Der Fonds dürfte bis zu 600 Milliarden Dollar an neuen Finanzreserven benötigen, verlautete am Mittwoch aus Kreisen der Organisation. Binnen zwei Jahren drohe gar eine Finanzierungslücke von einer Billion Dollar, falls die Weltwirtschaft ins Trudeln gerate.

Die Weltbank hält ein solches Szenario mittlerweile für durchaus real: Das in Washington beheimatete Institut rechnet 2012 global nur mit einem mageren Wachstum von 2,5 Prozent. Für Ökonomen ein klares Anzeichen, dass die Industriestaaten in eine Rezession abrutschen. Die Euro-Zone steckt laut Weltbank schon mitten in einer solchen Schwächephase, während Deutschland laut Bundesregierung mit einer Wachstumsdelle im Winter davonkommt.

Wie aus den IWF-Kreisen verlautete, werden voraussichtlich zusätzliche Mittel in Höhe von rund 500 Milliarden Dollar für Kredite an Mitgliedsländer benötigt, die unter den Folgen der Euro-Schuldenkrise leiden. Weitere 100 Milliarden Dollar sollten als Schutzpuffer dienen. Der IWF hat derzeit 380 Milliarden Dollar für Kredite in der Kriegskasse. Wie Ende vorigen Jahres vereinbart, soll das Gros der EU-Länder zudem die Mittel für den IWF um 200 Milliarden Dollar aufstocken. Diese Gelder sind in dem zusätzlichen Finanzbedarf von 600 Milliarden Dollar bereits mit eingerechnet, wie Reuters aus IWF-Kreisen erfuhr.

Für Ungarn gilt der IWF als letzte Hoffnung

Der Fonds ist in Europa bereits stark engagiert: In den hochverschuldeten Ländern der Euro-Zone von Portugal bis Griechenland beteiligt er sich an den milliardenschweren Rettungspaketen. Für das von der Pleite bedrohte EU-Land Ungarn gilt der IWF gar als letzte Hoffnung. Er beaufsichtigt auch die Reformpolitik Italiens, obwohl das ins Visier der Märkte geratene Land kein Rettungspaket beantragt hat. Nach dem jüngsten Nackenschlag durch die Ratingagentur S&P droht dem Land weiteres Ungemach: Auch die Ratingagentur Fitch schließt eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit um gleich zwei Stufen nicht aus. Fitch hatte eine Herabstufung Italiens für Ende Januar signalisiert.

Die Hoffnung auf höhere IWF-Hilfen gab dem Euro einstweilen neuen Schwung. Im Verlauf bröckelten die Zuschläge allerdings etwas ab, unter anderem weil es Verwirrung um das angestrebte Kreditvolumen gab. Daneben lähmte die Angst vor einem Scheitern der griechischen Schuldengespräche und einer womöglich daraus resultierenden Pleite des Mittelmeerlandes die Aktivität der Investoren.

Kurz vor neuen Gläubigergesprächen mit dem internationalem Bankenverband IIF hatte der griechische Ministerpräsident Lucas Papademos den privaten Kreditgebern die Pistole auf die Brust gesetzt. Ohne eine vollständige Beteiligung der Privaten an dem 130 Milliarden Dollar schweren Paket werde es eine gesetzliche Regelung geben, sagte Papademos der "New York Times". "Das muss im Lichte der Erwartungen über das erreichte Ausmaß der Beteiligung (der Banken) erwogen werden." Papademos zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass durch eine Lösung auf dem Verhandlungsweg eine gesetzliche Regelung vermieden werden kann. Trotz der schwierigen Materie stehe eine Einigung kurz bevor.

Europa offenbar bereits in Rezession gerutscht

Auch der Bankenverband hatte sein Interesse an einer Verhandlungslösung betont, die seine Mitglieder besser als bei einer gesetzlichen Regelung stellen würde. Griechenland ringt seit Wochen mit den privaten Gläubigern um die Details eines in Grundzügen bereits im Oktober vereinbarten Programms, das einen freiwilligen Verzicht auf einen Teil der Forderungen vorsieht. Die Gespräche sind zuletzt ins Stocken geraten. Ohne eine rasche Regelung droht Griechenland die Pleite.

Ein Forderungsverzicht von Griechenlands privaten Gläubigern dürfte für das Land nach Einschätzung der US-Ratingagentur Fitch eine zeitweilige Staatspleite bedeuten. Ungeachtet wie hoch die geplante private Gläubigerbeteiligung ausfalle, werde das Land zunächst auf Bankrott-Status gesetzt, sagte der Griechenland-Analyst von Fitch, Paul Rawkins, der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Weltbank geht jedoch davon aus, dass die Schuldenkrise in der Euro-Zone vorerst eingedämmt worden ist. Allerdings sei Europa offenbar bereits in die Rezession gerutscht. Deutschland wird nach Einschätzung der Bundesregierung jedoch an einer Rezession vorbeischrammen und beim Wirtschaftswachstum schon bald wieder kräftig zulegen. Gerate die Staatsschuldenkrise im Euro-Raum aber außer Kontrolle, werde diese Voraussage hinfällig, machte Wirtschaftsminister Philipp Rösler bei der Vorstellung des neuen Jahreswirtschaftsberichts der Regierung deutlich. Darin nahm diese zwar ihre Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr auf 0,7 Prozent von einem Prozent zurück - nach einem Zuwachs von drei Prozent 2011. Allerdings hält sie das für eine vorübergehende Wachstumsdelle. Schon im kommenden Jahr soll es demnach wieder mit 1,6 Prozent kräftiger aufwärts gehen.

(Reuters)