Zu Beginn des Jahres jubelten die meisten Fondsmanager, Research-Leiter und Anlagechefs die Schwellenländer-Märkte hoch. Im Interview mit cash sagte zum Beispiel der Leiter des Wealth Management Europa einer Grossbank, dass vor allem die grossen Schwellenländer, also die BRIC-Staaten Brasilien, Indien, Russland und China, 2011 gut performen werden.
Es kam aber anders: So büsste der russische Leitindex Micex und der brasilianische Bovespa innert Jahresfrist gut 16 Prozent ein. Beim Aktienindex von Hong Kong sind es gar 20 Prozent. Der indische Aktienmarkt verzeichnet mit einem Jahres-Minus von 22 Prozent die schlechteste Performance der BRIC-Staaten. Zum Vergleich: Der Leitindex der Schweizer Börse verlor etwa 10 Prozent, der Dow Jones konnte gar zulegen.
Somit überrascht es nicht, dass auch die Kurswerte der Schwellenländer-Aktien-Fonds teilweise massive einbrachen. So verlor der in Euro emittierte Emerging Market Fonds von Pictet (Valor 4937202) rund 26 Prozent, der auf Dollar-Basis geführte UBS-Fonds (Valor 3767771), welcher überwiegend in Innovatoren aus Schwellenländern investiert ist, sogar 37 Prozent. Von den von cash analysierten 176 Fonds erzielte kein Fondsmanager eine positive Rendite.
Weiter positive Stimmen
Interessanterweise werden die Lobeshymnen auf die Schwellenländer für das kommende Jahr nicht leiser. So sagte Alfred Roelli, Sprecher für Anlagestrategien bei Pictet im cash-Börsen-Talk, dass Anleger im Prinzip den ganzen chinesischen Index kaufen könnten und ebenso haben die Anlagestrategen des Wealth Management BNP Paribas Russland und China für 2012 auf ihren Einkaufszetteln (zum Artikel).
Es gibt aber auch warnende Stimmen: Bei den Schwellenländern "wird das Pendel für das kommende Jahr weiter in Richtung Risiken ausschlagen", sagt Oliver Dettmann, Aktienanalyst bei Wellershoff und Partner. Das Hauptrisiko liege in Europa. So müsse sich erst Klarheit in der Euro-Schulden-Krise abzeichnen, bevor Anleger verstärkt Aktien von Emerging Markets kaufen können, sagt Stefan Hofer, Schwellenländer-Experte bei Julius Bär.
Gestaffelt in ausgewählte Märkte investieren
Dennoch bieten sich für das kommende Jahr Investitions-Chancen in bestimmten Schwellenmärkten. So sieht Dettmann in Brasilien einen attraktiven Kandidaten, weil das Inflationsrisiko abgenommen habe und die Wachstumschancen intakt seien. Er empfiehlt Anlegern aber gestaffelt in Schwellenländermärkte zu investieren. Das heisst: 20 Prozent der Anlagesumme aufwerfen, vier bis fünf Monate zuwarten und dann entscheiden, eventuell weitere Positionen aufzubauen.
Der Experte von Julius Bär empfiehlt Thailand und Polen. Beide Aktienmärkte hätten auch während der Wirtschaftskrise im 2008 eine solide Performance hingelegt und dies sei auch in der aktuellen Krise der Fall, so Hofer.

