Die Herkules-Aufgabe der Pensionskassen hat sich auch 2012 nicht verändert. Noch immer suchen die Anlagechefs nach Möglichkeiten, wie sie den Mindestzinssatz der Beruflichen Vorsorge (BVG) im widrigen Umfeld an den Finanzmärkten erzielen sollen. Zuletzt haben es die Kassen 2011 wegen den taumelnden Finanzmärkte nicht geschafft, die bis Ende des vergangenen Jahres geforderten 2,25 Prozent zu erzielen.
Dazu kommt: Anlagemöglichkeiten werden immer rarer. Angesichts der Unsicherheiten an den Börsen werden die Aktienquoten relativ tief gehalten. Bei Unternehmensanleihen, die 2011 bei den Kassen noch hoch im Kurs gestanden haben, sind die Renditen im Tiefzinsumfeld weiter zurückgekommen. Und auch bei den Immobillienanlagen wird allmählich ein Höhepunkt erreicht: Letztes Jahr waren Pensionskassen bereits durchschnittlich zu 20,6 Prozent in Immobilien investiert.
Möglichst risikolose Strukis gefragt
Eine Antwort auf den Anlage-Notstand finden immer mehr Pensionskassen bei Strukturierten Produkten, wie Derivatehändler gegenüber cash bestätigten. Besonders nachgefragt sind so genannte Multi Barrier Reverse Convertibles. Dieses Produkt ist eine besondere Form einer Aktienanleihe mit beschränkter Laufzeit. An deren Ende zahlt der Emittent den Nominalwert entweder zu 100 Prozent zurück oder liefert den Basiswert, sofern der Barrierekurs unterschritten wurde. Zudem erhält der Käufer wie bei Obligationen eine regelmässige Coupon-Zahlung. Das grösste Risiko dieses Produkts liegt also in einem möglichen Kursverlust der Aktie.
„Pensionskassen kaufen vor allem möglichst risikolose Multi Barrier Reverse Convertibles auf Indizes mit einem tiefen Barrierekurs von 30 Prozent“, sagt Maurizio Maniglia vom unabhängigen Finanzintermediär Global Financial Products. Dies garantiere den Pensionskassen aufgrund der momentanen Marktsituation eine jährliche Rendite von rund 2,5 Prozent, so lange die drei Börsenbarometer SMI, Eurostoxx und S&P-500 nicht innerhalb der vordefinerten Laufzeit von drei Jahren um 70 Prozent oder mehr nachgeben.
Tiefe Barrieren empfehlenswert
Vom Trend zu immer tieferen Barrieren profitieren aber auch die Privatanleger. Die letzten Jahre haben gezeigt, wie gefährlich ein Multi Barrier Reverse Convertible ist, dessen Barrierekurs zu nahe an den aktuellen Kursen liegt. Beim letztjährigen Sommer-Crash, als der Swiss Market Index innerhalb von Wochen fast einen Viertel seines Werts verloren hatte, wurden bei Strukturierten Produkten Tausende von solchen Barrieren gebrochen. Empfehlenswert sind deshalb Werte zwischen 30 und 50 Prozent.
Auch hier gilt es allerdings ein Risiko zu beachten: Mit sinkender Barriere nimmt die garantierte Couponzahlung überproportional ab. Ein Bruch einer tiefen Barriere führt also unter dem Strich zu höheren Verlusten. Dafür ist das Risiko, dass ein solches Szenario eintrifft, deutlich geringer als bei höheren Barrieren.
Hier finden Sie eine Übersicht über sämtliche an der Schweizer Börse gehandelten Multi Barrier Reverse Convertibles.

