“Als ich noch für die EZB arbeitete, habe ich jedes Mal gelitten, wenn Länder die Kriterien nicht erfüllten”, sagt der 75-jährige Otmar Issing. “Griechenland hat geschummelt, um reinzukommen. Und es ist schwierig, herauszufinden, wie wir nun mit Schummlern umgehen sollten.” Issing gehörte eigenen Worten zufolge zu jenen Ökonomen in Deutschland, die vor einem verfrühten Eintritt von Ländern in die Währungsunion gewarnt hätten und die “gegen zu viele Länder” gewesen sein.
Aus Sicht von Issing wird Griechenland die Zahlungsverpflichtungen nicht erfüllen können - der Staat sei “insolvent”. Es sei zwar nicht unmöglich, dass Griechenland seinen Zahlungsverpflichtungen nachkomme, doch sei die Rückzahlung eher unwahrscheinlich.
Die Schuldenkrise in der Eurozone - die anschließend auch Irland und Portugal unter den Euro Rettungsschirm zwang - habe den Euro letztlich in eine kritische Lage gebracht, sagte der jetzige Leiter des Center for Financial Studies an der Universität Frankfurt. Allerdings werde die Währungsunion letztlich wohl “überleben”.
Der luxemburgische Premierminister Jean-Claude Juncker, der auch die Euro-Gruppe leitet, sagte am Donnerstag, dass der Internationale Währungsfonds (IWF) nächsten Monat möglicherweise nicht die nächste Tranche seiner Griechenland-Kredite freigeben wird.“ Es gibt bestimmte IWF-Regeln. Und eine dieser Regeln besagt, dass der IWF nur aktiv werden kann, wenn für die nächsten zwölf Monate eine Refinanzierungsgarantie gegeben ist”, erklärte er bei einer Konferenz in Luxemburg. "Ich glaube nicht, dass die Troika zu dem Schluss kommen wird, dass diese gegeben ist.”
Ein Team von Experten, bestehend aus Vertretern der Europäischen Union, des IWF und der Europäischen Zentralbank - auch bekannt als Troika - untersucht derzeit, ob Griechenland die Bedingungen für das bereits zugestandene Hilfspaket erfüllt. Ihre Zustimmung ist erforderlich, damit die fünfte Tranche überwiesen werden kann. Der Anteil des Währungsfonds an den Juni-Auszahlungen war mit 3,3 Mrd. Euro festgesetzt worden.
(Bloomberg)
