Die Unruhen in Libyen und anderen Ländern der Region haben die Ölpreise in den vergangenen Wochen zeitweise so stark steigen lassen wie seit 2008 nicht mehr. Nach dem Jahrhundertbeben in Japan sind die Preise zwar wieder gesunken.
Das ändert nicht an der Tatsache, dass die Preise ein historisch hohes Niveau haben und auch eine neue Dimension. "Wir haben eine neue Art von Ölpreisschock", sagt William De Vijlder, Anlagechef von BNP Paribas Investment Partners, im Video-Interview mit cash.
"Bei anderen drastischen Ölpreiserhöhungen wie etwa Anfang der 90er Jahre hatten wir es mit einer Angebotskürzung zu tun, die wegen der Invasion in Kuwait entstand", sagt De Vijlder. "Heute geht der Ölpreisansteig auf die zusätzliche Nachfrage der Wirtschaft verbunden mit plötzlichen geopolitichen Risiken zurück".
Auch falls diese Risiken zurückgehen sollten, werde der Ölpreis wohl auf einem hohen Niveau verharren, glaubt der Anlagechef. Wobei die Auswirkungen auf die Konjunktur noch nicht einschätzbar seien. "Ein Ölpreis von 150 Dollar wäre aber sehr schmerzhaft für die Weltwirtschaft", sagt De Vijlder. Ein solches Preisniveau käme aber nur bei weiteren Unruhen im arabischen Raum zustande und wäre auch nur eine sehr kurzfristige Angelegenheit.
Euro in nächster Zeit eher positiv
Der hohe Ölpreis treibt derweil die Inflation voran. So hat das schwarze Gold die Importe für die US-Unternehmen im Februar den fünften Monat in Folge verteuert. Die Einfuhrpreise legten um unerwartet deutliche 1,4 Prozent im Vergleich zum Vormonat zu, teilte das Arbeitsministerium am Dienstag mit. Auch in anderen Ländern treibt das Öl die Inflation voran.
De Vijlder glaubt daher an eine Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank im April. "Wenn man Trichets jüngste Wortwahl in Betracht zieht und auch seinen 'Track Record', dann ist eine Zinserhöhung der EZB sehr wahrscheinlich." Doch auch wenn die EZB in den nächsten Monaten die Zinsen um jeweils 25 Basispunkte erhöhen sollte, "haben wir noch immer ein relativ moderates Zinsumfeld".
Dern Trend für den Euro beurteilt De Vijlder für die nächsten Monaten eher positiv. Er begründet dies mit einem absehbaren Erfolg des Europäisches Rats der Staats- und Regierungschefs, der am 24. und 25. März zusammenkommt. Später im Jahr werde sich der Fokus aber auf die Wachstumsunterschiede richten. "Investoren werden sehen, dass die USA schneller wachsen wird als die Eurozone. Diese Sicht sollte Kapital in den USA bringen und den Euro gegenüber den Dollar etwas schwächen."
Das Video-Interview mit William De Vijlder wurde anlässlich der Morning Star European Fund Awards vom 10. und 11. März in Wien geführt.

