Der brasilianischen Wirtschaft bescheinigte Wirtschaftsprofessor Nouriel Roubini am späten Montag auf einer Veranstaltung in Sao Paulo einen «sehr positiven» Ausblick, obwohl die Schuldenkrise in der Eurozone und eine langsamere Konjunkturerholung weltweit das Wachstum bremsen dürften.
«In Brasilien gibt es derzeit, wie in vielen anderen Schwellenländern, Anzeichen für eine Überhitzung der Wirtschaft», sagte der Ökonom. «Die Inflation und die Inflationserwartungen steigen, und das impliziert, dass in den kommenden Quartalen eine restriktivere Geldpolitik gefahren werden muss, langsam aber fortschreitend, damit die Inflationserwartungen verankert bleiben.»
Pessimistisch für die Eurozone
Roubini empfahl den brasilianischen Politikern, Massnahmen zu ergreifen, die die Aufwertung des Real begrenzen sollen, darunter auch Kapitalverkehrskontrollen. In den vergangenen zwölf Monaten hat die brasilianische Währung gegenüber dem Dollar 8,2 Prozent an Wert gewonnen. Damit bietet sie die beste Performance unter den 16 wichtigsten Währungen der Welt.
Bei China geht Roubini davon aus, dass sich das Wachstum bis Ende diesen oder Anfang nächsten Jahres auf sieben bis acht Prozent verlangsamt. In den USA dürfte das Wachstum in der zweiten Jahreshälfte auf weniger als zwei Prozent absinken, so der Professor. Noch pessimistischer zeigte er sich für die Eurozone, wo er in diesem Jahr eine Stagnation erwartet.
Die Herausforderung für China sei, die inländische Nachfrage anzukurbeln, um ein Wirtschaftswachstum zu halten, das bisher auf Investments und Exporten basiere, erläuterte Roubini. Was die Inlandsnachfrage angehe, seien Brasilien und Indien in besserer Verfassung als China.
Roubini war bekannt geworden, als er die Finanzkrise prognostizierte, bevor die Märkte ihren Höhepunkt erreicht hatten.
(Bloomberg)
