Zürich (awp) - Die Credit Suisse (CS) kämpft nicht nur mit der Umsetzung der neuen Strategie, sondern vor allem auch mit dem derzeit schwierigen Marktumfeld. Im vierten Quartal hat sie wegen eines riesigen Abschreibers auf Altlasten und Sonderfaktoren sogar einen hohen Milliardenverlust verbucht. Wie andere Banken auch, zeigt sie sich zudem sehr zurückhaltend in Bezug auf das Umfeld in den nächsten Monaten.

Allein für das vierte Quartal weist die zweitgrösste Schweizer Bank einen Reinverlust von 5,83 Mrd CHF aus, dies nach einem Gewinn von 691 Mio CHF in der entsprechenden Vorjahresperiode. Auf Vorsteuerebene beträgt der Verlust gar 6,44 Mrd CHF (VJ +892 Mio), wie die Bank am Donnerstag mitteilte. Damit fiel das Minus noch deutlich höher aus als von Analysten im Vorfeld im Durchschnitt befürchtet.

HOHE GOODWILL-ABSCHREIBUNG AUF DLJ

Das Minus ist insbesondere auf eine Goodwill-Wertberichtigung von 3,8 Mrd CHF zurückzuführen, die in Verbindung mit dem Erwerb der US-Bank Donaldson, Lufkin & Jenrette (DLJ) im Jahr 2000 steht. Hinzu kommen u.a. Umstrukturierungskosten von 355 Mio in Zusammenhang mit der Umsetzung der neuen Strategie, Kosten für Rechtsstreitigkeiten in der Höhe von 564 Mio sowie ein Vorsteuerverlust von 1,12 Mrd in der strategischen Abwicklungseinheit.

Markant sind auch die Einbrüche beim Geschäftsertrag im vierten Quartal. Für die Periode von Oktober bis Dezember 2015 erwirtschaftete die Bank lediglich noch 4,21 Mrd CHF und blieb damit um rund 35% unter dem Vorjahr. Zu einem war der Rückgang aufgrund der makroökonomischen Bedingungen erwartet worden, allerdings lag der Ertrag auch 17% oder über 800 Mio unter den Durchschnitts-Schätzungen von Analysten (gemäss AWP-Konsens).

VIER VON FÜNF DIVISIONEN IM MINUS

Unter den fünf Divisionen - die CS rapportiert zum ersten Mal in dieser Form - erzielte die Swiss Universal Bank einen Vorsteuergewinn von 367 Mio CHF, während die Division International Wealth Management (IWM) ein Minus von 20 Mio und Asia Pacific (APAC) eines von 617 Mio erlitt. In der Division Global Markets schlugen negative Auswirkungen durch volatile Marktbedingungen sowie eine Ausweitung der Kreditspreads bei einer Reihe von Altlasten im Anleihengeschäft voll durch, so dass ein hoher Verlust von 3,47 Mrd CHF resultierte. Und auch die Division Investment Banking & Capital Markets (IBCM) schloss das vierte Quartal im Minus ab (497 Mio CHF).

Die Kerndivisionen wiesen den Angaben nach insgesamt im vierten Quartal Netto-Neugelder von 4,4 Mrd CHF aus, die auf "soliden Zuflüssen" aus dem Corporate & Institutional Banking der Swiss Universal Bank, dem Asset Management der Division IWM und dem Private Banking der Division APAC basieren. Dem standen Abflüsse aus dem Private Banking der Division IWM (u.a. Regularisierung) sowie Abflüsse aus dem Private Banking der Swiss Universal Bank gegenüber. Die verwalteten Vermögen (AuM) fielen per Ende Dezember auf 1'214 Mrd CHF nach 1'286 Mrd Ende September.

Auch bezüglich Kapitalisierung kommt die Bank kaum voran: Die harte Kernkapitalquote (CET1 nach Basel III) verbesserte sich zwar auf 11,4% von 10,2% Ende September und die Leverage Ratio CET 1 auf 3,3% nach 2,8%. Nach der jüngsten Kapitalerhöhung um rund 6 Mrd hatte die Bank allerding noch höhere Werte für Ende 2015 angekündigt (12,2% bzw. 3,6%).

ERNÜCHTERTER KONZERNCHEF

Konzernchef Tidjane Thiam zeigt sich in der Mitteilung denn auch ernüchtert: "Das Umfeld hat sich im vierten Quartal 2015 deutlich verschlechtert, und es ist nicht abschätzbar, wann sich einige der aktuellen negativen Trends, welche die Finanzmärkte und die Weltwirtschaft beeinflussen, abschwächen werden." Er nannte etwa volatile Marktbedingungen, Druck auf die Marktliquidität, den Einbruch der Ölpreise, eine Ausweitung der Kreditspreads, eine anhaltende Ungewissheit über die divergierende Geldpolitik und umfangreichen Fondsrücknahmen durch Marktteilnehmer als belastende Faktoren.

Das dürfte vorerst aber nicht besser werden. Auch im Januar 2016 seien die Marktbedingungen schwierig gewesen, so der CEO, und sie dürften im restlichen ersten Quartal volatil bleiben. Er gibt sich in der Mitteilung aber weiter überzeugt, dass die Vermögensverwaltung - gestützt durch die Kompetenzen im Investment Banking - "langfristig äusserst attraktive Möglichkeiten" eröffne. Die Ziele bis 2018 wurden entsprechend bestätigt.

Aufgrund des schwierigen Marktumfelds sollen die Kosten jedoch noch schneller reduziert werden. Dazu gehört auch, dass der vorgesehene Personalabbau rascher vollzogen werden soll. Insgesamt habe die Bank per Ende Januar 2016 Einsparungen im Umfang von 1,2 Mrd CHF umgesetzt und damit 34% der bis 2018 angestrebten Einsparungen von total 3,5 Mrd erreicht.

AUCH TIEFROT IM GESAMTJAHR

Als Folge der tiefroten Zahlen im Abschlussquartal resultierte auch für das Gesamtjahr ein Reinverlust von 2,94 Mrd CHF nach einem Gewinn von 1,88 Mrd in 2014. Der Generalversammlung am 29. April soll dennoch eine unveränderte Dividende von 0,70 CHF pro Aktie beantragt werden - in bar oder wahlweise in Form neuer Aktien. Die Bank will gemäss Mitteilung die aktuelle Dividendenpolitik fortzusetzen, bis die Ziele zu den Kapitalquoten erreicht sind und bis hinsichtlich möglicher regulatorischer Änderungen und Risiken in Verbindung mit Rechtsstreitigkeiten grössere Klarheit besteht. Spätestens 2017 soll dann der Übergang zurück zu einer vollständigen Bardividende geschehen.

Ausserdem plant die Bank längerfristig, mindestens 40% ihres frei verfügbaren betrieblichen Kapitals auszuschütten. Sofern angemessen, werde der Verwaltungsrat zu gegebener Zeit eine Erhöhung der Ausschüttungsquote prüfen, heisst es.

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(AWP)