich in Ihrer Agenda rot markieren.

Habe ich gemacht. Und warum sind Sie so sicher?
 
Am 20. März werden 14,4 Milliarden Euro griechische Staatsanleihen zur Rückzahlung fällig. Wenn das Land bis dann die Verhandlungen über das nächste 130 Milliarden Euro Rettungspaket nicht abschliessen kann oder die letzte Woche vorerst gescheiterten Verhandlungen mit den Banken über eine 'freiwillige' Schuldenrestrukturierung nicht zu Ende gebracht werden können, wird Griechenland nicht über die Mittel verfügen, die fälligen Anleihen zurück zu bezahlen. Dann ist die Staatspleite Tatsache. Wir sehen eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass das so kommt.

Wird Griechenland wieder zur Drachme zurückkehren?

Nicht zwingend. Griechenland wird dann durch einen echten Umschuldungsprozess gehen müssen, bei dem die wichtigsten Gläubigergruppen sich über die Modalitäten eines Schuldenschnitts einigen müssen. Dieser Sanierungsprozess kann durchaus - und wird wohl auch mit Vorteil - innerhalb des Euros durchgeführt.

Was bedeutet eine Griechen-Pleite für die Aktienmärkte und den Franken im speziellen?

Es könnte kurzfristig durchaus zu Ausschlägen an den Märkten und zu Absetzbewegungen in die sicheren Häfen kommen.

Ist eine Pleite Griechenlands in den Märkten eingepreist?
 
Das ist eine berechtigte Frage. Eine Pleite Griechenlands kommt ja mittlerweile nicht mehr völlig unverhofft und es ist wohl schon einiges eingepreist. Die Märkte haben ja auch die Herabstufung der Euro-Länder durch S&P gut weggesteckt. Vieles wird wohl auch davon abhängen, ob sich weiterhin Anzeichen einer Ansteckung Richtung Italien oder Spanien zeigen. Etwa wenn angesichts des enormen Refinanzierungsbedarfs dieser Länder die Zinsen wieder stärker ansteigen sollten.

Und wie steht es um Portugal oder Irland?

Von der Finanzierungs- und Solvenzposition her betrachtet ist wohl Portugal das nächste gefährdete Land. Auch wenn Griechenland sicherlich in einer deutlich schlechteren Verfassung ist. Irland macht eigentlich überraschend gute Fortschritte bei seinen Sanierungsbemühungen. Das Land hat ja auch eine recht solide wirtschaftliche Basis und die Bevölkerung scheint auch von der Mentalität in der Lage, den mühseligen Sanierungsweg auf sich zu nehmen.

Gibt es den Euro in fünf Jahren noch? Und wenn ja, in welcher Form?

Wir gehen davon aus, dass es den Euro auch in fünf Jahren noch gibt. Ein Szenario eines unmittelbar bevorstehenden vollständigen Auseinanderbrechens ist zwar vorstellbar, aber angesichts der katastrophalen Folgewirkungen würde ich diesem eine sehr kleine Wahrscheinlichkeit beimessen. Wenn weiterhin eine Politik des 'Durchwurstelns' betrieben wird, dürfte es den Euro auch in fünf Jahren noch geben. Er wird allerdings keine stabile Währung sein und immer wieder für Krisen sorgen.

Was wäre das Rezept für einen starken Euro?

Wenn entweder eine vollwertige Fiskal- und Transferunion eingeführt wird, oder aber die Eurozone auf eine überlebensfähige Kernwährungsunion reduziert wird. Durchaus vorstellbar, dass wir in fünf Jahren an diesem Punkt, oder zumindest auf dem Weg zu einer dieser beiden Lösungen sind.