Die Nervosität an den Finanzmärkten ist mit den Händen greifbar. So schiessen die Märkte hoch, wenn aus der Politik erste Anzeichen einer Lösung der Staatsschulden-Krise zu vernehmen sind, um wenig später wieder abzustürzen, wenn die Lösung nun doch nicht kommt. Eine starke Beruhigungspille wäre ein tragfähiger Lösungsplan seitens der EU-Politik.

Eine solche werde wahrscheinlich am EU-Gipfel von dieser Woche fabriziert. "Wir glauben, dass es einen Durchbruch geben wird", sagt Alfred Roelli, Sprecher für Anlagestrategien bei Pictet im cash-Börsen-Talk.

Die Zuversicht des Anlagestrategen überrascht. Viele Politiker - inklusive Bundeskanzlerin Angela Merkel - haben die Hoffnungen auf ein schnelles Ende der Euro-Krise gedämpft. Aber laut Roelli haben die Politiker gar keine andere Wahl, den Ball nun aufzunehmen und endlich einen Lösungsplan zu präsentieren, der Hand und Fuss hat. "Tun sie es nicht, droht die absolute Katastrophe", sagt der Anlagestratege.

Euro-Franken-Kurs bei 1,30

Mit der Euro-Krise ist unweigerlich die Stärke des Frankens verbunden. Solange keine Lösung der Krise kommt, wird der Franken weiter zwischen 1,20 Franken und 1,25 Franken pendeln. Das Gros der Marktakteure glaubt denn auch nicht an eine baldige Abwertung des Frankens gegenüber dem Euro. Roelli hat eine konträre Meinung: "Der Franken wird sich auf 1,30 Franken abwerten, ohne dass die Schweizerischen Nationalbank intervenieren muss", sagt Roelli. Sofern der Euro-Gipfel eine Lösung hervorbringe, erwarte er eine solche Abschwächung bis im ersten Quartal 2012.

Das bevorstehende Ende der Euro-Krise, veranlasst die Bank Pictet, die Aktienquote wieder auf gut 35 Prozent anzuheben. Im August dieses Jahres lag die Quote noch bei unter 30 Prozent. Aktien mit Aufwärtspotenzial seien unter anderem im defensiven Sektor, also in der Pharmabranche und im klassischen Konsumgütersektor anzutreffen, meint Roelli. 

China-Aktien und Gold gehören ins Depot

"Bullish" ist der Anlagestratege neben europäischen Titeln auch auf China-Aktien. Dies trotz der mehrmaligen Wachstumsabschwächung in der zweitgrössten Volkswirtschaft der Welt. Zudem zeigen die jüngsten chinesischen Einkaufsmanager-Umfragen an, dass allen wichtigen Sektoren der chinesischen Wirtschaft die erste Abschwächung seit mehreren Jahren droht.

Doch laut Roelli sei die Wirtschaftspolitik in China in Ordnung, und es werde auch die von vielen Marktakteuren befürchtete Immobilienblase nicht geben. Auf welche China-Aktien Anleger nun setzen sollen, sei unwichtig. "Man könne im Prinzip den ganzen Index kaufen", sagt Roelli.

Auch Gold steht bei der Traditionsbank hoch im Kurs. Am 6. September 2011 notierte der Goldpreis bei über 1920 Dollar pro Unze, so hoch wie nie zuvor. Gegen Ende September folgte aber eine starke Korrektur um über 300 Dollar. Seither konnte der Goldpreis wieder um 10 Prozent auf gegen 1750 Dollar zulegen. Doch das sei noch lange nicht das Ende der Fahnenstange.

"Unser Preisziel für die Feinunze Gold ist 3000 Dollar bis 2015", sagt Roelli. Allerdings werde der Goldpreis bei einer Lösung der Euro-Krise etwas zurückkommen. Dies seien aber Kaufgelegenheiten, sagt der Anlagestratege.

Im cash-Börsen-Talk äussert sich Roelli zudem zu Goldminenaktien und deren Potenzial.