Die Isolation der Schweiz in Europa wird dieser Tage einmal mehr kontrovers diskutiert. Nach Exponenten der Wettbewerbskommission (Weko) und der ETH schaltet sich jetzt auch Alinghi-Boss und Investor Ernesto Bertarelli in die Diskussion ein.

«Ich bin vollkommen überzeugt, dass Europa mehr und mehr zwischen Amerika und den Emerging Markets eingezwängt wird», sagte Bertarelli am Dienstagabend vor 450 Schweizer Exporteuren in Schaffhausen. Eingeladen hatten der Verband Swiss Export und der Kreditversicherer Euler Hermes.

«Isolation ist keine Lösung»

Um nicht als «Speck im Sandwich» zu enden, müssen sich Schweizer der Herausforderung stellen, um als Europäer zu einer Macht zu werden in der neuen Weltordnung. «Unsere Zukunft liegt in der EU, Isolation ist keine Lösung», so Bertarelli (Exklusives cash-Video).

Bertarelli gibt jedoch zu, dass ihn der Gedanke an eine Integration in die EU nicht notwendigerweise überzeuge. Sicher sei aber, dass man vom Heimmarkt allein nicht überleben könne. «Darum entscheide ich mich für das kleinere Übel.»

Drei Viertel gegen EU-Beitritt

Dieser Ansicht ist auch der scheidende Weko-Präsident Walter Stoffel. Der Schweiz ginge es besser, wenn sie EU-Mitglied wäre, sagte Stoffel Ende Mai 2010 in einem Interview.

Die Bevölkerung sieht das allerdings anders: Gemäss einer neuen ETH-Studie unterstützen drei Viertel der Schweizerinnen und Schweizer den bilateralen Weg mit der EU, für eine Mitgliedschaft tritt nur ein Viertel ein. Die Neutralität geniesst weiterhin einen hohen Stellenwert.

Bertarelli: «Firmen, riskiert mehr»

Die ETH-Umfrage bestätigte auch, dass Schweizer noch immer sehr sicherheitsbedürftig sind. Eine Eigenschaft, die Ernesto Bertarelli ebenfalls beobachtet: «Was mir in der Schweiz besonders auffällt, ist die grosse Angst vor Misserfolgen.»

Die Angst vor dem Verlieren, vor Rückschlägen oder dem Wandel schränke die Leute in ihrem Handeln ein. Dies gelte auch für das Geschäftsleben.

Der Alinghi-Boss rüttelt wach: «Es muss doch nicht immer alles nach Plan laufen», ermuntert Bertarelli. «Verlieren gehört dazu, um Erfahrungen zu sammeln und weiterzukommen.» (Mehr im exklusiven cash-Video)