«Historische Autos sind keine Investments, man kauft sie aus Leidenschaft», sagt ein Zürcher Oldtimer-Händler, der aus Diskretionsgründen nicht namentlich genannt werden will. Und James Knight vom Auto-Aktionshaus Bonhams doppelt nach: «Wir mögen das Wort Investment nicht. Der Oldtimer-Markt ist ein Sammler- und Hobby-Markt, der nicht der Logik der Börsen folgt.»

Solche Aussagen lösen bei Finanzprofis Alarm aus. Emotionen sind oft nur ein Euphemismus für intransparente und illiquide Märkte, die manipulationsanfällig sind. Egal, ob es um Kunst, Immobilien, Luxus-Uhren oder Nobel-Fahrzeuge geht: Wer aus Leidenschaft kauft, zahlt oft zu viel.

Dies dürfte sich auch Dietrich Hatlapa, ein ehemaliger Investment-Banker deutscher Herkunft, gedacht haben, und gründete die Historic Automobile Group International (HAGI). Seit Anfang 2009 publiziert die Gruppe monatlich vier Indizes, die die Preisentwicklung ausgewählter Oldtimer spiegeln: Einen Sammelindex durch alle Marken und Modelle hindurch (Top 50), einen Subindex für Ferrari, einen für Porsche und einen Mischindex für Oldtimer ohne Porsche und Ferrari.

Im Schnitt eine halbe Million Franken

Das Universum umfasst Daten von Privat- und Händlertransaktionen und von internationalen Auktionen. Der HAGI-Top-50-Index repräsentiert mittlerweile 18'000 Autos von 18 Marken mit einem Gesamtwert von 5,2 Milliarden Pfund oder 8,7 Milliarden Franken. Im Schnitt kostet also einer dieser Oldtimer der Luxusklasse 290'000 Pfund oder rund 486'000 Franken.

Wie der Kursverlauf des Sammelindex zeigt, hat die Finanzkrise den Oldtimer-Markt nur moderat und erst mit einer gewissen Verzögerung in Mitleidenschaft gezogen (siehe Grafik «Negativ korreliert»). Während der Aktienindex SMI Anfang 2009 stark einbrach, stieg der HAGI-Top-50-Index deutlich an. Erst Mitte 2009 sank das Oldtimer-Barometer um 5 Prozent, dagegen verbuchte der Aktienmarkt dann wieder Kursavancen.

Oldtimer scheinen also eine negative Korrelation zu Aktien aufzuweisen: Fällt die Börse, steigen die Autopreise und umgekehrt. Das zeigt sich auch im langfristigen Chart, der nachträglich von HAGI gerechnet worden ist (siehe Grafik «Auto schlägt Aktie»). Seit 1980 haben Oldtimer im Rennen mit Aktien deutlich die Nase vorn.

Allerdings kann nicht jede Bolide mit den Unterhaltskosten Schritt halten. «Bei dem relativ weit verbreiteten Mercedes SL Pagode deckt die Wertsteigerung über die Jahre in etwa die Unterhaltskosten», sagt ein HAGI-Sprecher. Ein Mercedes 300 SL der fünfziger Jahre eigne sich dagegen als Finanzanlage und entschädige den Besitzer auch nach Abzug der Kosten mit einer schönen Rendite.

Risikodiversifikation mit Kulturgütern

«Ein historischer Rennwagen aus den dreissiger Jahren in gutem Zustand, gut dokumentierter Vergangenheit und ein, zwei Besitzerwechseln ist ein Kulturgut. Ein solcher Kauf ist aus Investmentsicht kein Fehler», sagt Reinhard Schmidlin von der Oldtimer Galerie in Toffen bei Bern.

Während man in Zürich sagt, dass die Zeiten für das Geschäft mit Luxus-Oldtimern «härter» geworden sei, beklagt sich Schmidlin nicht. «Unsere Umsätze sind wegen der Wirtschaftskrise nicht gross zurückgegangen», sagt er. Und bei seiner letzten Auktion von Anfang Mai seien mehr als 70 Prozent der Lose verkauft worden.

40 Millionen für das teuerste Auto der Welt

Wegen der jüngsten Börsenbaisse und dem Vertrauensschwund in Nominalwerte suchen Investoren vermehrt exotischere Anlagealternativen. Nicht nur in der Schweiz. Anfang Mai hat das US-Auktionshaus Gooding mit einem Bugatti Typ 57SC Atlantic sogar das «teuerste Auto der Welt» verkauft, wie das Unternehmen mitteilte. Käufer und Kaufpreis wurden nicht genannt, Insider sprechen von 30- bis 40-Millionen-Dollar-Transaktion.

Voraussetzung für einen guten Deal ist allerdings viel Fachwissen. Gerade im gehobenen Segment kann einem sonst auch mal ein Nachbau als Original untergejubelt werden. Expertise und Vertrauen ist sehr wichtig.

Und trotz aller Trägheit ist der Oldtimer-Markt auch von Übertreibungen nicht gefeit. Ende der achtziger, Anfang der neunziger Jahre war speziell der Ferrari-Markt von einem Spekulationsfieber ergriffen worden. «Ich habe damals einen Ferrari F40 für 1,5 Millionen Franken verkauft. Heute geht ein solcher Wagen für 440'000 Franken», so Schmidlin.

 

Italiener haben die Nase vorn

 

Jg.

Marke und Modell

Preis
(in Mio USD)

1936

Bugatti Typ 57SC Atlantic

30 - 40

1962

Ferrari 250 GT SWB California Spider

5.1

1933

Alfa Romeo 8C 2300 Drop Head Coupé

4.2

1956

Jaguar D-Type Sports Racer

3.8

1935

Duesenberg Model SJ Roadster

3.3

1931

Voisin C20 V-12 Mylord Demi-Berline

2.8

1936

Hispano-Suiza Type 68 J12 Cabriolet

1.5

1932

Alfa Romeo 6C 1750 Series V Gran Sport

1.5

 

Quelle: Gooding & Company