Den Anlegern und Investoren rund um den Globus wurde nach dem verpatzten Börsengang von Mark Zuckerbergs Facebook schnell klar, dass um das Soziale Netzwerk ein Hype kreiert wurde, der nichts mit dem realen Marktwert der noch jungen Firma zu tun haben konnte.
Facebook legte einen der schlechtesten Börsenstarts der letzten Jahre auf das Parkett der Technologie-Börse Nasdaq. Innert drei Tagen verlor die Aktie über 10 Prozent. Derzeit notiert der Social-Media-Titel bei 28 Dollar – zehn Dollar unter dem Ausgabepreis. Eine ernüchternde Performance.
Noch im Mai wurde das Unternehmen mit 100 Milliarden Dollar bewertet. Heute muss man von rund 67 Milliarden ausgehen. Und trotz der miserablen Kurs-Performance ist der Social-Media-Titel mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (P/E) von 77 sehr hoch bewertet. Zum Vergleich: Yahoo wird derzeit mit einem P/E-Ratio von 17 gehandelt.
Noch zuletzt haben Gerüchte um schwache Quartalszahlen den Kurs abermals belastet. Am 26. Juli wird der Konzern seine Ergebnisse für das zweite Quartal vorlegen. Analysten rechnen im Schnitt mit Erlösen von 1,14 Milliarden Dollar und einem bereinigten Gewinn von 0,11 Dollar pro Aktie.
Gespielte Euphorie bei den IPO-Banken
Nicht wenige Experten hatten mit einem solchen Misserfolg gerechnet. Und nicht wenige Markbeobachter sind immer noch skeptisch: Hinter vorgehaltener Hand sprechen Investoren von einem "unorganisierten Haufen". Facebook sei dilettantisch und verschiebe andauernd Termine, so hört man.
Die Credit Suisse, die als Bank den Börsengang begleitete, wollte sich so kurz vor den Quartalszahlen nicht zum Geschäftsgang und dem Potenzial der Social-Media-Aktie äussern. Und bei der renommierten Investmentgesellschaft Henderson Global mit ihrem Star-Fondsmanager Stuart O’Gorman hört man lediglich: Man halte keine Facebook-Aktien. Jubelposen sehen anders aus.
Es erstaunt nicht, dass diejenigen Banken, die beim IPO an Bord waren, sich bisweilen ungebrochen euphorisch geben. Unter anderem rät JP Morgan zum Kauf der Aktie. Das Kursziel lautet 45 Dollar. Ebenso rät Goldman Sachs zum Einstieg und liegt mit einem Kursziel von 42 Dollar nur leicht unter jenem von JP Morgan. Ob sich die Aktie nun wirklich nach Norden bewegt, ist zu bezweifeln. Fallen die Quartalszahlen ernüchternd aus, droht der Aktie ein Totalabsturz.
Interessant wird sein, wie sich die Werbeeinnahmen entwickelt haben. Aber genau dort wird das Soziale Netzwerk von Giganten wie Google und Yahoo arg bedrängt. Vor allem bei den mobilen Ads.
Schwierigkeiten bei den mobilen Ads
Das US-amerikanische Unternehmen mit Sitz im Silicon Valley nahe San Francisco zählt weltweit mehr als 900 Millionen aktive User. Rund 85 Prozent seiner Einnahmen erzielt Facebook derzeit mit Werbung. Diese Einnahmen sind überlebenswichtig für das von Mark Zuckerberg gegründete Unternehmen.
Doch Facebook hat ein Problem: Viele Nutzer halten mittlerweile über die Smartphone-App von Facebook den Kontakt zu ihren Friends und mehrere Marktforscher prognostizieren, dass der Zugriff auf das Internet 2013 erstmals häufiger über mobile Endgeräte erfolgen wird als über PC und Laptops.
Die kleinen Bildschirme der mobilen Endgeräte erlauben es aber kaum, Werbung in angemessener Grösse zu zeigen. Die Facebook-Entwickler arbeiten derweil fieberhaft daran, eine Lösung für dieses Dilemma zu finden.
Und in ebenjenem Werbedilemma ortet auch Social-Media-Spezialist Stefan Schär das grössten Problem: "Genau da ist Facebook sehr schlecht aufgestellt", meint er und sagt, dass die Führung des Sozialen Netwerks ordentlich aufs Gaspedal drücken müsse, um nicht von der Konkurrenz abgehängt zu werden.
Ausbau zum sozialen Medienportal
Doch die Werbung auf Tablets und Smartphones gestaltet sich schwierig. Generell sind die Tarife auf mobilen Endgeräten niedriger als sonst. Zudem haben Studien gezeigt, dass Nutzer weniger auf mobile Ads (Werbung) klicken.
Für Branchenkenner ist klar, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis Facebook ein eigenes Werbeformat für Handy auf dem Markt bringt. Michael Altendorf, Geschäftsführer der Facebook-Media-Agentur sagte kürzlich gegenüber dem Handelsblatt, dass die milliardenschwere Übernahme der Foto-Plattform Instagram ein klares Signal sei, dass Zuckerbergs Mitarbeiter an einer mobilen Werbestrategie arbeiten. "In eine solche Foto-App kann man schliesslich gut Werbung einbinden", lässt sich Altendorf zitieren.
Weitere Einnahmequellen verspricht sich Zuckerberg beim Ausbau von Facebook zu einem sozialen Medienportal. Künftig soll es möglich sein auf dem Sozialen Netzwerk Filme zu gucken, Musik zu hören, Zeitschriften und Zeitungen zu lesen – alles soll geteilt, weiterempfohlen und "geliked" werden. Auch ein eigener App-Shop, wie ihn bereits Apple und Google betreiben, soll in Entwicklung sein.
Unzufriedene Konsumenten
Derweil nimmt die Zufriedenheit der amerikanischen Konsumenten stetig ab: Im neusten American Customer Satisfaction Index (Asci), der auf einer Befragung von rund 70'000 Konsumenten beruht, erreichte Facebook nur mehr 61 von möglichen 100 Punkten. Das entspricht gegenüber der letzten Erhebung einer Abnahme um acht Prozent.
Wesentlich besser steht das erstmals gelistete Konkurrenzprodukt Google+ mit 150 Millionen aktiven Usern da: Das erst im vergangenen Jahr lancierte Netzwerk erzielte 78 Punkte und steht damit gemeinsam mit Wikipedia an der Spitze der im Asci erfassten Social-Media-Unternehmen.
Zudem ist der Umsatz für USA und Kanada bereits rückläufig. Lag er im vierten Quartal 2011 gemäss Börsenprospekt noch bei 567 Millionen Dollar, ist er im ersten Quartal 2012 um 42 Millionen auf 525 Millionen Dollar gesunken. Der durchschnittliche Umsatz pro Nutzer fiel von 3,20 Dollar auf 2,86 Dollar.
Gemischte Aussichten für das Soziale Netzwerk schlechthin. Der erste Eindruck zählt, und den hat Markt Zuckerberg anständig verpatzt. Mit ansprechenden Quartalszahlen könnte er das Ruder aber noch herumreissen.

