Während Monaten galt die Aktie der Credit Suisse als "No Go". Als schlechtester Wert im Swiss Market Index (SMI) wurde sie von den Anlegern massenhaft aus den Depots verbannt.

Doch nun sehen die Investoren bei der zweitgrössten Schweizer Bank wieder Einstiegskurse. Seit dem 3. August, als der Titel mit 15,97 Franken den tiefsten Stand seit 20 Jahren erreicht hatte, geht es nur noch aufwärts. Fast 15 Prozent hat der CS-Titel in den letzten drei Wochen hinzugewonnen – so viel wie kein anderer SMI-Wert. 

Den Aufwärtstrend setzt die Credit-Suisse-Aktie auch am Donnerstag fort. Bis zu 2 Prozent notiert der Titel höher - unter anderem gestärkt durch eine Heraufstufung durch die Deutsche Bank, die zudem das Kursziel von 20 auf 23 Franken erhöhte. Das Institut begründete diese Änderung mit den jüngsten Kapitalstärkungsmassnahmen. 

Die Credit Suisse hatte letzte Woche bekanntgegeben, dass das Eigenkapital mit den zwei beschlossenen Massnahmen, die im Juli angekündigt wurden, um 930 statt um wie geplant um 800 Millionen Franken gestärkt werden konnte.  

Überdurchschnittliche Erholung

Mit etwas Verspätung haben die Anleger also entdeckt, dass die seit Juni dauernde Hausse an den Börsen bislang an den CS-Titeln vorbeigegangen ist. Und weil der Titel zuvor überdurchschnittlich gefallen ist, ist nun auch die Gegenbewegung umso markanter. 

Auf steigende Kurse setzen auch Optionshändler. So hat die Zahl der offenen Call-Position für Credit Suisse im Verhältnis zu offenen Put-Optionen zwischen dem 4. Mai und dem 17. August um elf Prozent zugenommen, wie Bloomberg-Daten zeigen. 

"Credit Suisse-Aktien haben wohl ihre Tiefststände hinter sich, denn die Investoren sehen, dass die Bank ihre Sorgen ernstnimmt und die Probleme bereinigt", schrieb David Herro vom Vermögensverwalter Oakmark International Fund in Chicago in einer E-Mail vom 16. August. Herro ist von Morningstar zum internationalen Vermögensverwalter des Jahrzehnts gewählt worden. "Auf diesem Kursniveau sind die Aktien spottbillig. Wir sehen Schweizer Banken, die ein gutes Vermögensverwaltungsgeschäft haben, sehr positiv."

Nicht nur positive Stimmen

Doch längst nicht alle Analysten sind derart positiv gestimmt. "Wir ziehen seit Längerem die UBS-Titel vor", sagt ZKB-Bankenspezialist Andreas Venditti. Denn sollten die Zeiten wieder schwieriger werden, sei die grösste Schweizer Bank am Besten gerüstet. Die UBS nehme bezüglich der Kapitalstärke unter den internationalen Grossbanken einen vorderen Platz ein, die Credit Suisse hingegen sei lediglich von einem hinteren Platz ins Mittelfeld vorgerückt.  

Trotz dieser jüngsten Aufholjagd ist zu einem Kauf von CS-Aktien nicht zu raten. Denn die nächsten Turbulenzen an den Börsen sind absehbar – zum Beispiel im September, wenn das Deutsche Bundesverfassungsgericht Klagen gegen den Euro-Rettungsschirm und den Fiskalpakt verhandelt.