Noch im Dezember schaute die Finanzwelt mit Bangen auf Italien und Spanien und zweifelte an der Fähigkeit der beiden angezählten Schuldenländer, im neuen Jahr genug Abnehmer für ihre Anleihen zu finden und die Refinanzierung zu stemmen. Sie konnten Investoren nur mit immer höhere Zinsen locken. Nun zeigt sich: Die Reformversprechen der neuen Regierungen von Mariano Rajoy in Madrid und Mario Monti in Rom ziehen.
Nicht nur Hedgefonds und "zockende" Privatanleger greifen zu, auch schwergewichtige strategische Investoren geben den Ländern eine Chance und setzen ganz vorsichtig den Fuß in die Tür. Sie vertrauen darauf, dass die angekündigten Sparmaßnahmen und der Schuldenabbau greifen und kaufen vor allem Staatsanleihen mit kurzer und mittlerer Laufzeit, bei denen das Risiko überschaubar, aber die Rendite verlockend ist.
"Spanien und Italien haben in den letzten Monaten erhebliche Reformen eingeführt, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu stärken", sagt Anleihe-Experte Maxence Mormede von Allianz Global Investors. "Wir begrüßen diese Entwicklung und finden die Anleihen in dem mittleren Laufzeitsegment am attraktivsten."
Fondsmanager Stefan Kreuzkamp von der Deutsche-Bank-Tochter DWS sieht das ähnlich. "Italien ist - je nach Laufzeit - für viele Anleger interessant. Versicherer, klassische Rentenfonds und auch konservative Geldmarktfonds werden sich die Papiere anschauen", ist er überzeugt. "Bei über sechs Prozent Rendite für italienische Staatsanleihen im Portfolio können Sie sich einiges an Volatilität leisten."
Italien konnte am Kapitalmarkt an Boden gewinnen
In der Tat konnte zuletzt gerade Italien am Kapitalmarkt an Boden gewinnen, während die Risikoaufschläge für das Dauer-Sorgenkind Griechenland und neuerdings auch Portugal besorgniserregend hoch sind. So rentieren zweijährige Italien-Bonds inzwischen nur noch bei knapp vier Prozent, Ende Dezember waren es noch fünf Prozent. Und selbst zehnjährige Anleihen konnte Italien zu Wochenbeginn zu rückläufigen Renditen platzieren - rund sechs Prozent. Für das Land ist das noch aus eigener Kraft finanzierbar, für die Investoren ein Segen. Denn die vergleichbaren deutschen Bundesanleihen mögen grundsolide sein, Anleger müssen sich hier aber mit weniger als zwei Prozent zufriedengeben. Und bei absoluten Kurzläufern kann sich Deutschland sogar schon zum Nulltarif finanzieren.
Dabei ist der Anlagedruck der Profi-Investoren gerade zu Jahresbeginn hoch. Fondsgesellschaften und Versicherer sitzen auf Kundengeldern in Milliardenhöhe und müssen ihre Renditeversprechen einlösen, doch der Leitzins dürfte mit derzeit einem Prozent im Euroraum auf absehbare Zeit niedrig bleiben. Da koppeln sich Investoren auch schon mal vom Diktat der Ratingagenturen ab und lassen sich vom Optimismus der Reformer in Spanien und Italien anstecken. Auch wenn die Schuldenkrise als solche noch lange nicht gelöst und eine Pleite Griechenlands längst nicht vom Tisch ist.
Die DWS steht schon länger in den Startlöchern, wieder stärker in ausgewählte Peripheriestaaten zu gehen, wenn die politischen Signale stimmen. "Wir stocken das absolute Volumen an italienischen Staatsanleihen vorerst nicht auf, aber ersetzen auslaufende Bonds stetig durch neue", erläutert Kreuzkamp. "Bei Spanien bleiben wir noch leicht untergewichtet. Der Markt ist noch nicht liquide genug." Der genossenschaftliche Vermögensverwalter Union Investment bleibt dagegen noch in Deckung. "Gegen eine deutlichere Positionierung spricht das hohe Eventrisiko, das sich aus einer Eskalation der Lage in Griechenland ergeben kann", warnt Portfoliomanager Rüdiger Kerth.
Auch die Banken sind zurück
Branchenkenner machen aber noch eine andere Käufergruppe für hochverzinsliche Staatsanleihen aus: Europas Banken. Das ist durchaus eine Überraschung. Zwar hatte die Finanzbranche fast eine halbe Billion Euro abgerufen, als die Europäische Zentralbank (EZB) kurz vor Weihnachten mit ihrem Drei-Jahres-Tender erstmals eine ultralange Kreditlinie auflegte. Ende Februar, bei der zweiten großen Spritze, dürften weitere gut 300 Milliarden Euro aufgesogen werden. Doch war eigentlich weithin erwartet worden, dass die Banken - von denen etliche auf dem Trockenen sitzen - das Geld vor allem für ihre eigene Refinanzierung nutzen.
Das billige Geld der EZB hat die Stimmung offenkundig geändert. Die Institute schlagen nun zwei Fliegen mit einer Klappe: Sie streichen eine ordentliche Rendite ein und häufen obendrein mehr Papiere an, die sie im Notfall bei der EZB als Sicherheit hinterlegen können. "Die EZB-Aktion war wichtig", gibt ein europäischer Top-Banker zu. "Wahrscheinlich hat sie uns vor dem Abgrund bewahrt. Aber der Markt hat in jedem Fall etwas Zeit gewonnen, die Dinge wieder ins Laufen zu bringen."
(Reuters)
