Die drei Themen, welche die befragten Banken auf die Frage nach den aktuellen Hauptaufgaben am häufigsten nannten, lauten: "Partnerschaften mit Nicht-Banken, neue Märkte und Internationalisierung, Outsourcing und Offshoring". Im Fokus stehen die strategische Neuausrichtung, profitable Ertragssteigerung und Effizienzsteigerung. Gleichzeitig ist die Bewältigung regulatorischer Anforderungen für die 120 Institute (ohne die beiden Grossbanken), die im November 2015 telefonisch befragt wurden, von der ersten auf die sechste Stelle zurückgefallen.

ES BRAUCHT INVESTITIONEN

Um das Überleben langfristig zu sichern, genügten die Einhaltung der gesetzlichen Anforderungen und Massnahmen zur Effizienzsteigerung nicht, lässt sich Patrick Schwaller, Managing Partner FSO Assurance bei EY Schweiz, in der Mitteilung zitieren. Entscheidend sei eine nachhaltige Verbesserung der Wertschöpfung.

Die Banken würden erkennen, dass der strukturelle Transformationsprozess nicht umsonst zu haben ist, sondern gezielte Investitionen erfordert, heisst es weiter. Dies zeige sich beim wachsenden Personalbedarf: 33% der Institute wollen in den nächsten zwölf Monaten neue Stellen schaffen - der höchste Wert seit fünf Jahren. Aber der Trend zu mehr Personal ist wohl nur von kurzer Dauer: Sourcing und strukturelle Effizienzsteigerungsprogramme führten mittelfristig dazu, dass Arbeitsplätze ausgelagert oder durch eine zunehmende Automatisierung ersetzt werden, sagt Olaf Toepfer, Partner und Leiter Banking & Capital Markets bei EY Schweiz.

DUTZENDE WERDEN VERSCHWINDEN

Auch der Konsolidierungsprozess in der Schweizer Finanzindustrie setzt sich bekanntlich fort. Seit 2010 seien über 60 Institute vom Schweizer Bankenmarkt verschwunden und über 200 Filialen geschlossen worden, so Toepfer. Dutzende weitere Banken würden die strukturelle Entwicklung nicht überstehen, weil sie zu wenig Kraft für die notwendige Weiterentwicklung aufbringen können.

Über eine Digitalisierungsstrategie verfügt indes nur ein Drittel der befragten Banken, und weniger als 30% rechnen damit, dass die technologische Entwicklung das Finanzgeschäft fundamental verändern wird. "Die Banken erkennen durchaus das langfristige Potenzial, aber der konkrete Wert der Digitalisierung für die Wertschöpfung der Finanzindustrie bleibt offenbar noch unklar", so Marco Amato, Partner Wealth & Asset Management bei EY Schweiz. Vielen Banken mangle es möglicherweise noch an Fantasie, konkreten Ideen und Initiativen, strukturelle Innovationen im Kern der Wertschöpfungskette anzugehen.

ys/rw

(AWP)