Ein sicherer Hafen, eine innovative Firma. So umschreiben Analysten den Sanitärtechnikkonzern, dessen Valoren seit Ende Juni über elf Prozent avancierten – rund drei Prozent mehr als der Swiss Markt Index (SMI). Die Geberit-Aktie erreichte letzte Woche mit 204 Franken den höchsten Stand seit über einem Jahr und ist damit nur noch 18 Franken vom Allzeithoch von 222 Franken aus dem Jahr 2007 entfernt.

"Geberit ist ein Top-Titel und in der Schweiz vergleichbar mit Nestlé, Givaudan oder Syngenta", gibt Daniel Lenz, Fondsmanager bei Schroder Investment, zu Protokoll. Das Unternehmen habe gezeigt, dass es auch in einem wirtschaftlich schwierigen Umfeld bestehen kann.

Das haben überdies die überzeugenden Halbjahreszahlen, die der Sanitärkonzern am 14. August vorlegen durfte, verdeutlicht. Der Hersteller von Pissoirs, Dusch-WCs und Rohrleitungssystemen, der seit dem 6. Juni als Schweizer Blue-Chip gehandelt wird, erzielte in diesem Zeitraum mit zweistelligen Zuwachsraten eine starke Performance auf seinem wichtigsten Markt Deutschland und ein herausragendes Wachstum in Märkten wie Skandinavien, Grossbritannien, Frankreich und Osteuropa dank den erstklassigen Margen. An der Börse wurde das Ergebnis als sehr solide gelobt.

Ein "fair" bewerteter Titel

Geberit sei ausgezeichnet aufgestellt, um sich in Zukunft überdurchschnittlich zu entwickeln, kommt auch die Bank Vontobel in einem Anlagekommentar zum Schluss. Die Bank gibt ein Kursziel von 220 Franken an und hält am Hold-Rating fest.

Mit dem Kursziel von 220 Franken, also fast dem Stand des Allzeithochs, prognostiziert die Bank also ein Kurspotenzial von nicht weniger zehn Prozent. Das scheint im Bereich des Möglichen, doch viel mehr Potenzial nach oben dürfte der Titel nicht mehr in sich tragen, wenn überhaupt. Das sagt auch Fondmanager Lenz: "Der Aktienpreis wiederspiegelt die Qualität des Unternehmens und ist eher am oberen Ende, aber mit 200 Franken immer noch fair", erklärt er.

Ob die Valoren jenen Höhenflug wiederholen können, bleibt für Peter Stenz offen. Der Fondsmanager von Swisscanto geht nicht davon aus, dass Geberit zum grossen Outperformer der nächsten Wochen mutiert. Der Titel sei sicher nicht billig, sagt er. "Doch wenn der Gesamtmarkt nochmals anzieht, liegt auch für Geberit noch etwas drin", ist sich Stenz sicher.

Geberit wird ein sicherer Hafen bleiben

Derzeit bewegt sich der Schweizer Börsenbarometer auf knapp 6500 Punkten. Und glaubt man den Ausführungen von Alfred Ritter (Artikel), Anlagechef bei der Basler Kantonalbank, wird der SMI im vierten Quartal gegen 6800 Punkte ziehen. Davon würden auch die Geberit-Aktien profitieren.

Es bestehen jedoch leichte Zweifel, dass der Titel den Höchststand von 2007 nochmals erklimmen kann. Realistischer ist ein Preisziel von 210 Franken. Das würde auch dem Gesamtmarkt entsprechen.

Für mittel- und langfristig-orientierte Anleger bedeutet das, die Valoren von Geberit auf jeden Fall zu halten. Denn: Das Unternehmen – und alles spricht dafür – wird noch länger ein sicherer Hafen bleiben.