cash: Der Dezember gilt als ein sehr starker Monat bei den Goldverkäufern. Können Sie bei Pro Aurum Schweiz ebenfalls von einer «schönen Bescherung» sprechen?

René Buchwalder: Das können wir bestätigen. November und Dezember waren nach dem Monat Mai, wo Griechenland die Märkte erschütterte, die absatzstärksten Monate in 2010.

Was sind die Bestseller bei den Edelmetall-Barren und -Münzen?

Übers ganze Jahr gesehen waren die 1 Unzen Gold und Silber Lunar Serie Tiger die beliebtesten Münzen. Die Serie in Gold ist jetzt sogar ausverkauft. Auch die 2011 Lunar Serie Hase ist beliebt. Zudem sind die zwei neuen Schweizer Münzen respektive Medaillen im Silber, der Hans und das Matterhorn sehr gefragt. Evergreen ist und bleibt aber der Krügerrand, der scheint immer beliebt zu sein.

Wie stehts um den Geschenk-Klassiker, das Goldvreneli? Trotz Preisanstieg immer noch der Renner?

Das Vreneli läuft praktisch immer gut und ist auch bei ausländischen Kunden sehr gefragt. Wenn wir die Vreneli-Verkäufe im Dezember bei uns anschauen, ist das Vreneli auch dieses Jahr ein Renner als Geschenk für unter den Tannenbaum, auch wenn es dieses Jahr um 60 bis 70 Franken teurer geworden ist im Vergleich zum Vorjahr.

Müssen Kunden derzeit Wartezeiten und Lieferverzögerung wie im Frühjahr 2010 in Kauf nehmen?

Stimmt, es gibt zum Teil beträchtliche Lieferfristen bei Gold und Silber-Barren. Die Lieferfristen im Moment sind für die grösseren Goldbarren, zum Beispiel 1 Kilo, 500 Gramm, 250 Gramm und 100 Gramm bis zu einem Monat. Das gleiche gilt für die Silber-Barren. Bei den Münzen sieht es im Moment besser aus, diese sind meistens sofort verfügbar.

Rohstofftrader berichten, dass Anleger die zuletzt gesunkenen Preise zum Einstieg genutzt hätten. Würden Sie Privatanlegern ebenfalls ans Herz legen, jetzt Gold zu kaufen?

Ja, das würden wir. Im Moment sind die Korrekturen nach unten gering. Es scheint so, dass vor allem aus dem asiatischen Raum wie China grössere Kaufaufträge gestaffelt nach unten platziert im Markt sind.

Anders als Öl oder Weizen, die auf der Grundlage ökonomischer Faktoren verbraucht werden, ist der wahre Wert von Gold für den durchschnittlichen Anleger schwer zu beurteilen. Was sagt der Profi?

In Zeiten der Unsicherheit, die vermutlich in den nächsten Jahren weiter steigen wird, gehen Anleger vermehrt in Sachwerte. Und Gold ist wie auch Immobilien ein Sachwert. Zudem hat das Gold über Jahrhunderte schon bewiesen, dass es die Kaufkraft auch bei einer starken Inflation bewahrt.

Der Pleite-Geier zieht über gewissen EU-Staaten seine Kreise. Wie schätzen Sie die fundamentale Lage in der EU und deren Auswirkungen auf die Edelmetallpreise ein?

Die EU kommt mir vor wie ein Domino-Spiel. Zuerst Griechenland, dann Irland und als nächstes vermutlich Portugal. Solange es die kleineren Länder betrifft, dann wird die EU dies vermutlich noch ausgleichen können. Aber was wird passieren, wenn grössere Länder wie Spanien oder Italien fallen?

Was ist Ihr Szenario für die Zukunft Europas?

Vermutlich wird die EU eines Tages in verschiedene Stärkegruppen aufgeteilt werden müssen. Zudem haben wir bei uns viele EU-Kunden und aus Gesprächen mit diesen Kunden hören wir, dass die Unzufriedenheit der Bevölkerung mit der politischen Elite schon gewaltig ist.

