cash: Die Schweizer Wirtschaft wächst, wenn auch mit weniger Schwung, besagen neuste Zahlen. Was bremst aus Ihrer Sicht?

Claudia Moerker: Ganz sicher bremst der starke Franken. Besonders die Schweizer Exportfirmen sind davon betroffen. Zudem geistert der Einbruch im Schweizer Aussenhandel vom Vorjahr noch immer durch die Köpfe der Manager. Das Vertrauen fehlt noch. Es braucht wohl auch noch ein wenig Zeit bis es wieder zurückkommt.

Wie macht sich diese Unsicherheit bemerkbar?

Sehr viele Leute rufen uns an. Wir haben unzählige Anfragen von KMU, die nicht wissen, wie es weiter geht und was noch auf sie zukommt. Grosse Unsicherheit besteht, in welche Märkte man jetzt gehen sollte. Italien, Frankreich oder nach Russland gehen, wo sie mit mannigfaltigen Problemen konfrontiert sind - gerade kleine Unternehmen kommen mit diesen Themen zu uns.

Ist es wirklich nur der schwache Euro, der auf die Stimmung drückt? Oder haben die Firmen einfach nur verschlafen, ihre Euro-Abhängigkeit frühzeitig zu reduzieren?

Wenn es eine Krise gibt, kann man immer jemanden dafür die Schuld in die Schuhe schieben. Sehr oft hängt es mit der Struktur eines Unternehmens zusammen und vor allem den Hausaufgaben, die man selber nicht gemacht hat. Daher gebe ich Ihnen völlig recht, dass ein Grossteil der Firmen die Schuld bei sich selber suchen muss.

Können es sich viele KMU vielleicht gar nicht leisten, in Asien neue Märkte zu erschliessen?

Das glaube ich nicht. Es gibt sehr viele Familienunternehmen in der Schweiz. Im vergangenen Jahr hat man gesehen, dass gerade diese Unternehmen finanzielle Mittel, vielleicht noch aus dem Familienkässli, aufbringen konnten.

Entscheidend dürfte aber sein, wie lange die Euro-Schwäche anhält.

Das ist so. Wie lange die Euro-Schwäche anhält, kann ich Ihnen natürlich auch nicht beantworten. Falls es noch eine gewisse Zeit geht, dann wird es wieder mehr in die Struktur beziehungsweise in Richtung Krisenzustand gehen. Dass heisst, man baut wieder etwas Personal ab oder beantragt Kurzarbeit.

Bei welchem Euro-/Frankenkurs leiden die Unternehmen? Sind es wirklich die 1.50 Franken, die so weh tun?

Diese Schmerzgrenze hat man schon gesenkt. Mittlerweile sagt man schon, dass diese bei 1.45 Franken liege. Und da sind wir bereits drunter. Also ist es sehr schwierig zu sagen, wie lang die Schwäche anhält und was wirklich die Auswirkungen sein werden.

Verliert Europa für die Schweiz an Bedeutung?

Nein, nein, keinesfalls. 70 Prozent der Exporte gehen in den EU-Raum. Es gibt vielleicht punktuelle Verschiebungen oder Verlagerungen. Es sind aber die grossen Unternehmen, die die grossen Zahlen machen. Europa ist der Hauptmarkt für die Schweiz. Dabei wird es auch bleiben. 

 

 

Der Verband Swiss Export bietet der Schweizer Exportwirtschaft jährlich am Swiss-Export-Tag Gelegenheit, sich mit aktuellen Informationen über künftige Anforderungen der internationalen Geschäftstätigkeit auseinander zu setzen. Geschäftsleiterin Claudia Moerker hatte für den Anlass am 1. Juni 2010 in Schaffhausen zusammen mit dem Kreditversicherer Euler Hermes über 450 Teilnehmer aufgeboten.