Obwohl die Anleger verunsichert sind, die Konjunkturindikatoren keine goldenen Zeiten versprechen und die Euro-Krise weit davon entfernt ist, gelöst zu werden, hat der SMI in den letzten fünf Wochen eine beachtliche Performance auf das Börsenparkett gelegt: "Wir befinden uns mitten in der Sommerrally", sagt Alfred Ritter, Anlagechef bei der Basler Kantonalbank, im cash-Börsen-Talk.

Doch allem Frohlocken zum Trotz warnt der Profi, der die Aktienmärkte seit nunmehr über 40 Jahren verfolgt, dass kurzfristig mit Rückschlägen zu rechnen sei. Ein Tauchgang von bis zu sechs Prozent sei nicht ausgeschlossen, bis es im Herbst wieder aufwärts gehen sollte: Im vierten Quartal, prognostiziert Ritter, werde sich der SMI zwischen 6500 und 6800 Punkten einpendeln.

Ein weiterer Indikator, dass sich das Sommerrally dem Ende zuneigt, ist die Zunahme der Wetten auf eine SMI-Talfahrt. So sind die Kosten für die Absicherung gegen einen Einbruch bei Schweizer Aktienkursen auf eine neues Rekordhoch gestiegen. "So hoch wie seit 1997 nicht mehr", sagt Ritter.

Auf Rückschläge warten

"Krisenresistente" Titel wie Nestlé, SGS und Richemont empfiehlt der Anlagechef im Portfolio zu belassen, oder erst dann einzusteigen bis der Gesamtmarkt einen Rückschlag verzeichnet. Dem können sich nämlich auch die SMI-Schwergewichte nur schwer entziehen. Dann sei der Einstieg günstig, sagt Ritter.

Allerdings: Beim Luxusgüterkonzern Richemont setzt Ritter ein Fragezeichen. Der künftige Verlauf der Aktie hängt massgeblich davon ab, wie sich das Wirtschaftswachstum in China entwickelt. Sollte sich dieses über Erwarten abschwächen, würde auch die Richemont-Aktie deutlich nachgeben.

Einen guten Einstieg bei Nestlé sieht Ritter bei Rückschlägen von fünf bis zehn Prozent: "Dann sollten sich die Anleger ganz genau überlegen, die Aktien wieder ins Portfolio zu nehmen", sagt er. Der Lebensmittelkonzern zahle eine ansprechende Dividende und sei auf der Produkte-Ebene sehr gut aufgestellt.

Als "Langzeit-Story" bezeichnet Ritter den Warenprüfkonzern SGS. Dort liege der ideale Einstiegspreis zwischen 1750 und 1800 Franken. "Langzeit-Story" deshalb, weil das Geschäft mit Qualitätskontrollen in den nächsten fünf bis zehn Jahren weiter anziehen werde, ist sich Ritter sicher. Ebenfalls gut aufgestellt sei der Winterthurer Industriekonzern Sulzer. "Im Juni haben wir hier eine schöne Hausse gesehen", sagt Ritter. Insbesondere im Segment der Pumpen, die zur Förderung von Gas eingesetzt werden, sieht der Anlagechef der Basler Kantonalbank grosses Potenzial.

Eine Gefahr für die Finanzmärkte

Für Ritter wird Asien auch im zweiten Halbjahr weiterhin wichtigster Wirtschaftstreiber bleiben: "Aber wir müssen uns auf eine Reduktion der Wachstumsdynamik gefasst machen", sagt er im cash-Börsen-Talk. Mit einem Wachstum von gegen sechs Prozent könne nicht mehr gerechnet werden. "Wir werden uns mit drei Prozent begnügen müssen."

Ein weiterer Unsicherheitsfaktor ortet Ritter im Hinblick auf das Verdikt des deutschen Verfassungsgerichts. Wie der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble geht auch Ritter davon aus, dass eine "verspätete" Ratifizierung des ESM und des Fiskapakts erhebliche Gefahren für die Finanzmärkte und die Stabilität der Eurozone bedeuten würde.

Im Börsen-Talk sagt Afred Ritter zudem, was die Schweizer Banken tun müssen, um das Vertrauen ihrer Kunden wieder zu gewinnen und was der Schwächeanfall des Ölpreises für die Weltwirtschaft bedeutet.