"Wie spüren ein zunehmendes Interesse an solchen Produkten", sagte Axel Lomholt, der bei Blackrock für die Entwicklung und das Management der hauseigenen iShares-ETFs in Europa zuständig ist, in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. Bei Blackrock gebe es zwar noch keine konkreten Pläne für solche Produkte. "Aber wir schauen uns Research dazu an und sammeln Informationen", sagte Lomholt.
Ursprünglich haben börsennotierte Indexfonds Indizes auf einzelne Finanzmärkte abgebildet und sich dabei auf eine Anlageklasse beschränkt - beispielsweise auf deutsche Aktien oder US-Staatsanleihen. Vermögensverwaltende ETFs investieren dagegen in unterschiedliche Anlageklassen und Märkte. Einige dieser Produkte können die Aktien-, Renten- und Rohstoffquoten sogar flexibel je nach Marktlage verändern. In den USA gibt es bereits mehrere entsprechende ETFs, während das Konzept in Europa noch in den Kinderschuhen steckt. In Deutschland bietet die Deutsche Bank drei solche Produkte an.
"Ich gehe davon aus, dass weitere Anbieter entsprechende Konzepte auf den Markt bringen werden", sagte Lomholt. Denn inzwischen seien die Investoren reif dafür. "Anfangs mussten sie ETFs erst einmal kennenlernen und verstehen. Jetzt sind die meisten damit vertraut, so dass wir über Multi-Asset-Produkte mit vermögensverwaltendem Charakter als nächste Stufe nachdenken können."
Genug Raum für Produktinnovationen
Auch abseits vermögensverwaltender ETFs sieht Lomholt noch genug Raum für Produktinnovationen. Einige Experten halten das Angebot angesichts von rund 2900 ETFs in Europa für ausgereizt. "Vor ein paar Jahren habe ich mich auch gefragt, ob ich als Produktentwickler in einiger Zeit noch etwas zu tun hätte oder schon alle sinnvollen Produkte da seien", sagte er. Heute schätzt er die Lage anders ein. "Das Angebot wird in Zukunft sicher etwas abebben, aber unter dem Strich weiter wachsen." In Bezug auf einzelne Anlageklassen gebe es vor allem im Bereich der Anleihen-ETFs noch Lücken - sowohl bei Staats- als auch Unternehmensanleihen.
"Außerdem eröffnen verschiedene Strategiekonzepte Raum für Innovationen", sagte der Blackrock-Manager. Damit meint er Indexansätze, die Wertpapiere in den Kursbarometern nicht auf klassische Art nach den Marktkapitalisierungen der Unternehmen gewichten. Es gibt bereits ETFs, die sich alternative Indizes beziehen. Diese Börsenbarometer sind beispielsweise darauf ausgerichtet, Kursschwanklungen zu minimieren oder Unternehmen nach fundamentalen Daten wie dem Kurs-Buchwert-Verhältnis oder der Dividendenrendite zu gewichten. "Auch dabei gilt: Erst einmal mussten die Investoren ETFs grundsätzlich kennenlernen. Das ging am besten durch Produkte auf die großen Benchmark-Indizes wie Dax und Eurostoxx 50. Jetzt sind wir der Meinung, dass die Zeit reif für speziellere Produkte ist."
Zudem zwinge der harte Wettbewerb in der Branche die Anbieter zur Kreativität bei der Produktentwicklung. "Denn dadurch kann man sich von den anderen abgrenzen", sagte Lomholt. Einschränkungen durch die verschiedenen Regulierungsinitiativen für den europäischen ETF-Markt erwartet Lomholt dabei nicht. "Das wird uns nicht einschränken", sagte er.
Der Blackrock-Manager geht davon aus, dass es in nächster Zeit eine gewisse Marktbereinigung geben wird. "Ob dabei Anbieter verschwinden werden, ist nicht abzusehen. Aber einige Gesellschaften werden mit hoher Wahrscheinlichkeit ETFs vom Markt nehmen müssen oder mit anderen Fonds fusionieren, weil sie sich aus wirtschaftlicher Sicht nicht rentieren."
(Reuters)

