Anleger sollten vor einem Kaufentscheid inskünftig auch auf die geschlechtliche Zusammensetzung der Geschäftsleitung achten. Denn sitzt im Direktorium einer Unternehmung mindestens eine Frau, dann liegt der Aktienkurs im Schnitt 26 Prozent höher als bei einem rein von Männern dominierten Geschäftsleitung. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Studie der Credit Suisse.
Während sechs Jahren untersuchte das Forschungsinstitut der Bank die Aktienkursentwicklung von 2'400 Unternehmen. Die Outperformance von Firmen mit Frauenbesetzung auf Geschäftsleitungsebene ist laut der CS-Studie vor allem seit dem Ausbruch der Finanzkrise vor vier Jahren markant. In wirtschaftlich robusteren Zeiten hingegen spielt die geschlechtliche Zusammensetzung des Management-Gremiums kaum eine Rolle. Die weibliche Komponente treibt aber nicht nur die Aktienkurse hoch, sondern wirkt sich interessanterweise auch auf andere Zahlen positiv aus.
So liegen sowohl das Nettowachstum als auch der Return on Equity (ROE), also die Eigenkapitalrendite, im Schnitt und vier Prozent höher als bei Unternehmen, die von reinen Männergremien geleitet werden, schreiben die Autoren. Die Eigenkapitalrendite ist für Anleger von zentraler Bedeutung. Die Kennzahl zeigt an, wie viel Profit die entsprechende Firma mit dem Geld, das die Anleger in sie investierten, erwirtschaftet.
Weiter liegt die das sogenannte Kurs-Buch-Verhältnis (KBV) tiefer. Das KBV gibt an, ob ein Unternehmen unter oder über seinem bilanziellen Buchwert notiert. Dabei gilt als Grundregel: Je niedriger die Zahl, desto günstiger ist das Unternehmen bewertet. Eine tiefe Kennzahl deutet auf ein ertragsschwaches Unternehmen hin. Von Fall zu Fall werden solche Firmen als Übernahmekandidaten gehandelt.
Schweiz mit Aufholpotenzial
Was den Verwaltungsrate anbetrifft, sind in der Schweiz Frauen auf den Teppichetagen selten anzutreffen. Nach Recherchen von cash sind gut 14 Prozent der Verwaltungsräte von den zwanzig SMI-Unternehmen Frauen. Über gar keine weiblichen Mitglieder verfügen Actelion, SGS und die Swiss Re. Mehr Frauen zählen die Verwaltungsräte von Adecco, Givaudan und Swatch. Hier beträgt der Frauenanteil zwischen 25 bis 35 Prozent.
Rückschlüsse auf die Aktienkursentwicklung sind allerdings schwierig zu ziehen. Die Swatch-Titel weisen mit einer Frauenquote von einem Drittel eine 6-Jahres-Performance von 134 Prozent aus, während die Richemont-Aktien mit bloss zwei Frauen von insgesamt 19 Verwaltungsräten im selben Zeitraum 240 Prozent avancierten.
Der positive Einfluss der Frauen auf die Profitabilität der Unternehmen ist denn auch nicht vorbehaltlos gültig. So führte Norwegen vor vier Jahren als erstes Land eine Frauenquote für seine Konzerne ein. Die Auswertung der Resultate im März dieses Jahres zeigen: Die Firmen mit mindestens 40 Prozent Frauen an der Spitze entliessen weniger Leute, sie hatten höhere Personalkosten und sie erzielten signifikant weniger Gewinn. Die Folge: Die Profitabilität fiel durchschnittlich um gut vier Prozent tiefer aus.
Talentierte Frauen
Allerdings kam die Auswertung der Ergebnisse auch zum Schluss, dass Frauen eher eine Langfrist-Strategie einschlagen. Insofern könnte die Wahrung des Personalbestandes auch Vorteile bringen.
Unbestritten ist, dass immer mehr Frauen einen akademischen Abschluss in der Tasche haben. Laut den Zahlen der Unesco waren es 2010 rund 54 Prozent. Unternehmen, die nur die besten in die Führungsetagen hieven möchten, tun somit gut daran, mehr Frau einzustellen.

