Bis zu Beginn des letzten Jahres dachten westliche Investoren wohl kaum daran, in Burma nach Investitionsmöglichkeiten zu suchen. Über zwei Jahrzehnte hinweg regierte die prunksüchtige burmesische Militärjunta mit eiserner Faust das 55-Millionen-Land zwischen Indien und China. 2007 schlugen die Generäle in einer blutigen Aktion die Safran-Revolution nieder – Bilder von blutüberströmten Mönchen gingen im die Welt; an eine Öffnung des isolierten südostasiatischen Landes dachte damals niemand.
Das änderte sich 2010. Die Wahlen, so sind sich Beobachter sicher, waren der erste Schritt hin zu einer langsamen Öffnung des Landes. Im November des gleichen Jahres wurde die Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi aus dem Hausarrest entlassen. 2011, unter dem neu gewählten Präsidenten und Ex-General Thein Sein, wurden Gewerkschaften legalisiert, Medien durften freier berichten und wirtschaftliche Reformen wurden angestossen. Die Öffnung hat auch das Interesse von nicht-asiatischen Investoren geweckt.
Ein aktueller Bericht des Internationale Währungsfond (IWF) attestiert Burma ein "hohes Potenzial" mit einem geschätzten Wirtschaftswachstum von zwischen sechs bis sieben Prozent jährlich. Zudem ist das Land reich an Bodenschätzen (Öl, Gas, Holz, Jade und Rubine).
Nur zwei nennenswerte Investitionsmöglichkeiten
Trotzdem ist es kein Leichtes, als hiesiger Anleger von der Öffnung Burmas zu profitieren. Der einzige Weg ist schmal und führt über Singapur. Aber auch in der Steueroase sind die Optionen im Wesentlichen auf zwei Micro-Caps beschränkt: Yoma Strategic Holdings mit einem Börsenwert von 225 Millionen US-Dollar und den kleineren Interra Resources sind die Namen, die es zu nennen gilt.
Yoma fokussiert sich auf die Immobilienmärkte Chinas und Burmas, wobei das Schwergewicht bisher in der Volksrepublik lag. Das könnte sich in Zukunft ändern. Jedes Jahr zieht es mehr Touristen ins Land der goldenen Tempel. Das erfordert einen stetigen Ausbau der Infrastruktur und kurbelt zugleich den Immobilienhandel an. Angenommen die westlichen Sanktionen werden über die nächsten Jahre abgeschwächt oder verschwinden ganz, gehen grosszügige Schätzungen davon aus, dass die Grundstückspreise bis 2015 um 15 Prozent steigen könnten.
Immobilien und Öl
Zwar sind burmesische Wirtschaftszahlen immer mit Vorsicht zu geniessen, Fakt ist aber: Die Valoren von Yoma haben innerhalb eines Jahres 560 Prozent zugelegt. Steigen die Grundstückspreise weiter an, käme dies auch Yoma zu Gute.
Im gleichen Zeitraum avancierten die Aktien des Explorationsunternehmens und Ölförderers Interra Resources um 126 Prozent. Die Firma mit Sitz in Singapur hält nach eigenen Angaben rund 60 Prozent der Rechte an den zwei grössten Ölfeldern in Chauk und Yenangyaung. Die Militärregierung Myanmars behauptete 2007 Ölreserven von 3,2 Milliarden Barrel zu besitzen. Das freut nicht nur Interra.
Kam bei der Vergabe von Förderlizenzen bisher in erster Linie China zum Zug, stehen nun auch andere globale Player Schlange: Der französische Energiekonzern Total beispielsweise plant gemeinsam mit dem US-Unternehmen Unocal den Bau einer Gaspipeline von Burma nach Thailand. Insgesamt dürften von der Aussetzung der Burma-Sanktionen nach Schätzungen mehr als 800 europäische Firmen unmittelbar profitieren.
Weg frei für Spekulanten
Doch bei allerlei Euphorie über den nächsten grossen asiatischen Emerging Market, den nächsten asiatischen Tigerstaat, ist Vorsicht geboten. Die derzeitige Stimmung scheint ähnliche derer zur sein, die Vietnam 2006 erfasste. Damals konnte Vietnam ein starkes Wirtschaftswachstum von 8 Prozent vorweisen, 2011 waren es noch 5 Prozent.
Dazwischen investierten transnationale Konzerne Milliarden US-Dollar in der Sozialistischen Republik. Doch der Turbokapitalismus offenbarte auch seine Schattenseiten: Inflation, Preissteigerungen für Nahrungsmittel, Strom und Benzin sowie ein hohes Handelsbilanzdefizit. Höhenflüge bestimmten in den letzten Jahren auch die Börsenkurse und Immobilienpreise.
Gleiches könnte Myanmar blühen. Noch sind chinesische Investoren in Burma mit 10,5 Milliarden Euro die Nummer eins, doch das Investitionsvolumen westlicher Staaten dürfte in den kommenden Jahren rasant zunehmen.
Der nächste Schritt für Myanmar wird die Schaffung einer neuen Börse sein. Daiwa Securities und die Tokyo Stock Exchange sollen in dem Land gemeinsam mit der Zentralbank eine Börse aufbauen, teilten die beiden Unternehmen mit. Eine entsprechende Vereinbarung soll Mitte Mai unterzeichnet werden. Weitere Details wurden bislang nicht bekannt, die Nachrichtenagentur Reuters meldet jedoch, dass der Handelsplatz 2015 seinen Betrieb aufnehmen soll.

