März und April ist Bonuszeit. Und mit dem Bonus in der Tasche, tun viele Angestellte das, was sie schon lange geplant haben: Sie kündigen.
Claudio Weiss, Geschäftsführer des Schweizer Karriereportals karriere.ch kennt das Phänomen: Manch ein Arbeitnehmer «wartet mit der Faust im Sack mit der Kündigung, bis er seine Schäfli im Trockenen hat».
Eine altbekannte Erscheinung
«Stellenwechsel nach der Zahlung der variablen Lohnkomponente sind ein Phänomen, das es schon immer gibt», sagt Sandra Bernet vom Personaldienstleistungs- und Unternehmensberater Freestar-People. Am ausgeprägtesten sei dies bei Mitarbeitern im Frontverkauf, die leistungsabhängige Boni beziehen, so Bernet.
Peter Schmid von der PSP Personal- und Unternehmensberatung sieht Kandidaten für bonusmotivierte Jobwechsel vor allen in den Reihen von Privat- und Investmentbankern. Denn: Speziell bei dieser Berufsgruppe kann der Zustupf den Fixlohn um ein weites übertreffen. «Da würden weder Sie noch ich vor der Bonuszahlung kündigen und sich das Geld entgehen lassen», so Schmid.
«Leidensdruck» als Hauptkündigungsgrund
Der Entschluss zu kündigen, wird gemäss Bernet jedoch vielfach schon vor der Bonuszahlung getroffen. «Monetäre Gründe, den Job zu wechseln, kommen erst an dritter oder vierter Stelle», sagt sie. Hauptgrund sei meist der Vorgesetzte, «oder generell der Leidensdruck».
Und dieser ist derzeit vor allem in der Bankbranche hoch: «Die Frustrationstoleranz ist bei vielen Mitarbeitern erreicht», sagt Schmid. Namentlich nennt er die Mitarbeiter der UBS, die seit ein bis zwei Jahren damit beschäftigt seien, bei Kunden Wogen zu glätten und Unsicherheiten abzubauen.
«Dauernd von aussen kritisiert zu werden, schlägt aufs Gemüt» sagt er — entsprechend viele möchten den Job wechseln.
«Wer sich nicht stark fühlt, wechselt nicht»
Doch ein Dämpfer für diesjährige Jobwechsel-Aspiranten bleibt. Denn noch wichtiger als die Zufriedenheit mit dem Arbeitsplatz ist gemäss Bernet das Angebot an Alternativen. Und dieses ist momentan recht dünn.
«Derzeit bewegen sich die Arbeitnehmer generell weniger — sie sind vorsichtiger geworden», so Bernet. Dies sieht auch Schmid so: Die Fluktuation ist gering, weil gerade bei Bankern eine starke Verunsicherung zu spüren sei. «Wer sich nicht stark fühlt, wechselt nicht», sagt er.
Doch: «Mit dem Aufwind am Arbeitsmarkt, wird diese Art von Stellenwechslern im zweiten Quartal wohl anziehen», prognostiziert Weiss.