Die Popularität der Goldfonds, -ETF trug dazu bei, den Goldpreis auf ungeahnte Höhen zu treiben. Kommts bald zu einen Ende mit Schrecken?

Klar sind die Goldfonds und ETF populär, aber sie waren nicht der Grund dafür, dass der Goldpreis nach oben ging und geht. Der Grund für den höheren Goldpreis sind die Verunsicherung der Anleger in Bezug auf die Verschuldungskrise und die Politik der Zentralbanken diese zu bekämpfen oder eben nicht. Und die Angst vor einer starken Inflation.

Allerdings ähnelt die Goldpreisrally Bewegungen, wie sie den drei grossen Crashs des letzten Jahrzehnts vorausgingen (Technologieblase, US-Immoblase, Ölpreisrally)...

Stimmt nicht ganz. Diese Goldpreisrally hat im 2001 angefangen, in etwa zum Zeitpunkt als Greenspan angefangen hat, Geld in den Markt zu pumpen, und sie pumpen noch heute. Die Technologierally und die Immobilienrally waren getrieben von Profitgier, die Goldpreisrally ist getrieben von der Verunsicherung der Anleger in Bezug auf die Zukunft der Finanzmärkte und der Angst vor einer starken Inflation.

Die nächsten zwei, drei Monate könnten weitere enorme Preisanstiege im Edelmetallbereich bringen - auch wenn sich dies die Marktteilnehmer noch nicht vorstellen können.

Wer sagt das?

Das steht auf Ihrer Website.

Unsere Analysten sind Verfechter der so genannten «österreichischen Schule». Nach dieser Theorie führt die weltweite Ausweitung der Geldmengen zwangsläufig zu hohen Inflationsraten. Die Endphasen dieser Bewegungen laufen zuletzt immer exponenzial ab und führen zu parabolisch steigenden Sachwertnotierungen. Aber egal, wann es passiert – steigende Notierungen für Gold und Silber sind für uns eine ausgemachte Sache.

Wird Silber im Vergleich zum Goldpreis weiterhin überproportional steigen? Was sind ihre Prognosen für 2011?

Silber bewegt sich normalerweise immer viel schneller als Gold, da es weniger Marktteilnehmer im Silber gibt. Daher die höhere Volatilität. Das gilt sowohl nach unten wie auch nach oben. Da wir weiterhin in der Tendenz nach oben gehen, wird das Gold/Silber-Ratio vermutlich zusammengehen. Zudem historisch gesehen ist das Gold/Silber-Ratio bei 1 zu 15.

Und was bedeutet das?

Wenn das Gold in einem Aufwärtstrend ist und sagen wir in einem Jahr 10 Prozent nach oben geht, dann geht das Silber 15 bis 20 Prozent nach oben und das gleiche umgekehrt nach unten.

Wir berechnen Sie das Ratio?

Das Gold Silber Ratio berechnet man wie folgt: Eine Unze Gold ist im Moment 1376 und eine Unze Silber ist im Moment 29.20 Dollar wert. Also dividiert man 1376 durch 29.20, das ergibt ein Gold-Silber-Ratio von 47.12. Das liest sich: eine Unze Gold ist 47.12 mal mehr Wert als eine Unze Silber. Dieses Gold Silver Ratio kam im Verlauf dieses Jahres von über 60 auf 47 herunter, da das Silber im Vergleich zum Gold schneller nach oben ging.

Als Ex-UBS-Rohstoffhändler sind Sie auch Devisenprofi. Was müssen Anleger bei Kauf von Gold beachten?

Klar, wenn ein Kunde die Möglichkeit hat, den US-Dollar gegen den Franken zu hedgen, dann sollte er sich gegen den schwächer werdenden US-Dollar hedgen. Gold ist unter anderem vor allem auch ein Hedge gegen den schwachen US-Dollar.


*Das Interview wurde schriftlich geführt.