«Ein Brauer muss sich entscheiden, ob er eine Bier oder eine Bierkonserve machen will. Wir sind eindeutig für Bier», sagt Stefan Süess, Verwaltungsratspräsident der Brauerei Luzern — der Brauerei, die das neueste Schweizer Bier produziert, im cash-Video.
Am Freitag 11. Juni können die Luzerner ihr neues Bier zum ersten Mal probieren: Mit dem Anpfiff der Weltmeisterschaft in Südafrika wird in einem von zwölf Luzerner Gastrobetrieben, die das Bier künftig ausschenken, das erste Fass angestochen.
Was daraus fliessen wird ist edles Frischbier, gebraut in der 1,5 Millionen teuren Anlage mitten in der Stadt Luzern. 400'000 Liter beträgt die Produktionsobergrenze pro Jahr — Gewinne macht das Unternehmen bei einem Absatz von zirka 200'000 Litern. Zum Vergleich: Platzhirsch Eichhof produziert im Jahr gut 30 Millionen Liter des alkoholischen Gerstensafts.
Übernahme von Eichhof durch Heineken als Auslöser
«Die Bieridee zu diesem Projekt hatten wir vor zwei Jahren», erinnert sich David Schurtenberger, Gründungs-Partner von Süess. Anlass war damals der Verkauf der letzten Luzerner Brauerei Eichhof an Heineken: Den eingefleischten Luzernern tat dieser Zusammenschluss im Herzen weh.
«Also entschlossen wir uns, unser Bier halt selbst zu brauen», so Schurtenberger. Zusammen gründeten die beiden die Brauerei Luzern und fanden «aus dem Stand heraus» 760 Aktionäre, die bereit waren, in der Region Luzern eine Bieralternative zu unterstützen. Innert kurzer Zeit wurden die 1,2 Millionen Franken Aktienkapital zu 500 Franken pro Aktie zusammengetragen.
Entgegen kamen ihnen gemäss Schurtenberger die äusseren Umstände zu dieser Zeit: «Durch die Übernahme waren viele auf das Thema Bier sensibilisiert und gerade in der Finanzkrise wollten die Leute lieber in etwas investieren, das lokal und damit greifbar ist.»
«Brauerei-Boom» in der Schweiz
Diese Art von Betrieben, die von der lokalen Bevölkerung getragen wird, sind im Trend: «Wir erleben in der Schweiz zurzeit einen wahren Brauerei-Boom», sagt Marcel Kreber, Direktor des Schweizer Brauerei-Verbands. Denn die Luzernische Kleinbrauerei ist eine von fast 200 neuen Klein- und Grossbetrieben, die in der Schweiz seit dem Jahr 2000 entstanden sind. Damals gab es nur 84 Brauereien.
Die Kräfteverhältnisse sind jedoch sehr einseitig verteilt. 16 der heute existierenden 280 Betriebe produzieren 98 Prozent des Schweizer Biers. Viele neue Brauereien sind kleine Betriebe, die gemäss Kreber dem «wachsenden Bedürfnis nach dem Bier von hier», dem lokalen Bier also, gerecht werden. Das Geschäftsmodell scheint zu funktionieren, obwohl der Bierkonsum in der Schweiz rückläufig ist und ausländisches Bier, namentlich aus Deutschland, für Konkurrenz- und Preisdruck sorgt.
«Wir können und wollen auf Preisebene nicht mit Eichhof konkurrenzieren», sagt Süess. Denn das wäre etwa vergleichbar mit dem Gemüse aus Südspanien und dem lokalen Bauer. Sie produzieren deshalb im Premium-Bereich. Das bedeutet: 1 Flasche à 33 cl kostet etwa 2 Franken. Das flüssige Gold ist nur drei Monate haltbar, weil es ungefiltert und unpasteurisiert ist.
«Nun, da wir am Abfüllen sind, wissen wir auch, dass das Bier gut ist», zeigt sich Stefan Süess erleichtert. Im Video sehen Sie, wo und wie das Bier hergestellt wird.

