Die Fluggesellschaften rufen auf zum Preiskampf in der Business-Klasse: Zürich-New York kostet bei Lufthansa noch 2499 statt 6500 Franken, Genf-Dubai bei Etihad Airways 2540 statt 4050 Franken oder Zürich-Delhi bei British Airways für 1866 statt 2573 Franken. Emirates holt die Partnertarife hervor (also zwei Reiseteilnehmer), und da sind sogar First-Class-Flüge einigermassen erschwinglich: Male (Malediven) kostet 4340 Franken, Bangkok 5800, etwas teurer ist Sydney (10'580 Franken, Abflüge jeweils ab Zürich).

Wer bereit ist, ab einem deutschen Flughafen zu fliegen, erhält noch weitaus günstigere Tickets. Der Haken an der Geschichte: Der Buchungszeitraum ist meist auf wenige Stunden beschränkt und der Reisezeitraum meist ausserhalb der Hochsaison festgelegt.

Es sind dies nur einige Beispiele von vielen, die in den letzten Wochen per E-Mail-Newsletter in privaten Mailboxen gelandet sind. Auch Swiss hat derzeit Spezialangebote für die Klasse, die einst den Hauch von Luxus verströmte. Sprecher Jean-Claude Donzel relativiert aber auf Anfrage von cash: "Wir reagieren mit diesen Business-Class-Angeboten auf das Januar-Loch." Solche Aktionen gäbe es immer wieder mal, um die Plätze im Flieger zu füllen. Der Unterschied zu früher liege darin, dass heute die Fluggesellschaften schneller auf Nachfrageschwankungen reagierten.

Immer mehr Preisdumping bei Business- und First-Class-Tickets?

Für andere Kenner der Szene ist dies nur die halbe Wahrheit. "Mir ist auch aufgefallen, dass sich solche Business-Class-Angebote in letzter Zeit häufen", sagt Max Ungricht, Chefredaktor des Aviatikmagazins Cockpit. Er ortet einen anderen Grund hinter dieser Preisoffensive.

"Immer mehr Firmen schauen auf die Spesen und lassen ihre Mitarbeiter im Kurz- und Mittelstreckenbereich häufiger Economy fliegen", sagt Ungricht. Mit entsprechenden Folgen für die Airlines: Bislang hat sich das Preis-Dumping bei Flugtickets weitgehend auf die Economy-Klasse beschränkt. Sollte sich dieser Trend nun auf die höhermargigen Business- und First-Class-Tickets ausweiten, hätten die Fluggesellschaften über kurz oder lang ein erhebliches Problem.

Und die Wirtschaftsaussichten sind für 2012 bekanntlich nicht allzu rosig. Die Airlines reagieren daher bereits proaktiv aufgrund von womöglich mageren Buchungsvorläufen für die nächsten paar Monate.

2011 verzeichnen Fluggesellschaften Gewinneinbruch

Bereits im letzten Jahr kämpfte die Flugbranche weltweit mit einem Gewinneinbruch. Die 230 Mitglieder des Dachverbands der Fluggesellschaften (IATA), die nach eigenen Angaben 93 Prozent des Flugverkehrs abwickeln, rechnen für 2011 anstelle der prognostizierten 8,6 Milliarden nur noch mit rund vier Milliarden Dollar Gewinn.

Hauptschuld an dieser Revision trägt der Ölpreis, der 2011 entgegen den Erwartungen der IATA deutlich über 100 Dollar notierte. Ein höherer Ölpreis bewirkt nicht nur höhere Kerosin-Kosten, sondern dämpft auch die Nachfrage nach Frachtflügen.

Davon ausgenommen ist die Swiss, die für 2011 ein ausgezeichnetes Ergebnis erwartet. Im dritten Quartal erreichte Swiss mit 159 Millionen Franken Gewinn beinahe die Rekordmarke vom Herbst 2010, als die Schweizer Fluggesellschaft innerhalb von drei Monaten 172 Millionen Franken Gewinn ausgewiesen hatte. Damit gehört Swiss innerhalb des Lufthansa-Konzerns zu den profitabelsten Gesellschaften – im Gegensatz zu Austrian Airlines und der Ende 2011 verkauften Airline British Midlands, die beide rote Zahlen einflogen.