Der Preisverfall am Ölmarkt habe weiterhin das Potenzial neben der konjunkturellen Abkühlung in China auch auf die fragile US-Wirtschaft durchzuschlagen, meinte ein Marktanalyst. Auf die Stimmung der Marktteilnehmer drückten daneben aber etwa auch die anhaltenden Terrorgefahren oder auch eine Untersuchungen gegen den französischen Autohersteller Renault im Zusammenhang mit dem Abgasskandal. Am Schweizer Markt standen Richemont nach Umsatzzahlen im Zentrum.

Der Swiss Market Index (SMI) beendete den Handel um 1,30% im Minus auf 8'305,47 Punkten, nachdem er am Mittag ein Tief von rund 8'175 Punkten (-2,8%) erreicht hatte. Der 30 Titel umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, sank um 1,39% auf 1'245,92 und der breite Swiss Performance Index (SPI) schloss um 1,33% tiefer auf 8'568,05 Punkten. Von den 30 wichtigsten Titeln schlossen 27 im Minus und drei im Plus.

Heftige Abgaben erlitten etwa Börsenfavoriten des vergangenen Jahres wie Galenica (-4,3%) oder Actelion (-2,6%). Verkauft wurden aber auch Finanzwerte: So büssten Credit Suisse bis Handelsende deutliche 3,1% ein. Die Analysten der französischen Grossbank Société Générale (SocGen) bestätigten ihre Verkaufsempfehlung für die Grossbankentitel bei gesenktem Kursziel. Zur Konkurrentin UBS (Titel -1,5%) trafen aus Deutschland derweil neue negative Schlagzeilen im Zusammenhang mit Steuerverfahren gegen Bankkunden ein.

Richemont büssten nach Zahlenvorlage 1,2% ein. Der Luxusgüterkonzern hatte mit dem Umsatz zum dritten Quartal 2015/16, dem Weihnachtsquartal, die Erwartungen der Analysten nicht ganz erfüllt. Vor allem das Schmuckgeschäft habe einen schwachen Umsatzbeitrag geliefert, so Experten. Allerdings habe sich zumindest die Lage in Asien zuletzt etwas verbessert. Die Verkäufe in Richemont werden offensichtlich unter anderem zu Umschichtungen in die Papiere der Konkurrentin Swatch (+2,6%) genutzt, die als stärkste SMI-Werte aus dem Handel gingen.

Zu den wenigen weiteren Gewinnern im SMI gehörten am Donnerstag noch ABB sowie die volatilen Transocean (je +0,1%) - letztere konnten mit einem zuletzt wieder etwas erholten Ölpreis wieder leicht zulegen.

Schwächer schlossen dagegen auch die Papiere des Zementkonzerns LafargeHolcim (-2,4%). Das Aktienresearch von JPMorgan senkte am Donnerstag sein Rating auf "Neutral" von bisher "Overweight" aufgrund der hohen Unsicherheiten in den Schwellenländer-Märkten. Klar nach unten ging es auch mit Adecco (-2,4%) oder Aryzta (-2,3%).

Keine Stütze waren dem Markt die defensiven Schwergewichte, bei denen insbesondere Nestlé (-1,8%) deutlich nachgaben. Auch die Pharmatitel Novartis (-0,3%) und Roche (-1,5%) beendeten den Handelstag im Minus, auch wenn die Analysten von Jefferies beide Titel auf die Liste ihrer "Global Top Picks" setzten.

Am breiten Markt büssten Lindt&Sprüngli PS 3,7% ein. Der Schokoladenhersteller teilte am Morgen einen Umsatzanstieg für 2015 von knapp 8% mit - Analysten hatten allerdings noch mehr erwartet. Dafür seien die Indikationen zu den Gewinnmargen höher als erwartet ausgefallen, hiess es.

Die in der Messtechnik und der Gasanalyse tätige Inficon (-5,3%) hatte am Mittwochabend die Anleger mit einer Gewinnwarnung erschreckt, die Papiere werden in der Folge um 4,5% nach unten geschickt. Die Titel des Fleischverarbeiters Bell schlossen nach Umsatzzahlen um 4,6% im Minus.

Gut aufgenommen wurden dagegen Angaben des Assetmanagers Partners Group (+3,3%) zur Entwicklung der verwalteten Vermögen. Das auf Privatmarkt-Strategien spezialisierte Unternehmen hat mit dem Zufluss neuer Kundengelder die Erwartungen übertroffen.

tp/yr

(AWP)