Das so genannte "Stockpicking" - also das gezielte Investieren in einzelne Aktien - hat sich für die Anleger auch im ersten Halbjahr 2012 ausbezahlt. Denn während die Schweizer Börse gemessen am Swiss Market Index (+1 Prozent) praktisch an Ort und Stelle getreten ist, haben Einzelaktien zum Teil deutliche Kursgewinne verbucht. 

Allen voran der Schweizer Rückversicherungskonzern Swiss Re: Die Aktie der weltweiten Nummer zwei der Branche notiert Ende Juni gut 30 Prozent höher als noch zu Jahresbeginn. Obwohl das Schadensjahr 2011 als zweitteuerstes in die Geschichte der Assekuranz eingeht, vermochte Swiss Re den Gewinn verdreifachen – nicht zuletzt dank verschiedenen nicht-operativen Faktoren. 

Zudem sind 2012 bei höheren Prämieneinnahmen grössere Schadensereignisse weitgehend ausgeblieben. Anleger wetten also darauf, dass der Gewinn weiter gesteigert werden kann. Allerdings ist der Aufwärtsdrang in den letzten Monaten bereits wieder ins Stocken geraten: Seit März legten die Aktien nur noch gut 2 Prozent zu. Weitere Käufe drängten sich derzeit nicht auf. 

Actelion und Syngenta ebenfalls gesucht

Ebenfalls zu den gesuchten Titeln  im ersten Halbjahr gehören jene von Actelion und Syngenta, die nach den ersten sechs Monaten 22, respektive 18 Prozent höher notieren. Der Biotech-Vertreter Actelion profitierte von positiven Studienergebnissen des Medikaments Macitentan, das ab 2015 den Blockbuster Tracleer ablösen sollte. Syngenta wiederum profitierte von der defensiven Ausrichtung. Der Saatgutspezialist wird allerdings mit einer stattlichen Bewertung gehandelt (KGV 2012 bei 19). Im Gegensatz zu Actelion sind die Syngenta-Titel vorläufig ausgereizt.  

Einer der derzeit interessantesten Werte im SMI ist jedoch die Swisscom-Aktie. Der in den letzten Jahren wegen seiner engen Handelsspanne von Anlegern unter vorgehaltener Hand als "Obligation" bezeichnete Titel vermochte in jüngster Zeit deutlich an Höhe zu gewinnen – und immer wieder werden weitere substanzielle Käufe von institutionellen Investoren gemeldet. Gleichzeitig zahlt Swisscom eine Dividendenrendite von gut 6 Prozent, die für die nächsten Jahre als gesichert gilt. 

Im breiter gefassten Universum des Swiss-Performance-Index befinden sich unter den besten Aktien der ersten sechs Monate 2012 ebenfalls einige Vertreter der Biotech-Szene: Newron, ein in der Schweiz kotiertes Biopharma-Unternehmen mit Sitz in Mailand, verdoppelte den Aktienkurs. Positive Studienresultate für das Mittel Safinamide gaben dem Titel Auftrieb. Auch die Branchenkonkurrenten Addex (+49 Prozent), Cytos (+45 Prozent) und Basilea (+25 Prozent) lösten sich deutlich von ihren Tiefständen. 

Zykliker büssten Gewinne wieder ein

Nur wenig ist allerdings von der "Zykliker-Rally" von Anfang Jahr hängen geblieben. Im Januar stürzten sich die Anleger auf die kursmässig zurückgebliebenen zyklischen Aktien und lösten im ganzen Sektor eine grosse Kaufwelle los. Davon profitieren heute nur noch die Aktionäre des Mischkonzerns OC Oerlikon (+55 Prozent) und des Logistikanbieters Kardex (+33 Prozent). Andere Zykliker wie Sulzer, Komax und Georg Fischer haben seit den Frühjahrshochs deutlich korrigiert und notieren teilweise wieder im Minus. 

Wenig überraschend gehören die Finanztitel zu den grössten Verlierern im ersten Halbjahr. Unter den einzigen vier SMI-Aktien, die an Terrain eingebüsst haben, befinden sich die drei Banken Credit Suisse (-16 Prozent), Julius Bär (-6 Prozent) und UBS (-1 Prozent).

Vor allem die beiden Grossbanken werden die Talsohle noch nicht erreicht haben. Immer wieder sorgen aussenstehende Instanzen wie Ratingagenturen oder jüngst die Schweizerische Nationalbank mit Herabstufungen und kritischen Äusserungen für Unruhe bei den Anlegern. Vor allem bei der Credit Suisse stehen bei den Anlegern Fragen nach einer möglichen Kapitalerhöhung sowie der Erfüllung der Eigenkapitalvorschriften nach Basel III im Zentrum.

Bei den Small- und Midcaps verabschiedeten sich die Anleger von Aktien, die bereits 2011 zu den grössten Verlierern gehörten: Swissmetal geht dem Konkurs entgegen, Mondobiotech verbrennt weiterhin jedes Quartal Millionen an Franken, ohne gleichwertige Einnahmen zu erzielen und Von Roll hält die Aktionäre betreffend einer neuen Zukunftsstrategie seit Monaten hin. 

 

Die Top- und Flop-Aktien im SMI (Januar - Juni 2012)

Swiss Re +29,8 % Credit Suisse -16,0 %
Actelion +21,5 % ABB -11,6 %
Syngenta +18,0 % Julius Bär -5,4 %
Transocean +14,9 % UBS -0,3 %
Swisscom +13,3 % Holcim +2,3 %

 

Die Top- und Flop-Aktien im SPI (Januar - Juni 2012)

Newron +103,6 % Swissmetal -80,5 %
LifeWatch +69,3 % Mondobiotech -67,4 %
ams +63,8 % Edisun Power -40,1 %
Mindset +63,8 % Precious Woods -33,5 %
OC Oerlikon +55,5 % Lonza -27,3 %
Addex +44,1 % Von Roll -26,6 %
Cytos +40,4 % Evolva -25,9 %
Logitech +39,3 % Leclanché -25,8 %
Comet +36,05 % EFG International -24,4 %
Zueblin +34,2 % Myriad Group -23,7 %

Quelle: cash.ch, 27. Juni 2012