Der Grund liegt auf der Hand: Die Kosten für den Konzernumbau und die diversen Rechtsstreitigkeiten schlagen voll durch. Sie verhageln nicht nur das Schlussquartal, sondern dürften auch im Gesamtjahr zu einem Gewinneinbruch bei Deutschlands größtem Geldhaus geführt haben. Es liegt noch viel Arbeit vor dem neuen Führungsduo, das seit Juni die Verantwortung hat.

Nach Daten von Thomson Reuters Starmine trauen Analysten dem Institut für 2012 im Schnitt einen Vorsteuergewinn von 4,5 Milliarden Euro zu. Schon das Vorjahresergebnis von 5,4 Milliarden war wenig ruhmreich und nur die Hälfte dessen, was sich Ex-CEO Josef Ackermann einmal für die Deutsche Bank erträumt hatte.

Jetzt geht es also noch weiter nach unten. Im vierten Quartal dürfte es den Schätzungen zufolge nicht einmal für eine halbe Milliarde Euro gereicht haben. Manche Experten gehen sogar von einem leichten Verlust für die letzten drei Monate aus, so wie Metzler-Analyst Guido Hoymann: "Jain und Fitschen werden möglichst viel ins Schlussquartal gepackt haben. Ich rechne mit Einmalbelastungen von gut einer Milliarde Euro." Ähnlich sieht das Philipp Häßler, Bankenexperte beim Analysehaus Equinet, der sich auf viel Arbeit einstellt: "Das wird ein schwer lesbares Quartal."

"Signifikant negative" Auswirkungen

Die Deutsche Bank hatte bereits Mitte Dezember gewarnt, die Umbauarbeiten im Konzern und andere Sonderposten hätten "signifikant negative" Auswirkungen auf den Gewinn zum Jahresende. Die neuen Chefs peilen bis 2015 Einsparungen von 4,5 Milliarden Euro an. Sie müssen für die Fitnesskur aber zunächst einmal Geld in die Hand nehmen - etwa für den Abbau von über 2000 Stellen im Konzern, der gerade bei den hoch bezahlten Investmentbankern mit Abfindungen einhergeht.

Im Privatkundengeschäft läuft die Postbank -Integration, in der ertragsschwachen Vermögensverwaltung die engere Verzahnung des Geschäfts mit privaten und institutionellen Kunden zum Asset and Wealth Management. Zudem wurden milliardenschwere Bestände an riskanten und vor allem kapitalzehrenden Wertpapieren nach dem Vorbild der Commerzbank in eine interne "Bad Bank" ausgelagert, wo sie über die Zeit möglichst wertschonend abgebaut werden sollen.

Dass eines der Kerngeschäftsfelder einen Verlust schreibt, erwartet kaum jemand. Das Investmentbanking, traditionell Gewinnbringer Nummer eins, dürfte auch im Schlussquartal rund gelaufen sein, vor allem im Handel mit festverzinslichen Wertpapieren. Darauf lassen zumindest die Zahlen der US-Banken hoffen, von denen die meisten schon wieder bestens verdienen. So fuhr Branchenprimus JP Morgan 2012 trotz eines teuren Handelsskandals einen Rekordgewinn von 21 Milliarden Dollar ein - und bleibt damit für die Deutsche Bank auf absehbare Zeit unerreichbar.

Symbolische Dividende

Eine Gewinnprognose dürfte sich die Deutsche Bank auch für 2013 nicht zutrauen. Dafür bleibt das Umfeld zu unsicher, obwohl die Schuldenkrise zuletzt etwas abgeklungen ist und gerade die europäischen Geldhäuser allmählich wieder in ruhigeres Fahrwasser kommen, wie die Experten von Morgan Stanley in einer Studie schreiben. Analysten hoffen aber, dass die Deutsche Bank noch einmal einen klaren Fahrplan für ihre Kapitalziele formuliert.

Bis 2015 will sie eine harte Kernkapitalquote nach den strengeren Basel-III-Regeln von über zehn Prozent schaffen. Zuletzt waren es erst rund sieben Prozent und für die Jahre dazwischen ist noch vieles offen. An der Börse tauchen deshalb immer mal wieder Spekulationen über eine Kapitalerhöhung auf, obwohl Jain und Fitschen dies regelmäßig von sich weisen.

Für die Anleger dürfte das neue Führungsduo am Donnerstag laut Experten trotz des Gewinnrückgangs eine gute Nachricht parat haben. Sie gehen mehrheitlich davon aus, dass die Dividende stabil bei 75 Cent je Aktie bleibt. "Hier geht es auch um das Symbol: Wir können und wir wollen zahlen", zeigt sich Metzler-Analyst Hoymann überzeugt. Die Investoren dürfte es freuen, denn die Kursentwicklung der Aktie war 2012 eher enttäuschend: Während der Dax um rund 30 Prozent zulegte, schaffte die Deutsche Bank nur ein Plus von zwölf Prozent.

(Reuters)