Wenn Abbrecher großen Erfolg haben - und viele haben das -, kann ihre Rückkehr an die Elite-Uni zu einem Riesen-Ereignis werden. Und genauso war das bei Zuckerberg am letzten Montag. Die Universität bezeichnete es als seine erste offizielle Rückkehr, seit er 2004 ging. 200 Zuschauer, 50 Reporter und 20 Kameras drängten sich bereits im Morgengrauen im Harvard-Innenhof, um den Auftritt des erfolgreichen Unternehmers an seiner früheren Studienstätte zu sehen.
“Es ist großartig, hierher zu kommen”, sagte der 27jährige Zuckerberg kurz nach einem kurzen öffentlichen Auftritt in einer für die Presse nicht zugänglichen Veranstaltung vor 200 Studenten, die per Losentscheid ausgewählt worden waren. “Es gibt hier viele kluge Köpfe und viele von ihnen werden in den nächsten Wochen entscheiden, bei wem sie arbeiten werden.”
Zuckerberg, der wie üblich Kapuzenpullover und Jeans trug, besuchte am Montag auch das Massachusetts Institute of Technology und am Dienstag die Carnegie Mellon University in Pittsburgh, um den Studenten Facebook als Arbeitgeber schmackhaft zu machen. Unter Google Inc., Yahoo! Inc. und anderen Arbeitgebern im kalifornischen Technologiezentrum Silicon Valley ist die Konkurrenz um die
talentiertesten jungen Köpfe weiterhin stark.
Harvard-Jahre haben umgewandelt
Wenn Harvard Zuckerberg willkommen heißt, akzeptiert die Elite-Uni damit auch “unbeabsichtigt und implizit, dass der Harvard-Student Harvard nicht braucht”, sagt Steve Grossman, 28, IT-Dienstleistungs-Analyst bei der Northeastern University in Boston. Grossman war ebenfalls in Harvard; er und Zuckerberg gehörten einst der gleichen Studentenverbindung Alpha Epsilon Pi an. “Harvard will an der Idee festhalten, dass Harvard diese Potenziale nimmt - wie Lehmklumpen - und sie zu den besten und klügsten Köpfen formt”, erklärt Grossman.
Die Auswahlkriterien sind streng. Für das Studienjahr 2011/2012 hat Harvard nur 6,2 Prozent der fast 35'000 Bewerber akzeptiert. 97 Prozent der Studenten machen ihren akademischen Abschluss, die Quote der Studienabbrecher liegt nur bei drei Prozent.
Ob Harvard Stars schafft oder sie nur findet, wurde auch indirekt durch Gates angesprochen, der ebenfalls sein Studium abbrach und Mitgründer der weltgrößten Software-Schmiede wurde. Gates, der 2007 die Ehrendoktorwürde erhielt, sagte in einer Rede, seine Jahre in Harvard hätten ihn umgewandelt.
Polaroid-Gründer ebenfalls Abbrecher
Zuckerberg startete 2004 sein soziales Netzwerk aus seinem Studentenzimmer in Harvard heraus. Im selben Jahr kehrte er der Uni auch den Rücken. Heute beschäftigt seine im kalifornischen Palo Alto beheimatete Gesellschaft Facebook etwa 3'000 Mitarbeiter und hat einen Marktwert von etwa 68,3 Mrd. Dollar, schätzt SharesPost, eine Börse für nicht notierte Aktien. Mit einem geschätzten Nettovermögen von 17,5 Mrd. Dollar rangiert Zuckerberg auf Platz 14 der reichsten Amerikaner in der Liste des Zeitschrift Forbes. In einer anderen Rangliste von Forbes für 2011 belegt er Platz neun unter den einflussreichsten Personen weltweit und ist der zweitjüngste Milliardär.
Zuckerberg und Gates waren nicht die ersten Harvard- Abbrecher, die vom Technologie-Virus erfasst wurden. Edwin Land, Mitgründer von Polaroid, nahm 1926 sein Studium an der Elite-Uni auf und blieb dort ein Jahr. Dann ging er nach New York, forschte und entwickelte schließlich sein Sofortbildverfahren, wie der Webseite der National Academy of Sciences zu entnehmen ist.
Seeger entschied sich nach zwei Jahren gegen den Hörsaal und für das Banjo. In seinem Alumni-Jahrbuch schrieb er, dass er “von gewissen Dingen entfernt war, die Harvard mich nicht hätte lehren können”, wie in der Harvard-Studentenzeitung Crimson zu lesen ist.
Damon, der zum Harvard-Jahrgang 1992 gehört, hat laut Harvard-Sprecher John Longbrake nie seinen Abschluss gemacht. Er hat mit “Good Will Hunting” den Oskar für das beste Drehbuch erhalten. In dem Film sagt die von ihm gespielte Figur zu einem Harvard-Studenten “du hast 150'000 Dollar für eine Ausbildung ausgegeben, die du für 1,50 Dollar an Säumnisgebühren bei einer öffentlichen Bibliothek
hättest bekommen können.”
(Bloomberg)
