Die Schweiz soll ein führender Cleantech-Anbieter werden, so will es der Masterplan des Bundesrates. Zwischen politischem Anspruch und wirtschaftlicher Realität klafft ein riesiger Investitionsgraben. Einer Studie der SECA (Swiss Private Equity & Corporate Finance Association) zufolge flossen in den Jahren 2003 bis 2009 gerade mal 3,1 Prozent der gesamten Venture-Capital-Investitionen in der Schweiz in den Bereich Cleantech – rund 91 Millionen Franken.
Weltweit hat sich die Branche in einem ganz anderen Tempo entwickelt. Gemäss einer neuen Studie des Asset Managers SAM Group wurden allein 2010 250 Milliarden Dollar in den Sektor investiert, so viel wie noch nie.
Cleantech bewegt die Kapitalmärkte: 2010 war ein Rekordjahr für Anzahl und Volumen bei Börsengangen. Im ersten Quartal 2011 erreichten die M&A-Aktivitäten, also Fusionen und Übernahmen, einen neuen Rekord mit 217 gezählten Transaktionen und einem Volumen von über 20 Milliarden Dollar.
Aus US-Venture-Markt wuchs ein globaler Markt
Für Risikokapitalgeber und Private-Equity-Fonds hat sich der Markt von der Nische zu einem Wachstumssektor entwickelt, der nun breite und diversifizierte Anlagemöglichkeiten zu guten Risiko- und Renditeprofilen bietet. "Der Cleantech-Markt für Investoren hat sich innerhalb von zehn Jahren von einem mehrheitlich nordamerikanischen Venture Markt zu einem globalen Markt für attraktive Wachstums- und Expansionsfinanzierungen gewandelt", sagt Roland Pfeuti, Investmentdirektor bei der SAM Group im Gespräch mit cash. Cleantech hat in den USA Biotech und Software schon 2009 überholt, was das investierte Risikokapital betrifft.
Wobei Investoren sich in den letzten zwei Jahren vermehrt den so genannten Expansionsfinanzierungen zugewandt haben; bereits etablierte Unternehmen weisen ein besseres Risikoprofil auf. Bevölkerungswachstum, Urbanisierung und Klimaziele haben dem Cleantech-Sektor zur Marktreife verholfen. Entwicklung und Wachstum des Schweizer Solar-Anbieters Meyer Burger ist dafür beispielhaft. Auf weitere Beispiele wartet die Schweiz noch immer.
Gemäss der SAM-Studie sind weltweit über 300 Private-Equity-Fonds mit rund 44 Milliarden Dollar im Sektor investiert. 293 Börsengänge wurden seit 2005 durchgeführt, 92 waren es allein 2010. 900 M&A-Transaktionen bewegten seit 2005 175 Milliarden Dollar, dazu gab es 1550 weitere M&A-Deals ohne genauere Angaben. Das jährliche Wachstum beläuft sich auf 40 Prozent, wobei die Hauptmusik in China und im übrigen Asien spielt.
Zuflüsse von Schweizer Institutionellen gleich Null
Solche Zahlen sind wichtig für die Private-Equity-Branche. Ein Markt ohne genügend Exit-Möglichkeiten ist zu illiquide und zu riskant, um Fonds dem Publikum schmackhaft zu machen. Die SAM Group verwaltet inzwischen rund 1 Milliarde Dollar in Cleantech-Private-Equity-Fonds, die für Institutionelle Anleger offen sind.
Das Volumen wächst stetig. Die Zuflüsse aus der Schweiz sind dagegen gleich Null. "Dabei hat das Investoren-Beratungsunternehmen Mercer kürzlich darauf hingewiesen, dass Institutionelle Anleger gut beraten wären, verstärkt in diesen Wachstumsbereich zu investieren", sagt Pfeuti. "Denn so lassen sich die Risiken in den Portfolios gegenüber energie- und klimapolitischen Veränderungen senken."
Sind in der Schweiz die Cleantech-Unternehmen und Risikokapitalgeber ohnehin schon dünn gesät, stehen Pensionskassen auf dem Schlauch, wenn es um Investmentlösungen geht wie die Fund-of-Funds von SAM, die allgemein als zu teuer angesehen werden. SAM erhebt Managementgebühren zwischen 1 und 1,5 Prozent, was Pfeuti „für vertretbar“ hält. Investoren erhielten dafür ein gut balanciertes und diversifiziertes Portfolio mit Zugang zu Fonds-Managern und Unternehmen „zu Kosten, die mit Einzelinvestments deutlich höher lägen.“
Anders als in anderen Ländern, sind in der Schweiz Pensionskassen als Risikokapitalgeber nicht präsent. In den USA machen Pensionskassengelder dagegen über die Hälfte der Mittel in entsprechenden Fonds aus. Wie sich die Schweiz angesichts der heimischen Zurückhaltung und des internationalen Tempos zu einem weltweit führenden Standort für Cleantech entwickeln soll, weiss wohl noch nicht mal der Bundesrat.
