Die Finanzkrise schuf ein Eldorado für alle, die eine Hypothek abschliessen wollten. Und auch heute noch gibt es Vorzugskonditionen für diejenigen, die sich Geld für ein Eigenheim borgen. Dies sogar jenseits der bisherigen Praxis.
«In seltenen Fällen werden die Grundsätze und goldenen Regeln wie zum Beispiel 20 Prozent Eigenkapital gebrochen», sagt Adrian Wenger, Leiter der Hypothekarberatung des Vermögenszentrum (VZ). Dann genügten auch 5 Prozent oder 10 Prozent Eigenkapital - allerdings nur, wenn genügend Einkommen vorhanden ist.
Auch die Tragbarkeitsberechnung wird von einigen Finanzinstituten grosszügig ausgelegt: Statt mit einem maximalen Hypothekarsatz von 5 Prozent rechnen Banken auch mit 4 oder 4,5 Prozent.
Das Hypothekarvolumen stieg massiv
Diese lockere Auslegung der Richtlinien kann im Fall eines Zinsanstiegs auf 5 Prozent für zehntausende Schuldner zum Verhängnis werden. 7,6 Prozent sagen in einer repräsentativen Umfrage im Auftrag von Comparis, dass sie solche Zinsen nicht mehr bezahlen könnten. Weitere 16,6 Prozent der Hypothekarschuldner müssten sich deutlich einschränken, um die Zinsen weiter abstottern zu können.
Folgen wie bei beim Platzen der Schweizer Immobilienblase vor 20 Jahren wird es zwar auch dann nicht geben. «Aber ein Teil der Hypothekarschuldner würde bei einem Zinsanstieg auf 5 Prozent ihren finanziellen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen können», sagt Martin Scherrer, Bankenexperte bei Comparis.
Diese Einschätzung teilt Adrian Wenger: «Grundsätzlich ist die Hypotherkarvergabe bei einzelnen wenigen Instituten lascher als noch vor wenigen Jahren, sie ist aber nicht besorgniserregend.» Seit dem Jahr 2000 stieg das Hypothekarvolumen gemäss Schweizerischer Nationalbank (SNB) von 474 Milliarden auf 727 Milliarden Franken.
«Die Gewinne werden leiden»
Besonders hervor im Wettbewerb um die besten Konditionen sticht eine Grossbank: «Einige Banken sind aggressiv am Markt. Die UBS fällt auf, weil sie Marktanteile zurückerkämpfen muss. Der Gewinn ist dabei weniger wichtig als das Volumen. Und die neuen Volumen holt sich die UBS über eine Tiefpreisstrategie herein», sagt Wenger.
Dem entgegnet UBS: «Auf dem Hypothekarmarkt herrscht nach wie vor ein intensiver Wettbwerb. Wir bieten unseren Kunden eine Produktepalette zu marktgerechten Konditionen. Unsere Preispolitik haben wir nicht geändert.»
In der Vergangenheit konnte die UBS gemäss Wenger günstiger als die Konkurrenz Kapital beschaffen, ein grosser Vorteil im Zinsgeschäft. Heute sei das umgekehrt.
Wenger: «Die UBS muss mehr Zinsen bezahlen und gewährt grosszügigere Rabatte. Die Gewinne im Zinsdifferenzgeschäft werden unter diesen Vorgaben leiden.» Viele Kunden hätten in den letzten 24 Monaten ihre Geschäftsbeziehung zur UBS aufgelöst. «Es gilt das Motto: Nur weg. Davon profitieren alle anderen Finanzinstitute.»
«Wir sind 2009 im Hypothekarmarkt gewachsen, wenn auch unter dem Marktdurchschnitt», sagt UBS-Sprecher Dominique Gerster.
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