Mit dem geplanten Regelwerk wollen die Behörden auf die mögliche Manipulation des Referenzzinssatzes durch mindestens ein Dutzend Banken reagieren. An der Entwicklung des Interbankensatzes orientieren sich Kontrakte wie Hypothekenkredite oder Studentenkredite im Gesamtvolumen von rund 500 Billionen Dollar (knapp 400 Billionen Euro)

Eine Veränderung der Zahl der abgefragten Banken beim Libor könnte die Zinszahlungen von am Libor orientierten Finanzkontrakten um 15 Basispunkte verteuern, urteilten die Analysten um Michael Chang. Zum Wochenauftakt war der dreimonatige Dollar-Libor unverändert bei 0,461 Prozent. Der vergleichbare Euro-Interbankensatz Euribor gab auf 0,555 Prozent nach.

“Wir erwarten gewisse Änderungen bei der Kalkulation des Libor und diese sollten letztlich die Zinsen nach oben treiben”, so der Analyst in einer am 28. Juni in New York veröffentlichten Studie. “Als Ganzes werden die verschiedenen möglichen Veränderungen wohl den Libor in allen Laufzeiten steigen lassen.”

Millionen-Busse für Barclays

Barclays wurde in der Vorwoche zur Zahlung von 290 Millionen Pfund verurteilt, nachdem die Ermittler belegen konnten, dass Händler und leitende Angestellte der zweitgrößten britischen Bank “systematisch” den Libor und sein europäisches Pendant Euribor manipuliert hatten. Der Libor wird durch die täglichen Schätzungen von 18 Banken ermittelt, wie viel es sie kosten würde, untereinander Geld zu verschiedenen Laufzeiten und verschiedenen Währungen auszuleihen. Da die Angaben nicht auf echten Geschäften beruhen, gibt es die Möglichkeit zur Manipulation des Zinssatzes.

Der britische Bankenverband (BBA), der seit 26 Jahren den Libor ermittelt, arbeitet gegenwärtig mit der britischen Regierung und Marktaufsicht daran, das Vertrauen in die Benchmark wiederherzustellen und zukünftige Manipulation zu verhindern. Geprüft werde eine Ausweitung der teilnehmenden Banken auf mehr als 30, so die Credit-Suisse-Analysten. Dies würde jedoch die Zinsen steigen lassen, weil kleinere, weniger kreditwürdige Banken erstmals zum Libor beitragen würden.

Eine weitere Option wäre, den Libor auf der Basis von tatsächlichen Handelsgeschäften zu ermitteln. Eine solche Lösung sei jedoch “hochgradig unwahrscheinlich”, weil einige Banken in einigen Laufzeiten kaum Bargeld leihen würden. “So eine Idee könnte aus akademischer Sicht nett sein und würde sicher von den Regulatoren begrüßt”, so die Analysten. Jedoch wäre ein solches Vorgehen zu beschwerlich. Zudem müssten die teilnehmenden Banken in einigen Laufzeiten Geld nehmen, das sie eigentlich nicht wollten.

(Bloomberg)